Forced Saving ist kein einheitlicher Buchungsposten. Historische Darstellungen unterscheiden Investitionsstrukturen ohne entsprechende freiwillige Ersparnisse von möglichen Ersparnissen nach einer Kaufkraftumverteilung. Moderne Verwendungen können wegen Konsumbeschränkungen nicht ausgegebenes Geld bezeichnen. Geringerer Konsum einer Gruppe beweist allein keinen gesamtwirtschaftlichen Kapitalzuwachs.
Garrison vergleicht Hayeks und Mises’ Darstellungen und betont, dass Forced Saving in ihren Argumenten nicht immer dasselbe bedeutet. Teilweise bezeichnet es Investitionen entgegen freiwilligen Konsumentscheidungen, teilweise eine mögliche zusätzliche Ersparnisquelle. Ohne diese Trennung können gleiche Begriffe den Sinn einer Aussage umkehren. [Garrison — Overconsumption and Forced Saving]
Eigenes Beispiel zu Mises’ Erörterung: Einkommen von 100 kauft 10 Warenkörbe zum Preis von 10. Bei gleichem Lohn und Preis 20 sind es nur 5. Der Haushalt konsumiert weniger, doch bei vollständiger Ausgabe des Einkommens bleibt keine Geldersparnis. Das Beispiel trennt Größen und erklärt nicht die gesamte Kapitalbildung. [Mises — Human Action, XX.5]
Mises lässt zu, dass ungleiche Preis- und Einkommensänderungen Mittel zu stärker sparenden Menschen verschieben. Er bestreitet ausdrücklich die Notwendigkeit dieses Ergebnisses: Löhne müssen nicht nachlaufen, und Begünstigte können zusätzliche Einkommen konsumieren. Der Nettoeffekt hängt von konkreten Änderungen und Entscheidungen ab. [Mises — Human Action, XX.5]
Mises warnt vor Scheingewinnen, wenn buchhalterische Kosten den teureren Ersatz verschlissener Anlagen unzureichend erfassen. Einen solchen Überschuss auszuschütten und zu konsumieren kann Kapitalverzehr bedeuten. Höhere Geldeinkommen oder Investitionsausgaben belegen daher allein keine größere nachhaltig nutzbare Produktionskapazität. [Mises — Human Action, XX.5]
Garrison unterscheidet Phasen und Bedeutungen des Begriffs. In seiner Darstellung kann ein Kreditboom zunächst Konsum und Investitionen steigern, etwa zulasten der Instandhaltung. Eine spätere Konsumgüterknappheit ist eine andere Phase. Wachsende heutige Ausgaben beweisen nicht, dass bereits genügend freiwillige Ersparnisse zum Abschluss der Projekte vorhanden sind. [Garrison — Overconsumption and Forced Saving]
Die ECB-Studie von 2020 bezeichnet eingeschränkte Konsummöglichkeiten während der Pandemie als erzwungenes Sparen. Sie unterscheidet dies vom Vorsichtssparen wegen unsicherer künftiger Einkommen; ersteres enthält auch einen Teil der Zurückhaltung aus Ansteckungsangst. Das ist nicht automatisch die österreichische Erklärung kreditbedingter Produktionsumlenkung. [ECB — COVID-19 and the increase in household savings]
Die ECB führt den vom Modell nicht erklärten Sparanstieg überwiegend auf Konsumbeschränkungen zurück. Das ist eine Schätzung durch Interpretation eines Restes, keine Messung der Absichten jedes Haushalts. Bewahre beim Zitieren Zeitraum, Methode und Unsicherheit; übertrage das Ergebnis nicht auf jede künftige Krise. [ECB — COVID-19 and the increase in household savings]
Redaktionelle Anwendung der historischen Unterscheidungen: Ermittle, wessen Einkommen und Preise sich änderten, wer den Konsum senkte und wer tatsächlich investierte oder Kapital aufzehrte. Ein wachsendes Geldmengenaggregat beweist diese Kette nicht. Auch der Kauf von Bitcoin belegt allein kein Forced Saving; Ursache und entsprechendes Gegenstück der Änderung müssen nachgewiesen werden. [Garrison — Overconsumption and Forced Saving] [Mises — Human Action, XX.5]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Credit Expansion, Austrian Business Cycle Theory, Capital Goods, Cantillon Effect, Economic Calculation. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Credit Expansion.