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Bitcoin Is Venice

Allen Farrington und Sacha Meyers über Kapital, Geld und Institutionen

Bitcoin Is Venice verbindet Bitcoin mit der Frage, wie eine Gesellschaft Kapital bildet und erneuert. Allen Farrington und Sacha Meyers nutzen ökonomische Argumente und historische Analogien, um über Geld, Handel und die Gestalt von Institutionen nachzudenken.

Das Buch von 2022 ist eine Sammlung miteinander verbundener Essays, keine Anleitung zur Bedienung des Protokolls. Dieser Überblick erläutert ausgewählte Argumente aus dem öffentlich zugänglichen Autoren-PDF und unterscheidet sie von Garantien für die künftige Entwicklung.

Allen Farrington und Sacha Meyers veröffentlichten Bitcoin Is Venice im Jahr 2022. Sie fragen, wie Geld mit den Eigenschaften von Bitcoin die Kapitalbildung und gesellschaftliche Institutionen verändern würde. Ihre zentrale These lautet, dass die Annahme solchen Geldes die langfristige Kapitalbildung fördern kann. Das ist ein Argument der Autoren über eine mögliche gesellschaftliche Entwicklung, keine bloße Beschreibung eines Kursdiagramms. [1] [3]

In ihrer Anmerkung zur Entstehung des Buches erklären die Autoren, dass der Text aus früheren Essays und gegenseitigen redaktionellen Anmerkungen hervorging. Nach eigener Aussage ist dies keine vollkommen einheitliche Darstellung: Die Kapitel behalten unterschiedliche Autorenstimmen und bisweilen abweichende Ansichten. Das hilft, starke Aussagen als Teil eines konkreten Arguments zu lesen, statt das Buch mit einer technischen Spezifikation von Bitcoin zu verwechseln. [3]

Der Abschnitt Stocks and Flows unterscheidet den Kapitalbestand von Einkommens- und Gewinnströmen. Kapital ermöglicht künftige Produktion; ein Teil ihrer Ergebnisse ist wiederum für seine Erneuerung nötig. Deshalb halten die Autoren einen bloßen Anstieg des unmittelbaren Konsums nicht für ein ausreichendes Maß wirtschaftlicher Gesundheit. In ihrer Darstellung kommt es darauf an, ob die Fähigkeit zur Wertschöpfung erhalten und weiterentwickelt oder ihre eigene Grundlage aufgezehrt wird. [3]

In The Capital Strip Mine vergleichen die Autoren wirtschaftliches Handeln mit dem Unterschied zwischen der Pflege des Bodens und seiner Ausbeutung. Gemeint ist hier nicht Bitcoin-Mining: Das Bild bezeichnet den Verbrauch produktiver Kapazität zugunsten eines unmittelbaren Ergebnisses. Sie verbinden diese Tendenz mit monetären Anreizen, Schulden und der Bevorzugung einer messbaren Gegenwart gegenüber unsicheren Zukunftsinvestitionen. Die Metapher fasst ihre Kritik zusammen, ersetzt aber keinen Nachweis für jede konkrete Volkswirtschaft. [3]

Im gleichnamigen Abschnitt wird Venedig zur Analogie für ein Handels- und Institutionensystem, das verschiedene frühere Erkenntnisse verband. Die Autoren vergleichen diese Fähigkeit mit Bitcoin als Kombination bereits vorhandener technischer Ideen. Sie erinnern auch an Zahlungen in den Büchern venezianischer Bankiers und unterscheiden Abwicklung vom alltäglichen Werttransfer. Sie sagen ausdrücklich, dass Bitcoin keine Stadt ist; der Vergleich soll das Nachdenken über ein System erleichtern, nicht eine Wiederholung der Geschichte beweisen. [3]

Die Passage Scaling In Layers unterscheidet die Rolle der grundlegenden Abwicklung von den darauf aufbauenden Diensten. Die Autoren befürworten eine begrenzte Funktion des Basisnetzwerks und verwenden Lightning Network als Beispiel einer weiteren Schicht. Dabei weisen sie auf das in Zahlungskanälen gebundene Kapital hin. Diese Sicht verbindet technische Architektur mit Kosten und Zahlungsorganisation; sie bedeutet nicht, dass eine weitere Schicht sämtliche betrieblichen oder finanziellen Unsicherheiten beseitigt. [3]

In der Diskussion über die Organisation des Finanzwesens präzisieren die Autoren ihren Optimismus ausdrücklich. Sie sagen nicht voraus, dass jede Organisation klein sein wird. Sie erwarten vielmehr, dass sie nicht allein wegen ihrer Finanzierungsweise groß sein muss und dass sich ihre Größe an ihrem Zweck orientieren kann. Sie beschreiben den Wandel somit nicht nur als Dezentralisierung, sondern auch als Rückgang bestimmter Formen der Finanzialisierung. Ihr Argument betrifft Anreize und Institutionen, keine mechanische Regel für die Größe jedes Unternehmens. [3]

Dieser Überblick beruht auf Verlagsangaben und ausgewählten Teilen des von den Autoren veröffentlichten PDFs: der Entstehungsnotiz, einem Teil der Einleitung sowie Passagen über Kapital, Venedig und Zahlungsschichten. Er erzählt nicht alle Kapitel nach. In der Einleitung räumen die Autoren auch ein mögliches Scheitern von Bitcoin ein, obwohl sie selbst eher mit Erfolg rechnen. Ihre historischen Analogien und institutionellen Prognosen lesen wir daher als begründete These mit offenem Ausgang. [3] [2]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin, Time Preference, Lightning Network, Layered Money, Resistance Money. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem The 7th Property.

01Ist The Capital Strip Mine ein Kapitel über Bitcoin-Mining?

Nein. Abbau ist in diesem Titel eine Metapher für den Verbrauch von Kapital statt seiner Erneuerung. Die Autoren bezeichnen damit wirtschaftliche Anreize, die ihrer Ansicht nach unmittelbaren Konsum gegenüber langfristiger produktiver Fähigkeit begünstigen.

02Behauptet das Buch, Bitcoin werde den Erfolg Venedigs automatisch wiederholen?

Es handelt sich nicht um einen solchen mechanischen Beweis. Venedig ist eine Analogie, mit der die Autoren die Verbindung von Handel, Geld und Institutionen erläutern. In der Einleitung räumen sie auch ein Scheitern von Bitcoin ein; ihr eigener Optimismus hebt diese Offenheit nicht auf.

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