Ein Future ist ein börsengehandelter Terminkontrakt: Beide Seiten übernehmen Verpflichtungen nach festgelegten Regeln. Sein Wert hängt von einem Basiswert ab, hier Bitcoin; deshalb gehört er zu den Derivaten. Er kann der Spekulation auf steigende oder fallende Preise dienen oder ein bereits vorhandenes Preisrisiko verringern. Das ist etwas anderes, als Bitcoin zu besitzen.
Petr öffnet eine Übersicht zu Bitcoin futures. Bevor er einen möglichen Gewinn berechnet, muss er wissen, wofür ein Kontrakt steht. Der Standardkontrakt CME BTC umfasst beispielsweise 5 BTC und endet mit einem Barausgleich. Ein anderer Vertrag kann eine andere Einheit, Währung oder Lieferart vorsehen. Maßgeblich sind die Produktspezifikationen, also seine genauen Regeln. In den folgenden Beispielen rechnen wir linear in USD: Die Preisänderung wird mit der Bitcoin-Menge multipliziert, der die Position entspricht. Auf inverse Kontrakte lässt sich diese einfache Rechnung nicht unverändert übertragen; dort hängen Preis und Ergebnis in der Abrechnungswährung anders zusammen. [1] [4]
Für unser eigenes Rechenbeispiel wählen wir einen erfundenen Kontrakt über 0,5 BTC. Petr kauft 2 Kontrakte; seine Position reagiert somit auf die Preisbewegung von 1 BTC. Bei einer Notierung von 60.000 USD je Bitcoin beträgt ihr rechnerischer Wert, der Nominalwert, 60.000 USD. Diesen Betrag muss er nicht vollständig bezahlen. Nehmen wir stattdessen eine Margin von 5.000 USD an: eine Sicherheit für die Verpflichtungen gegenüber dem Broker, seinem Handelsvermittler. Das ist eine Annahme für das Beispiel, kein aktuelles Angebot. Petr hat damit weder einen ganzen Bitcoin gekauft noch seinen möglichen Verlust begrenzt. Eine kleinere Sicherheit ermöglicht das Risiko einer größeren Position: Das ist Hebelwirkung. [1] [3]
Mit seinem Kauf ist Petr long: Seine Position profitiert von steigenden Futures-Preisen. Bei der Größe von 1 BTC ergibt der Anstieg von 60.000 auf 63.000 USD einen Gewinn von 3.000 USD vor Kosten. Die entgegengesetzte Verkaufsposition, short, würde dabei 3.000 USD verlieren. Gerechnet wird mit der Veränderung des Futures-Preises, nicht automatisch mit der des Spotpreises, zu dem tatsächliche Bitcoin jetzt gekauft werden können. Das ist wichtig, weil sich beide Preise unterschiedlich bewegen können. Ein Kontraktgewinn erzeugt auch keine neuen Bitcoin; er entsteht aus der Abrechnung zwischen Marktteilnehmern. [2]
Petrs Long-Position über 1 BTC beginnt bei 60.000 USD. Zunächst fällt der Preis auf 55.000 USD: Der zwischenzeitliche Verlust beträgt 5.000 USD. Erst später erholt er sich auf 62.000 USD. Gegenüber dem Einstieg wären das 2.000 USD Gewinn, aber nur, wenn die Position bis dahin bestehen bleibt. Mit anfänglicher Margin von 5.000 USD und ohne zusätzliches Geld erreicht Petr die Erholung womöglich nicht. Der Broker kann schon vor dem vollständigen Verbrauch der Sicherheit einen Nachschuss verlangen oder die Position schließen. Dabei zählt auch die Maintenance Margin, die während des Geschäfts erforderliche Mindestsicherheit. Laufende Geldabrechnungen sind daher nicht bloß Zahlen, die man bis zum Verfall ignorieren kann. [1] [2] [3]
Petr muss nicht bis zum Verfall warten. Ein entgegengesetztes Geschäft im selben Kontrakt und in entsprechender Stückzahl kann die Position schließen. Ein anderer Verfallsmonat ist jedoch nicht automatisch dieselbe Position: Kauf und Verkauf verschiedener Monate können zwei gleichzeitig bestehende Verpflichtungen hinterlassen. Beim Halten bis zum Ende entscheidet der Vertrag. Standard-CME-BTC wird in Geld anhand der CME CF Bitcoin Reference Rate, kurz BRR, eines festgelegten Referenzpreises, abgerechnet. Coins kommen nicht in der Wallet an. Futures können allgemein Barausgleich oder Lieferung des Basiswerts vorsehen; aus dem Namen allein ist das nicht erkennbar. [1] [4]
Will Petr über den nahenden Verfall hinaus investiert bleiben, kann er den alten Kontrakt schließen und einen späteren eröffnen. Das nennt man Rollen. In unserem Beispiel verkauft er den nahen Kontrakt bei 60.000 USD und kauft den späteren bei 61.000 USD. Die Kursdifferenz von 1.000 USD ist für sich genommen kein sofort bezahlter Verlust aus dem neuen Kontrakt. Das alte Geschäft endet mit seinem bisherigen Ergebnis; das neue beginnt bei einem anderen Preis und entwickelt sich eigenständig. Multiplikator, spätere Preise, Margin und Ausführungskosten beeinflussen das Gesamtergebnis. Rollen verlängert also nicht kostenlos den ursprünglichen Einstiegspreis. [1] [2]
Manche nutzen Futures zum Schutz bereits vorhandenen Vermögens statt als Preiswette. Das heißt Absicherung oder Hedge. Stellen wir uns einen Besitzer von 1 BTC vor, der eine Short-Futures-Position mit entsprechender linearer Größe eröffnet. Steigt der Wert des tatsächlichen Bitcoin um 5.000 USD, der Futures-Preis aber um 6.000 USD, ergibt sich insgesamt ein Verlust von 1.000 USD vor Kosten. Der Wertzuwachs des Bitcoin deckt den Verlust der Verkaufsposition nicht ganz. Unterschiedliche Preisbewegungen und der Zeitpunkt der Absicherung können Risiken übrig lassen. Außerdem müssen laufende Futures-Verluste finanziert werden: Ein höherer Dollarwert der Wallet überweist nicht automatisch Geld an den Broker. [1] [3]
Die US-Selbstregulierungsorganisation der Futures-Branche NFA empfiehlt, die Registrierung bei der Aufsichtsbehörde CFTC, die NFA-Mitgliedschaft und den Hintergrund des Vermittlers in ihrer Datenbank BASIC zu prüfen. Das hilft zu erkennen, mit wem man Geschäfte macht; es bewertet nicht, ob ein konkreter Handel vorteilhaft ist. Die Futures-Aufsicht überträgt auch nicht automatisch dieselben Regeln auf alle Börsen für tatsächliche Bitcoin. Gehebelte Verluste können die ursprüngliche Einlage übersteigen. Wichtig sind deshalb die verfügbare Liquidität, also die Möglichkeit, eine Gegenseite zu einem akzeptablen Preis zu finden, und die Regeln für Zwangsschließungen. Das gilt auch für ein Geschäft zur Absicherung. [3]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit CME Bitcoin futures, Bitcoin basis trade, Margin, Cash-and-carry arbitrage. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Spot-Bitcoin-ETP, ProShares Bitcoin ETF (BITO), CME Bitcoin futures, Bitcoin futures ETF.