Jana sieht sich den Bitcoin-Preis an und entscheidet sich zu kaufen. Einen kleinen Teil erhält sie zum angezeigten Preis, für den Rest zahlt sie mehr, weil die günstigsten Angebote nicht reichen. Ihr Kauf hat damit die Bedingungen seiner eigenen Ausführung verändert. Das nennt man Market impact. Gleichzeitig ändern andere Marktteilnehmer ihre Angebote, und neue Informationen treffen ein. Am Endpreis allein lässt sich deshalb nicht ablesen, welchen Anteil an der Veränderung Jana verursacht hat.
Nach ihrem Kauf bemerkt Jana einen Preisanstieg. Ein Zusammenhang liegt nahe, doch gleichzeitig handelten andere Menschen, und vielleicht gab es neue Nachrichten. CFA bezeichnet den durch den eigenen Auftrag ausgelösten Preiseffekt als Market impact und unterscheidet ihn von Marktbewegungen während der Ausführung. Um Janas genauen Anteil zu kennen, müssten wir wissen, wie sich der Preis ohne ihren Kauf entwickelt hätte. Diese alternative Entwicklung ist nicht direkt beobachtbar. [1]
Im Order book stehen Angebote mit bestimmten Preisen und Mengen. Will Jana sofort kaufen und reicht das günstigste Verkaufsangebot nicht aus, kann ihr Auftrag teurere Preisstufen nutzen. CME modelliert so die Kosten einer festen Menge. Eine Momentaufnahme zeigt aber nur, was bei diesen Angeboten geschehen würde. Während der tatsächlichen Ausführung können Verkäufer Angebote ergänzen oder zurückziehen, und andere Käufer können schneller zugreifen. [2]
Slippage ist die Differenz zwischen dem Ausführungspreis und einem gewählten Vergleichspreis. Jana muss also sagen, womit sie das Ergebnis vergleicht. CFA unterscheidet bei indirekten Kosten die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis, den eigenen Preiseinfluss, Verzögerungen und nicht ausgeführte Geschäfte. Gebühren kommen hinzu. Hat sich der Markt während des Wartens bewegt, ist nicht das gesamte schlechtere Ergebnis Janas Kauf anzulasten. Slippage und Market impact sind deshalb keine austauschbaren Begriffe. [3]
Als Vergleich kann der Preis vor der Auftragserteilung, der Schlusskurs oder VWAP dienen: der mit den gehandelten Mengen gewichtete Durchschnittspreis in einem gewählten Zeitraum. CFA unterscheidet diese Maßstäbe. Für denselben Kauf können sie verschiedene Ergebnisse liefern. Gegenüber derselben Referenz ist ein höherer Ausführungspreis für Käufer schlechter, ein niedrigerer für Verkäufer. Richtung, Zeitpunkt und Auswahl der Referenz gehören deshalb immer dazu; eine Zahl allein sagt wenig. [1]
Nach einem großen Kauf kann sich der Preis teilweise zurückbewegen, muss es aber nicht. Olivier Guéant beschreibt verschiedene mathematische Modelle: Einige trennen sofortige und dauerhafte Komponenten, andere betrachten das Abklingen des Einflusses, während neue Angebote das Buch auffüllen. Die Begriffe gehören zu Modellannahmen und versprechen keine bestimmte nächste Preisbewegung. Ein einzelnes Diagramm zeigt weder, welcher Anteil für immer bleibt, noch, welcher tatsächlich durch diesen Handel entstand. [4]
Jana könnte schrittweise kaufen: Kleinere Teile können zu einem Zeitpunkt weniger Angebote verbrauchen. Der verbleibende Kauf bleibt aber Preisänderungen ausgesetzt und wird womöglich nicht abgeschlossen. CFA wägt das Ausführungstempo deshalb gegen Dringlichkeit, erwartete Kosten und Risiko ab. Langsamer bedeutet nicht automatisch günstiger. Die Aufteilung verändert die Handelsbedingungen, beseitigt aber nicht die Unsicherheit. [1]
Nach einem Geschäft können neue Angebote eintreffen. CME zeigt bei Futures, also Verträgen mit künftiger Abwicklung, wie wichtig neue Angebote und tatsächliche Ausführungspreise sind. CFA beschreibt außerdem den Handel an mehreren Orten und verborgene Aufträge, die in der üblichen öffentlichen Ansicht fehlen. Derselbe Kauf muss daher zu anderer Zeit oder an einer anderen Börse nicht denselben Einfluss haben. Erkenntnisse aus Futures garantieren auch nicht das Verhalten einer Bitcoin-Plattform. [5] [3]
Jana kann den Zeitpunkt der Auftragserteilung, einzelne Ausführungen, deren Preise, die Gesamtmenge und Gebühren vergleichen. Sie sollte auch wissen, ob ein Teil offen blieb. CFA berücksichtigt Verzögerungen und nicht ausgeführte Geschäfte in der Gesamtbewertung. Der tatsächlich bezahlte Betrag ist feststellbar; die Zuordnung von Preisbewegungen zu Ursachen beruht auf Schätzungen. Man kann das genaue Ergebnis nennen und zugleich offenlassen, wie viel davon auf den eigenen Auftrag zurückgeht. [3]
Was Jana bezahlt und was wir trotzdem nicht wissen
In einem fiktiven, unveränderten Buch liegt das beste Kaufangebot, der bid, bei 99900 USD/BTC und das beste Verkaufsangebot, der ask, bei 100000 USD/BTC. Ihre Mitte beträgt 99950 USD/BTC. Angeboten werden 0.01 BTC zum besten ask und weitere 0.01 BTC zu 100200 USD/BTC. Jana kauft 0.02 BTC und bezahlt 1000 + 1002 = 2002 USD, im Durchschnitt also 100100 USD/BTC. Das sind 150 USD/BTC über der anfänglichen Mitte: 50 USD/BTC entfallen auf den Wechsel zum besten Verkaufsangebot, 100 USD/BTC auf die nächste Preisstufe. Für die gesamte Menge beträgt die Differenz 3 USD. Gebühren und Änderungen im Buch bleiben unberücksichtigt. Das Modell zerlegt den gezahlten Preis; es schätzt nicht den dauerhaften Einfluss von Janas Kauf im tatsächlichen Markt.
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Market depth, Slippage, Market liquidity, Market microstructure, Order book, Volume weighted average price. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Market depth, Depth chart, Market liquidity, Price discovery.
01Habe ich einen Preisanstieg nach meinem Kauf verursacht?+
Die zeitliche Reihenfolge beweist das nicht. Andere handeln gleichzeitig, und neue Informationen treffen ein. Wir sehen nicht direkt, welcher Preis ohne Ihren Kauf entstanden wäre. Der gesamte Anstieg lässt sich Ihnen daher nicht automatisch zurechnen.
02Beseitigt die Aufteilung eines Kaufs den Preiseinfluss?+
Das ist nicht garantiert. Kleinere Aufträge können den unmittelbaren Druck verringern, doch während einer längeren Wartezeit kann sich der Markt ändern und ein Teil unerledigt bleiben. Wiederholte Aufträge können anderen zudem Ihre Absicht verraten. Entscheidend sind Gesamtergebnis und Risiko, nicht nur die Größe eines Teils.