Slippage ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Ausführungspreis und einem Vergleichspreis. Deshalb müssen zuerst dieser Referenzpreis und sein Zeitpunkt feststehen. In dieser Erklärung bedeuten positive preisbedingte Kosten ein schlechteres Ergebnis für den Händler, negative ein besseres. Gesondert berechnete Gebühren kommen separat hinzu.
Tomáš will BTC kaufen und hält einen Vergleichspreis fest. Doch welchen sieht er gerade? Der letzte abgeschlossene Handel, der Ask als bestes Verkaufsangebot, der Bid als bestes Kaufangebot und ihr Mittelwert sind unterschiedliche Referenzen. Auch Coinbase beschreibt Slippage gegenüber dem letzten Handel; dessen Preis garantiert den nächsten nicht. Tomáš notiert deshalb Handelsplatz, Währung, Zeitpunkt, Richtung und gewünschte Menge. Andernfalls könnte ein Streit über die Abweichung allein daraus entstehen, dass jeder von einem anderen Ausgangspunkt rechnet. [1]
In unserem Modell kauft Tomáš 1 BTC. Für 60.000 USD stehen nur 0,4 BTC bereit; die übrigen 0,6 BTC kauft er für 60.100 USD je Bitcoin. Die Preise werden mit den gekauften Mengen gewichtet: Der größere Teil beeinflusst das Ergebnis stärker. Der Durchschnitt beträgt 60.060 USD je Bitcoin. Gegenüber der vorher gewählten Referenz von 60.000 USD entstehen für diesen gesamten Kauf preisbedingte Kosten von 60 USD vor Gebühren. Das entspricht 10 Basispunkten oder 0,1 % des Referenzwerts. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt. Die Zahlen illustrieren unser Modell und sind keine aktuellen Börsenangebote. [1] [3]
Drehen wir die Situation um: Tomáš verkauft 1 BTC. Davon verkauft er 0,4 BTC zu 60.000 USD und weitere 0,6 BTC zu 59.900 USD je Bitcoin. Der gewichtete Durchschnitt beträgt 59.940 USD. Gegenüber der Referenz von 60.000 USD ergeben sich wieder 60 USD Kosten, weil er weniger erhält. Beim Kauf ziehen wir die Referenz vom Ausführungspreis ab, beim Verkauf den Ausführungspreis von der Referenz. Würden wir beide Male nur die Referenz abziehen, hätte der Verkauf das umgekehrte Vorzeichen. Ein schlechteres Ergebnis könnte dadurch wie eine Verbesserung wirken. [1] [3]
Bei einem anderen Kauf erhält Tomáš 1 BTC für 59.980 USD gegenüber einer vorher gewählten Referenz von 60.000 USD. Er spart 20 USD. Nach unserer Konvention sind das preisbedingte Kosten von minus 20 USD, also eine Preisverbesserung. Slippage muss somit nicht ausschließlich einen Verlust bedeuten; die Definition des jeweiligen Berichts zählt. Die Vorzeichen müssen bei allen verglichenen Geschäften dasselbe bedeuten. Ein besserer Ausführungspreis ist außerdem etwas anderes als eine niedrigere separat berechnete Provision. [2]
Tomáš kennt das Ergebnis, aber nicht unbedingt den Grund. Seine Order könnte günstigere Angebote verbraucht und anschließend teurere Stufen des Orderbuchs erreicht haben, also der Liste wartender Aufträge. Der Markt könnte sich auch zwischen Entscheidung und Ausführung bewegt haben. Aus der Abweichung allein lässt sich sein eigener Preiseinfluss nicht von Veränderungen durch andere trennen. Zeitgestempelte Angebote, Mengen und einzelne Ausführungen helfen bei der Beurteilung; ein Tagesdurchschnitt ersetzt diesen Ablauf nicht. Große Slippage rechtfertigt eine Prüfung, beweist für sich aber kein Fehlverhalten der Börse. [1] [3]
Mit einer Limitorder kann Tomáš seinen höchsten akzeptierten Kaufpreis festlegen. Sie darf zum Limit oder günstiger kaufen; ein Verkaufslimit erlaubt Verkäufe zum Limit oder darüber. Der Auftrag kann jedoch unerfüllt oder nur teilweise ausgeführt bleiben. Regeln und Gültigkeitsdauer bestimmen, ob der Rest wartet oder gestrichen wird. Das Limit schützt zudem seine festgelegte Grenze, nicht jede andere Referenz, die Tomáš später auswählt. Es gibt ihm Kontrolle über den akzeptierten Preis, verspricht aber nicht die gesamte gewünschte Menge zur gewünschten Zeit. [1] [2]
Zurück zum ersten Kauf: 60 USD preisbedingte Kosten und eine separate Gebühr von 12 USD ergeben 72 USD gegenüber derselben Referenz und für dieselbe Menge. Das sind Beispielbeträge, keine aktuellen Tarife. Enthält die gemessene Abweichung bereits das Überqueren der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufsangebot, darf dieser Spread nicht nochmals addiert werden. Sonst zählt ein Teil derselben Kosten doppelt. Eine eingestellte Slippage-Toleranz bezeichnet entsprechend die zulässige Abweichung nach den Regeln des Dienstes, nicht einen automatisch als Gebühr abgerechneten Betrag. [1]
Tomáš wollte 1 BTC, doch nur 0,4 BTC wurden für insgesamt 24.000 USD gekauft. Für den Durchschnittspreis teilt er den tatsächlichen Ausführungswert durch 0,4, nicht durch 1. Das ergibt 60.000 USD je Bitcoin. Die übrigen 0,6 BTC wurden nicht gekauft und müssen separat ausgewiesen werden. Würde er die Ausgabe auf den gesamten geplanten Kauf verteilen, entstünde ein scheinbar günstiger Preis, den niemand angeboten hat. Gute Slippage des ausgeführten Teils kann daher mit einem unerfüllten Plan einhergehen. Zur Beurteilung gehören Menge und verbleibender Auftrag ebenso wie der Preis. [1] [3]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bid–ask spread, Market order, Limit order, Order book. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Market maker, Bid–ask spread, Market order, Limit order.