Bei einer Liquidation begrenzt die Börse das Risiko unzureichend besicherter Handelspositionen. Margin sind als Sicherheit bereitgestellte Mittel. Reicht ihr anrechenbarer Wert nicht mehr zum Halten der Positionen, kann ein automatisches System eingreifen. Das ist weder ein gewöhnlicher Bitcoin-Verkauf aus der eigenen Wallet noch ein selbst gesetzter Stop-Loss.
Eva hat eine Position eröffnet, um von einem steigenden Bitcoin-Kurs zu profitieren. Ein Teil ihres Kontoguthabens dient als Margin, also als Sicherheit. Die Initial Margin braucht sie zur Eröffnung, die Maintenance Margin zum weiteren Halten. Als der Kurs fällt, will Eva auf eine Erholung warten. Die Börse prüft jedoch, ob die Deckung noch ausreicht. Deribit greift beispielsweise automatisch ohne vorherigen margin call ein, also ohne Aufforderung, Geld nachzuschießen. Eine E-Mail ist ein Hinweis, keine zugesagte Nachfrist. Andere Plattformen können anders vorgehen. Ob Eva die Position behalten kann, entscheidet jedenfalls nicht sie allein. [1] [2]
Vereinfacht hat Eva eine Equity von 1.000 USD: den Kontowert einschließlich laufender Gewinne und Verluste. Für unser Modell setzen wir die Erhaltungsanforderung fest auf 300 USD. Ein Verlust von 750 USD lässt 250 USD Equity übrig. Das ist positiv, deckt aber die Anforderung nicht mehr. Dieser Unterschied erklärt, warum das System nicht auf null warten muss. Tatsächlich ändern sich auch die erforderliche Margin und der anrechenbare Sicherheitenwert. Dies ist daher keine Berechnung eines Liquidationskurses, sondern ein anschauliches Kontobeispiel. Ein positiver Kontowert und ausreichende Deckung sind verschiedene Dinge. [2]
Eine App kann einen geschätzten Liquidationskurs anzeigen. Er bezeichnet eine Auslöseschwelle unter bestimmten Annahmen, keinen garantierten Schließungskurs. Mark ist ein berechneter Preis für Bewertung und Risikoprüfung, ein Index eine nach Marktregeln gebildete Referenz und der letzte Handel eine tatsächlich ausgeführte Transaktion. Diese Werte können abweichen. Die Schließung hängt von verfügbaren Gegenorders oder einem anderen Plattformmechanismus ab. Eine Stop-Order hat ihre eigene Auslösebedingung und muss danach noch ausgeführt werden. Sie schützt Eva deshalb nicht zwingend vor Liquidation und garantiert auch nicht den erwarteten Preis. [3]
Deribit beschreibt schrittweise Positionsverkleinerungen: Nach einem Eingriff prüft das System erneut die Deckung. Reicht sie aus, können die verbleibenden Positionen offen bleiben. Liquidation muss also nicht das gesamte Portfolio auflösen. Während des Vorgangs kann Eva auf dieser Plattform jedoch nicht normal Orders aufgeben oder Orders der Liquidationsengine stornieren. In einem Modus, der das Gesamtrisiko des Portfolios bewertet, kann die Engine sogar absichernde Futures eröffnen: gegenläufige Geschäfte zur Verringerung des Kursrisikos. Sie können anschließend bestehen bleiben. Eva muss deshalb den tatsächlichen Kontostand und die Positionen prüfen, statt deren vollständige Schließung anzunehmen. [1]
Neben dem Verlustgeschäft hält Eva eine profitable Position. Bei cross-margin wird die Deckung aber innerhalb eines definierten Kontos oder Portfolios gemeinsam betrachtet. Ein Verlust an anderer Stelle kann daher auch die Gewinnposition gefährden. Getrennte Margin reserviert Sicherheiten für einen bestimmten Handelsbereich; die genauen Grenzen hängen vom Produkt ab. Der Name des Modus sagt noch nicht, ob automatisch Mittel zugeführt oder andere Verpflichtungen verrechnet werden. Ohne die Bedingungen zu lesen, lässt sich nicht versprechen, dass nur die ursprüngliche Zuteilung zu einem Geschäft gefährdet ist. Entscheidend ist der Umfang der gemeinsamen Deckung, nicht eine einzelne grüne Gewinnanzeige. [1] [3]
Eva merkt später, dass der Kurs allein nicht genügt. Gebühren und funding, also laufende Zahlungen zwischen den Seiten eines Perpetual-Kontrakts, können das Konto belasten. Bestehen Sicherheiten aus einem anderen Vermögenswert, kann dessen Preis fallen. Außerdem muss die Börse nicht seinen gesamten Marktwert anrechnen: Einen Risikoabschlag auf den anerkannten Anteil nennt man Haircut. Auch Margin-Anforderungen können sich ändern. Eva vergleicht daher nutzbare Sicherheiten und aktuelle Anforderungen in derselben Rechnungswährung. Weder die ursprüngliche Einzahlung noch die bloße Token-Anzahl zeigen die verbleibende Deckung. [1] [2]
Zurück zu Evas Equity von 250 USD. Angenommen, bei der Schließung entstehen weitere 50 USD Verlust und 20 USD Gebühren. Ohne andere Buchungen bleiben 180 USD. Liquidation bedeutet also nicht automatisch den Verlust aller Mittel. Das Beispiel verspricht jedoch keinen bestimmten Restbetrag: Ein Kurssprung oder schlechtere Ausführung können das Konto auch ins Minus bringen. Die Marktregeln bestimmen dann die weitere Abwicklung. Eva liest die Schlussabrechnung einschließlich Kosten und verbleibender Positionen. Die Nachricht über den Beginn einer Liquidation ist noch keine endgültige Abrechnung. [1] [4]
Bleibt nach dem Eingriff ein ungedeckter Verlust, bestimmen die Marktregeln dessen Verteilung. Möglich sind die Übernahme von Positionen durch Liquiditätsanbieter, die automatische Verkleinerung entgegengesetzter Positionen anderer Händler, ein Versicherungsfonds oder eine Verlustverteilung auf Teilnehmer. Deribit und Coinbase International beschreiben solche Verfahren, doch Bedingungen und verfügbare Schritte unterscheiden sich je nach Vertrag. Ein Börsenfonds ist keine gesetzliche Bankeinlagensicherung und garantiert Eva keine Rückzahlung. Er schützt nach seinen Regeln einen bestimmten Teil des Systems, statt jeden Handelsverlust rückgängig zu machen. [3] [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Perpetual futures, Leverage, Perpetual funding rate, Liquidation Cascade. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Volatilität, Leverage, Perpetual funding rate, Perpetual futures.