Der Bid–ask spread bezeichnet die Spanne zwischen den besten verfügbaren Angeboten beider Marktseiten. Der Bid ist der höchste gebotene Kaufpreis, der Ask der niedrigste verlangte Verkaufspreis. Ask minus Bid ergibt den Spread. Verglichen werden dasselbe Instrument, dieselbe Währung, derselbe Handelsplatz und derselbe Zeitpunkt, nicht der heutige und der gestrige Kurs.
Ela öffnet den Markt für BTC gegen Dollar. Im Orderbuch, der Liste wartender Kauf- und Verkaufsaufträge, sieht sie einen besten Bid von 59.990 USD und einen besten Ask von 60.010 USD. Will sie sofort kaufen, nimmt sie das höhere Verkaufsangebot an. Will sie sofort verkaufen, akzeptiert sie das niedrigere Kaufangebot. Die Spanne beträgt 20 USD je BTC. Bid und Ask benennen also die Seiten der wartenden Angebote, nicht die Schaltflächen, die Ela betätigt. Das ist unser vereinfachtes Beispiel. Beim tatsächlichen Handel zählt auch, wie viel Bitcoin zu jedem Preis noch verfügbar ist. [1]
Zwischen den Angeboten liegt der Mittelwert von 60.000 USD. Er ist der Durchschnitt aus bestem Bid und Ask und hilft beim Vergleichen, verspricht aber keine Ausführung zu diesem Preis. Bezogen auf diesen Mittelwert entsprechen 20 USD Spread etwa 3,33 Basispunkten. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt: Gemeint sind also rund 0,0333 %, nicht 3,33 %. Zwei relative Angaben benötigen denselben Nenner, also denselben Basisbetrag der Division, um dasselbe auszusagen. Der Anteil am Bid unterscheidet sich leicht vom Anteil am Mittelwert. Für einen gewöhnlichen Kauf kommt zuerst das Verständnis der Dollarpreise; diese Einheiten dienen genaueren Marktvergleichen. [1]
Ela kauft in unserem Beispiel 1 BTC für 60.010 USD. Das sind 10 USD über dem Mittelwert von 60.000 USD. Verkauft sie sofort zum unveränderten Bid von 59.990 USD zurück, erhält sie weniger als gezahlt. Die Differenz beträgt vor Gebühren 20 USD, nicht 40 USD. Jede Richtung liegt einen halben Spread vom ursprünglichen Mittelwert entfernt; der Hin- und Rückweg umfasst beide Hälften. Voraussetzung sind unveränderte Angebote und ausreichende Mengen für beide Geschäfte. In Wirklichkeit kann sich der Markt bewegen, bevor die zweite Order eintrifft. [1] [3]
Ändern wir nun die verfügbaren Mengen. Zum Ask von 60.010 USD stehen nur 0,1 BTC bereit; weitere 0,9 BTC kosten 60.030 USD je Bitcoin. Kauft Ela insgesamt 1 BTC über beide Stufen, bestimmen die tatsächlich entnommenen Mengen ihre Rechnung. Gewichtet man die Preise mit diesen Mengen, ergibt sich ein Durchschnitt von 60.028 USD je Bitcoin. Das sind 18 USD mehr als der erste Ask und 28 USD mehr als der Mittelwert von 60.000 USD. Ein enger Spread an der Spitze des Orderbuchs macht eine große Order noch nicht günstig. Markttiefe beschreibt die Mengen auf den einzelnen Preisstufen. Die Rechnung ist unser Modell, keine Gebührenformel der Börse. [2] [3]
In Statistiken kann Ela auch dem effektiven Spread begegnen. Er basiert auf einem ausgeführten Geschäft, nicht allein auf angezeigten Angeboten. In einem eigenen Beispiel kauft sie für 60.006 USD bei einem Referenzmittelwert von 60.000 USD. Die einseitige Abweichung beträgt 6 USD. Eine von der US-Wertpapieraufsicht SEC für Aktienausführungen beschriebene Konvention verdoppelt sie auf 12 USD. Das ist ein Maß für die Ausführungsqualität, keine zusätzliche Gebühr von 12 USD. Auch der Zeitpunkt der Referenznotierung muss zur Methode passen. Das Beispiel erläutert eine Aktienmarktkennzahl und überträgt deren rechtliche Regeln nicht auf alle Bitcoinbörsen. [4]
Zurück zum Kauf am ursprünglichen Ask: Bei 1 BTC liegt der Preis 10 USD über dem verwendeten Mittelwert. Berechnet der Anbieter zusätzlich 5 USD Gebühr, betragen die Kosten gegenüber diesem Mittelwert 15 USD. Wir erfassen die Abweichung des tatsächlichen Kaufpreises und die gesonderte Gebühr getrennt. Der volle Spread von 20 USD wird nicht nochmals auf eine Abweichung addiert, die den Abstand zum Mittelwert bereits enthält. Sonst würde ein Teil derselben Kosten doppelt zählen. Auch diese Zahlen sind Beispiele, keine aktuellen Tarife; weitere Kosten müssen gesondert benannt werden. [3]
Ein Vergleichsportal kann Ela einen hohen Bid an einer Börse und einen niedrigen Ask an einer anderen zeigen. Das sind nicht die beiden Seiten eines einzigen Orderbuchs. Zuerst prüft sie Instrument, Währung, Gleichzeitigkeit der Preise und Mengen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob sie beide Geschäfte erreichen kann, die nötigen Mittel vor Ort hat und Gebühren oder Transfers anfallen. Auf dem Bildschirm können Zahlen günstig aussehen, während die gleichzeitige Ausführung unmöglich ist. Gekreuzte Preise allein sind deshalb keine gesicherte Arbitrage, also kein sicher ausführbarer Gewinn aus der Preisdifferenz. [2] [3]
Beim Lesen von Statistiken kann Ela auf einen fehlenden Wert stoßen. Die CME-Methode berechnet zum Beispiel auf einer Stufe keinen Spread, wenn Bid oder Ask fehlen. Ein leeres Feld ist daher nicht null: Es sagt nicht, dass sie gerade zum selben Preis kaufen und verkaufen kann. Ebenso fasst ein Tagesdurchschnitt Beobachtungen zusammen und ist kein Angebot, das auf ihre Order wartet. Vor Vergleichen prüft Ela deshalb, ob sie aktuelle Angebote, einen Zeitdurchschnitt oder den Preis für eine bestimmte Menge betrachtet. So wird aus dem Spread eine nützliche Information statt einer isolierten Zahl. [2]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Market maker, Slippage, Market order, Limit order. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Market maker, Slippage, Market order, Order book.