Petr möchte Bitcoin kaufen. Er sieht einen attraktiven Kurs, gibt eine Menge ein und sendet die Order. Das Ergebnis überrascht ihn: Ein Teil des Kaufs war teurer. Dahinter muss kein Fehler der App stecken. Zum angezeigten Preis war möglicherweise nur eine kleine Menge verfügbar; den Rest kaufte er von teureren Verkäufern. Die Mikrostruktur untersucht genau diesen Weg vom Handelswunsch zum tatsächlich ausgeführten Geschäft.
Market structure beschreibt die übergeordnete Organisation eines Marktes, etwa Produkte und Vermittler. Die Mikrostruktur fragt, wie Käufer und Verkäufer an einem bestimmten Ort zusammenkommen. Oft übernimmt das ein Orderbuch: eine Liste von Angeboten mit Preisen und Mengen. Anderswo stellt ein Händler selbst einen Preis, oder eine Firma vermittelt das Geschäft. Die Regeln einer Plattform gelten deshalb nicht automatisch für das gesamte Bitcoin-Netzwerk. [1]
Petr kann einen Höchstpreis für seinen Kauf festlegen und warten. Coinbase Exchange priorisiert den Preis und bei gleichem Preis die Eingangszeit. Andere Käufer können daher vor ihm stehen. Treffen nur kleine Verkaufsaufträge ein, werden zunächst diese Käufer bedient, während seine Order offen bleibt oder nur teilweise ausgeführt wird. Dass der Chart den Preis berührt, beweist nicht, dass für ihn noch genügend Menge übrig war. [2]
Eine ruhende Order stellt anderen ein Angebot zur Verfügung; bei späterer Ausführung ist sie Maker. Eine eintreffende Order, die sofort auf ein bestehendes Angebot trifft, ist Taker. Auch eine Limit order, also eine Order mit Preisgrenze, kann Taker sein, wenn ihr Limit eine sofortige Ausführung zulässt. Coinbase bietet post-only: Würde auch nur ein Teil sofort ausgeführt, wird die Order abgewiesen. Das verspricht allerdings nicht, dass eine wartende Order irgendwann eine Gegenpartei findet. [3]
Bid ist das beste aktuelle Kaufangebot, Ask das beste Verkaufsangebot; die Differenz heißt Spread. Für einen sofortigen Kauf braucht Petr zusätzlich die Mengen an den einzelnen Verkaufspreisen. Reicht das günstigste Angebot nicht aus, kann der nächste Teil teurer sein. Neben diesem Mengeneffekt zählen Gebühren und Verzögerungen. Ein enger Spread allein bedeutet deshalb keine günstige Ausführung eines großen Kaufs. [4]
Petr sieht ein großes Angebot, das kurz darauf verschwindet. Es kann gekauft, aber auch vom Anbieter zurückgezogen worden sein. Coinbase unterscheidet Meldungen über Eingang, ruhende Orders, Geschäfte und Beendigung. Die Meldung received bedeutet Annahme zur Verarbeitung, nicht automatisch einen Orderbucheintrag oder ein abgeschlossenes Geschäft. Auch eine Beendigung braucht einen Grund. Zwei Momentaufnahmen des Orderbuchs erzählen daher nicht den gesamten Ablauf. [5]
Eine App muss neue Angebote, Geschäfte und Stornierungen laufend verfolgen. Ein anfänglicher Orderbuch-Schnappschuss veraltet schnell. Coinbase beschreibt deshalb, wie ein Schnappschuss im vollständigen Datenkanal anhand von Sequenznummern mit Folgeereignissen verbunden wird. Fehlende oder doppelt angewendete Nachrichten können Mengen vortäuschen, die es nicht mehr gibt. Für den gewöhnlichen Leser folgt daraus: Ein alter Schnappschuss belegt keine aktuell verfügbare Offerte. [5]
Bevor Petrs Order eintrifft, kann jemand anderes das günstige Angebot nutzen oder der Verkäufer es zurückziehen. Die Verzögerung bei Übertragung und Verarbeitung heißt Latenz. Eine schnellere Verbindung kann sie verkürzen, garantiert aber weder Preis noch Gewinn. Auch historische Tests einer Handelsidee müssen Wartezeiten, Gebühren und nicht ausgeführte Orders berücksichtigen. Wer für jeden Handel den gerade im Chart sichtbaren Preis annimmt, kann das Ergebnis erheblich beschönigen. [4]
Eine Kurskerze fasst ausgeführte Geschäfte eines Zeitraums zusammen: Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkurs. Sie zeigt weder die ganze Warteschlange noch jedes zurückgezogene Angebot. Aus ihrem Höchstkurs folgt deshalb nicht, dass Petrs Verkauf ausgeführt worden wäre. Für sein Ergebnis prüft er eigene Ausführungen, Mengen und Gebühren am richtigen Markt. Ein Chart ist eine Übersicht, kein Beleg für sein Geschäft. [5] [2]
Ein Auftrag kann verschiedene Wege nehmen
Schema von Auftragseingang, möglichem Warten und Ausführung oder Stornierung. Sofortige Ausführung kann das Warten überspringen; Teilausführung kann einen Rest im Buch lassen.
- 01
Annahme
Die Auftragsprüfung beweist noch keinen Handel.
- 02
Mögliches Warten
Der unausgeführte Teil kann nach Preis und Rang warten; sofortige Ausführung überspringt diesen Schritt.
- 03
Ausführung oder Stornierung
Ein Handel erfordert Matching; Stornierung kann das Warten ohne Handel beenden.
Ein kleines Angebot deckt nur einen Teil des Kaufs
In einem erfundenen, unveränderten Orderbuch stehen 0.01 BTC zu 100000 USD/BTC und weitere 0.01 BTC zu 100100 USD/BTC zum Verkauf. Petr möchte sofort 0.02 BTC kaufen und nutzt beide Angebote. Er zahlt 1000 + 1001 = 2001 USD, im Durchschnitt also 100050 USD/BTC vor Gebühren. Der niedrigste Preis galt nicht für den gesamten Kauf. Die Rechnung setzt tatsächlich verfügbare Mengen und keine sonstigen Änderungen voraus; es sind weder aktuelle Kurse noch eine Ausführungsgarantie.
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Market structure, Order book, Maker–taker, Limit order, Slippage, Market depth. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Trading, Market structure, Spot market, Order book.
01Ein großes Angebot ist verschwunden. Wurde es gekauft?+
Nicht unbedingt. Es könnte ohne Geschäft storniert oder geändert worden sein. Einen Verkauf belegt erst der entsprechende Ausführungsdatensatz. Der Unterschied zwischen zwei Schnappschüssen allein zeigt die Ursache nicht.
02Warum wartet meine Limitorder, obwohl der Chart meinen Preis gezeigt hat?+
Ältere Orders zum selben Preis können vor Ihnen stehen, und die verfügbare Menge hat möglicherweise nicht ausgereicht. Der Chart kann außerdem einen anderen Markt oder Zeitpunkt zeigen. Das Limit legt akzeptable Preisbedingungen fest, garantiert aber keine ausreichende Gegenpartei.