Ein Bitcoin basis trade nutzt den Unterschied zwischen dem Bitcoin-Spotpreis und einem Futures-Preis. Bei einem positiven Abstand kann ein Händler Bitcoin kaufen und passende Futures verkaufen. Diese Preisabsicherung beseitigt jedoch weder zwischenzeitliche Verluste noch Liquiditätsengpässe oder Gegenparteirisiken.
Peter sieht Bitcoin am Spotmarkt für 60.000 USD; dort kann er ihn direkt kaufen. Ein Futures-Kontrakt mit späterer Fälligkeit kostet dagegen 61.500 USD. Futures sind Verträge, deren Wert vom Bitcoin-Preis abhängt, keine zusätzlichen Bitcoin in einer Wallet. Der Abstand heißt Basis: hier Futures minus Spot, also 1.500 USD. Genau diesen Abstand möchte Peter handeln. Dafür muss er Preise zum gleichen Zeitpunkt und in derselben Währung sowie eine bekannte Fälligkeit vergleichen. Die Vorzeichenkonvention gehört dazu; andernorts kann die Basis umgekehrt definiert sein. [1] [2]
In unserem vereinfachten Beispiel kauft Peter 1 BTC für 60.000 USD und eröffnet bei 61.500 USD eine Futures-Shortposition auf dieselbe Menge. Eine Shortposition gewinnt bei fallenden Futures-Preisen und verliert bei steigenden. Unterstellen wir eine lineare Dollarberechnung und am Ende einen gemeinsamen Preis von 65.000 USD: Bitcoin gewinnt 5.000 USD, die Futures verlieren 3.500 USD. Zusammen bleiben vor Kosten 1.500 USD. Das Modell setzt das Halten bis zur Fälligkeit und übereinstimmende Endpreise voraus; es ist keine konkrete Kontraktspezifikation. Menge, Währung und Abwicklung müssen tatsächlich zusammenpassen. [1]
Der Abstand von 1.500 USD entspricht bezogen auf den Kauf für 60.000 USD einer Rendite von 2,5 %. Bei 90 Tagen Restlaufzeit ergibt die einfache Hochrechnung 2,5 % × 365 / 90 rund 10,14 % pro Jahr. Damit haben wir nur den Maßstab zum Vergleich verschiedener Laufzeiten geändert. Peter hat diesen Jahresertrag noch nicht verdient. Die Rechnung enthält weder Zinseszins noch wiederholte Geschäfte zu gleichen Bedingungen oder das gesamte gebundene Kapital: Zusätzlich zum Kauf braucht er Sicherheiten für die Futures. Kosten und tatsächlicher Kapitalbedarf können das Ergebnis erheblich verändern. [1]
Kehren wir zum ursprünglichen Geschäft zurück und schließen es vorzeitig. Bitcoin kostet nun 62.000 USD, die Futures aber 64.500 USD. Der Bitcoin-Verkauf bringt 2.000 USD Gewinn; das Schließen der Shortposition verursacht 3.000 USD Verlust. Zusammen ergibt das vor Kosten einen Verlust von 1.000 USD. Bitcoin ist gestiegen, doch der Preisabstand hat sich auf 2.500 USD ausgeweitet, was Peter schadet. Die erwartete Annäherung bei Fälligkeit bedeutet nicht, dass die Preise täglich näher zusammenrücken. Ein früher Ausstieg kann den ursprünglichen Plan in ein Verlustgeschäft verwandeln. [1]
Ein anderer möglicher Verlauf desselben Geschäfts: Spot steigt auf 70.000 USD, Futures auf 72.500 USD. Bitcoin weist gegenüber dem Kauf einen unrealisierten Gewinn von 10.000 USD aus, während die Shortposition bereits 11.000 USD verloren hat. Der Broker verlangt Sicherheiten, die Margin, und kann eine Aufstockung fordern. Anderswo verwahrte Bitcoin oder deren Buchgewinn werden möglicherweise nicht als Mittel für das Futures-Konto akzeptiert. Peter muss dann womöglich schließen, bevor sich die Preise annähern. Die Endabrechnung richtig auszurechnen reicht nicht; auch der Weg dorthin muss finanziert werden. [1]
Standardmäßige CME Bitcoin futures werden in Geld anhand der CME CF Bitcoin Reference Rate, kurz BRR, abgerechnet. Diese ist ein Referenzpreis. Peter liefert seine Bitcoin nicht automatisch in den Kontrakt; unser Modell entspricht zudem nicht der Standardkontraktgröße der CME. Im Beispiel kann die Endreferenz 65.000 USD betragen, während beim tatsächlichen Bitcoin-Verkauf nur 64.900 USD erzielt werden. Zusammen bleiben dann vor Gebühren 1.400 USD statt 1.500 USD. Zwischen Referenz und erreichbarem Verkaufspreis bleibt also trotz Absicherung ein Risiko. [3]
Bei negativer Basis kehrt sich die Richtung um: Der Händler würde geliehene Bitcoin verkaufen und Futures kaufen. Das heißt reverse cash and carry. Später muss er die Bitcoin zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Auf dem Bildschirm kann der Abstand attraktiv wirken, doch zunächst müssen Bitcoin überhaupt ausleihbar sein. Leihkosten, Sicherheitenanforderungen und ein möglicher vorzeitiger Rückruf entscheiden mit, ob sich das Geschäft durchhalten lässt. Ein negatives Vorzeichen allein bedeutet daher weder leicht zugänglichen Gewinn noch Risikofreiheit. [1]
Peters Beispiel zeigt, warum der Bruttoabstand kein Nettoverdienst ist. Finanzierungskosten, Gebühren und schlechtere Ausführungspreise gehen davon ab; Risiken bei Verwahrung, Broker oder anderen Gegenparteien bleiben. Die Autoren der von der BIS veröffentlichten Studie Crypto carry erklären, wie Margin-Anforderungen und Zwangsliquidationen scheinbar attraktive Geschäfte behindern können. Große Futures-Shortpositionen in einer Meldung belegen deshalb nicht automatisch eine Wette gegen Bitcoin. Im selben Portfolio können gekaufte Bitcoin liegen. Entscheidend sind die Gesamtposition und ihre Tragfähigkeit, nicht ein einzelner Teil. [1] [3]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin futures, Cash-and-carry arbitrage, Margin, Contango. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem CME Bitcoin futures, Bitcoin futures, Cash-and-carry arbitrage, Arbitrage.