Time Preference ist die Bevorzugung früherer gegenüber späterer Befriedigung unter sonst gleichen Bedingungen. Ohne zusätzliche Annahmen entspricht sie weder einem beobachteten Zinssatz noch dem Sparguthaben oder dem moralischen Wert eines Menschen.
Mises betont in Human Action die Bedingung sonst gleicher Umstände. Dieselbe Befriedigung früher vorzuziehen bedeutet nicht, dass geringer heutiger Konsum jeden größeren zukünftigen Vorteil überwiegen muss. Sein österreichisches Argument über die Struktur des Handelns unterscheidet sich von einem empirisch gemessenen persönlichen Diskontsatz. [Mises — Human Action, XVIII]
100 heute oder 110 in einem Jahr verändert Zeitpunkt und Betrag. Vertrauen in die Zahlung, Kaufkraft, Transaktionskosten und zwischenzeitliche Anlagemöglichkeiten beeinflussen die Wahl. Eine einzelne Antwort zeigt daher weder unmittelbar reine Zeitpräferenz noch lässt sie sich auf jede Lebenslage übertragen. [Frederick, Loewenstein and O’Donoghue — Time Discounting and Time Preference]
Wer die Wohnung bezahlen muss und keinen Kredit erhält, kann trotz langfristiger Planung den kleineren sofortigen Betrag wählen. Einkommen und Liquidität verändern die möglichen Optionen. Geringe Ersparnisse oder ein Kredit allein beweisen weder Ungeduld noch bestimmen sie den Wert eines Menschen. [Fisher — The Theory of Interest, XXI] [Frederick, Loewenstein and O’Donoghue — Time Discounting and Time Preference]
Beim konstanten Diskontfaktor delta erhält Nutzen in t Perioden das Gewicht delta^t. Beispielhaft ergibt delta = 0,95 nach zwei Perioden 0,9025. Das ist ein Modellgewicht für Nutzen, nicht automatisch ein Geldpreis; die Umrechnung in einen Betrag benötigt auch eine Nutzenfunktion und eine definierte Periodenlänge. [Frederick, Loewenstein and O’Donoghue — Time Discounting and Time Preference]
Laibson modelliert eine zusätzliche Abwertung verzögerten gegenüber sofortigem Nutzen. Ein Plan zu warten kann sich ändern, sobald eine Option unmittelbar verfügbar wird. Diese Zeitinkonsistenz unterscheidet sich von hoher, aber konstanter Diskontierung; das Modell erklärt auch den Wunsch, künftige eigene Entscheidungen vorab einzuschränken. [Laibson — Golden Eggs and Hyperbolic Discounting]
Fisher verbindet Ungeduld, Einkommensmöglichkeiten und Marktbedingungen; die subjektive Seite allein genügt in seinem Modell nicht. Bei realen Krediten sind zudem erwartete Inflation, Ausfallrisiko und Liquidität zu unterscheiden. Der Zinssatz einer bestimmten Bank misst daher nicht direkt die Zeitpräferenz einer ganzen Gesellschaft. [Fisher — The Theory of Interest, XXI]
Bitcoin kann Teil eines langfristigen Plans sein, doch sein Preis schwankt und der Besitz allein verrät weder Motivation noch zukünftigen Konsum. Die Behauptung, ein BTC-Kauf verursache mehr Geduld, müsste die Auswahl bereits geduldiger Menschen, Vermögensänderungen und weitere Einflüsse trennen. Technische Regeln des Vermögenswerts liefern diesen Kausalbeleg nicht. [Frederick, Loewenstein and O’Donoghue — Time Discounting and Time Preference] [Bitcoin.org — Saving and volatility FAQ]
Anzugeben sind Belohnung, Termine, Zahlungssicherheit, reale oder hypothetische Anreize sowie finanzielle Beschränkungen. Wiederhole vergleichbare Entscheidungen und trenne geschätzte Parameter von Verhalten, das andere Faktoren verursacht haben könnten. Eine stabile persönliche Eigenschaft abzuleiten geht weiter als das Ergebnis einer einzelnen Aufgabe. [Frederick, Loewenstein and O’Donoghue — Time Discounting and Time Preference] [Laibson — Golden Eggs and Hyperbolic Discounting]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Capital Goods, Solides Geld, Marginal Utility, Human Action. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Österreichische Schule, Marginal Utility, Ordinal Utility, Opportunity Cost.