Perpetual futures sind Derivatkontrakte ohne vorab festgelegtes Verfallsdatum. Ein Derivat ist eine Vereinbarung, deren Wert von einem anderen Vermögenswert abhängt, hier Bitcoin. Preisbewegung und Positionsrichtung bestimmen das Ergebnis; Abrechnung, Sicherheiten und Funding regelt das konkrete Produkt.
Petr möchte auf einen steigenden Bitcoin-Preis setzen, ohne sich um einen nahenden Futures-Verfall zu kümmern. Er wählt einen Perpetual ohne feste Fälligkeit und eröffnet einen Long: Vor Kosten profitiert dieser von steigenden Preisen, der entgegengesetzte Short von fallenden. Während der Haltedauer kann die Börse Gewinne und Verluste regelmäßig auf den Kontosaldo übertragen. Diese Abrechnung schließt die Position nicht von selbst. Sie ist etwas anderes als das Rollen eines Terminkontrakts, bei dem eine nahe Fälligkeit geschlossen und eine spätere eröffnet wird. Diesen regelmäßigen Austausch wegen Verfalls braucht Petr beim Perpetual nicht. Beliebig lange halten kann er ihn deshalb noch lange nicht garantiert. [1]
Nach Eröffnung hat Petr ein Preisengagement: Preisänderungen beeinflussen sein finanzielles Ergebnis. Er hat kein BTC-Guthaben in Höhe der gesamten Position erworben, das er in seine eigene Wallet übertragen könnte. Der Kauf des Vermögenswerts selbst gehört zum Spotmarkt. Auch ein in BTC abgerechneter Kontrakt bedeutet nicht automatisch die Lieferung des gesamten Nominalwerts in Bitcoin. BTC kann lediglich die Währung für Gewinne, Verluste und Sicherheiten sein. Petr unterscheidet deshalb zwischen dem Gegenstand des Vertrags, der Ergebniswährung und den Mitteln, die ihm tatsächlich zur Verfügung stehen. [1] [2]
Angenommen, Petr eröffnet einen linearen Long über 0,2 BTC bei 60.000 und schließt ihn vollständig bei 63.000 USDC je BTC. Die Preisdifferenz multipliziert mit der Menge ergibt 600 USDC Gewinn vor Funding und Gebühren. USDC ist ein Stablecoin, ein Token, der den Wert des US-Dollars abbilden soll; weder Bitcoin noch ein Dollar-Bankguthaben. Der anfängliche Nominalwert beträgt 12.000 USDC. Das ist keine Kaufprämie für den Kontrakt und auch nicht automatisch die erforderliche Margin. „Linear“ bedeutet hier, dass sich bei gleicher Menge das Ergebnis direkt proportional zur Preisdifferenz verändert. Dies ist ein Rechenbeispiel, keine aktuelle Kursangabe. [2]
Auf einem anderen Markt findet Petr Deribit BTC-PERPETUAL. Dieser inverse Kontrakt nennt seine vertragliche Größe in USD, während Margin und Ergebnis in BTC anfallen. Ein Kontrakt entspricht 10 USD. Der Kauf von 100 Kontrakten bedeutet daher eine Vertragsgröße von 1.000 USD, nicht 100 BTC. Die inverse Berechnung arbeitet mit Kehrwerten der Preise; die vorherige lineare Dollarrechnung lässt sich nicht unverändert übernehmen. Auch die Umrechnung in die Sicherheitenwährung verändert sich mit dem Preis. Deshalb liest Petr zuerst Einheit und Multiplikator des konkreten Kontrakts. Ein ähnlich benanntes Produkt einer anderen Börse muss nicht dieselben Einheiten oder Berechnungen verwenden. [1]
Petr bemerkt, dass letzter Handelspreis, Index und Mark nicht immer gleich sind. Der letzte Preis stammt aus einem tatsächlich ausgeführten Geschäft. Der Index bildet anhand ausgewählter Märkte und Regeln einen Referenzpreis des Basiswerts. Mark price ist ein von der Börse berechneter Preis, etwa zur Positionsbewertung und Margin-Kontrolle; die Methode hängt vom Produkt ab. Für den Ausstieg braucht Petr eine ausgeführte Order. Verfügbare Gegenorders, also Liquidität, und der Ordertyp sind entscheidend. Eine Abweichung vom erwarteten Ausführungspreis heißt Slippage. Auch ein günstiger Mark garantiert nicht, dass sich die ganze Position zu diesem Preis verkaufen lässt. [1] [4]
Ein befristeter Future wird bei Fälligkeit nach seinen Vertragsregeln abgerechnet. Ein Perpetual besitzt diesen regelmäßigen Endpunkt nicht und nutzt deshalb einen anderen Anreiz zur Annäherung an den Basiswert: Funding-Zahlungen zwischen Longs und Shorts. Bei positivem Satz zahlen Longs an Shorts, bei negativem Satz umgekehrt. Das Vorzeichen kann wechseln und aus heutigen Einnahmen morgige Kosten machen. Bezugszeitraum und Berechnungsmethode stehen in den Marktbedingungen; Deribit rechnet beispielsweise fortlaufend. Der Mechanismus fördert die Preisannäherung, beseitigt aber nicht jede Abweichung und verspricht keine festen Einnahmen. Petr berücksichtigt Funding daher zusammen mit Gebühren im Gesamtergebnis. [3]
Zurück zum linearen Long über 0,2 BTC: Ein Fall von 60.000 auf 54.000 USDC würde vor Kosten einen Verlust von 1.200 USDC bedeuten. Angenommen, Petr hat anfänglich 1.200 USDC Margin hinterlegt. Er kann deshalb nicht sicher bis zu diesem Preis warten. Die Maintenance Margin ist die Mindestsicherheit zum weiteren Halten; sie kann eine Liquidation auslösen, bevor alle Mittel aufgezehrt sind. Liquidation bedeutet zwangsweises Schließen oder Verkleinern der Position. Der Hebel erlaubt größeres Preisengagement mit weniger Sicherheiten, macht das eingesetzte Geld aber empfindlicher gegenüber Preisbewegungen. Die genaue Schwelle hängt von Konto, anderen Positionen, Gebühren und Regeln ab; dieses Beispiel berechnet sie nicht. [2] [4]
Für einen freiwilligen Ausstieg genügt es nicht, eine Order abzusenden: Sie muss ausgeführt werden und die Position tatsächlich verkleinern oder schließen. Eine Limitorder begrenzt den Preis, findet aber womöglich keine Gegenpartei; eine Marketorder garantiert den angezeigten Preis nicht. Neben Margin-Liquidationen gibt es Ereignisse beim Betreiber. Er kann ein Produkt aus dem Handel nehmen und eine endgültige Abrechnung nach seinen Bedingungen festlegen oder in Ausnahmesituationen den Handel beschränken. Die Regeln von Coinbase International Exchange beschreiben eine solche Einstellung ausdrücklich. Entscheidend sind die aktuell gültigen Bedingungen des jeweiligen Kontos und Marktes. „Perpetual“ ist kein Recht, einen Vertrag für immer offen zu halten. [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Perpetual funding rate, Bitcoin futures, Forced liquidation, Leverage. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Perpetual funding rate, Forced liquidation.