Cantillon Effect beschreibt Änderungen relativer Preise, Kaufkraft und Ressourcenverteilung abhängig davon, wer neues Geld zu welchen Bedingungen erhält und verwendet. Er ist nicht bloß ein anderer Name für ein steigendes allgemeines Preisniveau.
Richard Cantillon beschreibt im Essai neues Gold oder Silber aus Minen und Ausgaben von Eigentümern, Unternehmern und Arbeitern, die sich durch weitere Geschäfte verbreiten. Er verfolgt den Geldweg durch die Wirtschaft. Der Mechanismus betrifft nicht nur Banknotendruck; heutige Anwendungen müssen konkrete Geldentstehung und Weitergabe belegen. [Richard Cantillon — Essai, II.VI]
Cantillon betont, dass eine Verdoppelung des Geldes nicht jeden Preis verdoppeln muss. Steigt beispielhaft ein Lebensmittel von 10 auf 12 bei Lohn 100, lässt sich weniger davon kaufen. Das berechnet weder gesamte Inflation noch beweist es deren Ursache; andere Preise, Löhne und Angebot können sich anders entwickeln. [Richard Cantillon — Essai, II.VII]
Die Bank of England erklärt, dass Kreditvergabe normalerweise eine entsprechende Einlage schafft. Beim Beispielkredit 100 hat der Schuldner Einlage 100 und Schuld 100, kein geschenktes Nettovermögen. Zins, Sicherheiten, Verwendung und Tilgung zählen. Eine bestehende Einlage zwischen Personen zu übertragen ist etwas anderes als ihre Entstehung. [Bank of England — Money creation in the modern economy]
Bei QE kann ein Nichtbankverkäufer eine Anleihe gegen eine neue Einlage tauschen; seine Bank erhält Reserven und eine entsprechende Verbindlichkeit. Der Verkäufer gibt auch ein Aktivum ab. Die Transaktion allein schenkt ihm nicht den gesamten Zahlbetrag. Preise, Renditen und spätere Entscheidungen können trotzdem Verteilungswirkungen haben. [Bank of England — Money creation in the modern economy]
Haushalte unterscheiden sich in Aktiva, Krediten, Zinskonditionen und Arbeitseinkommen. ECB Working Paper 2190 schätzt für das untersuchte QE geringere Einkommensungleichheit, vor allem durch Beschäftigung. Dies ist ein konkretes Modell- und Datenergebnis, keine allgemeine Schlussfolgerung; Vermögenspreise und Arbeitseinkommen können unterschiedlich wirken. [ECB Working Paper 2190 — Monetary policy and household inequality]
Erwartungen können bereits vor einer Zahlung in Preise eingehen. Ein früher Empfänger kann auch einen ungünstigen Kredit aufnehmen oder überteuert kaufen. Die Bewertung braucht Verträge, Bilanzen, Zeitablauf und reale Kaufkraft, nicht nur das Etikett „nah am neuen Geld“. [Bank of England — Money creation in the modern economy] [ECB Working Paper 2190 — Monetary policy and household inequality]
Bitcoin gibt neue Einheiten nach Protokollregeln als Teil der Mining-Belohnungen aus; Miner leisten Arbeit und tragen Kosten. Vorhersehbare Emission begrenzt eine bestimmte diskretionäre Zuteilung, garantiert aber weder gleiches Vermögen, Preise noch Kreditzugang. In BTC denominierte Kredite und Forderungen sind zudem keine neuen nativen Bitcoins. [Bitcoin.org — Issuance and value FAQ]
Geld- oder Politikänderung, Erstempfänger, Ausgabenkanal und Zeitraum bestimmen. Mit einem realistischen Verlauf ohne Eingriff vergleichen und Güterangebot, Steuern, Kreditrisiko sowie andere Änderungen trennen. Steigende Hauspreise oder Bankgewinn allein beweisen keinen Cantillon Effect; er strukturiert Kanalanalysen und ersetzt keine Messung. [Richard Cantillon — Essai, II.VII] [ECB Working Paper 2190 — Monetary policy and household inequality]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Fiatgeld, Monetary Premium, Credit Expansion, Solides Geld. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Forced Saving.