Eine Bitcoin-Wallet hilft beim Empfangen von Zahlungen, beim Prüfen des Guthabens und beim Vorbereiten von Überweisungen. Hinter dem Namen stehen jedoch unterschiedliche Lösungen: Mal signiert die App selbst, mal ein separates Gerät, bei einem Verwahrdienst dessen Betreiber. Wichtiger als die Gestaltung der Oberfläche ist deshalb, wer die Schlüssel kontrolliert und wie sich der Zugang wiederherstellen lässt.
Ein Freund schickt Bitcoin an eine Adresse aus Ihrer Wallet. Dabei sendet er keine Datei mit Münzen auf Ihr Telefon, sondern erstellt eine Transaktion im Bitcoin-Netzwerk. Die Wallet verfolgt, ob die Zahlung eingegangen und in einem Block bestätigt ist, und berücksichtigt sie im Guthaben. Möchten Sie später selbst bezahlen, bereitet sie eine neue Transaktion vor. Zur Freigabe ist gewöhnlich eine digitale Signatur nötig, ein Nachweis der Ausgabeberechtigung. Dafür verwendet die Wallet einen privaten Schlüssel: geheime Daten, die sie beim Signieren nicht offenlegt. App und Netzwerk haben also verschiedene Aufgaben. Die Wallet hilft bei der Zahlung, das Netzwerk prüft deren Gültigkeit. [1]
Das angezeigte Guthaben besteht oft aus mehreren einzelnen, noch nicht ausgegebenen Beträgen, den UTXOs. Die Wallet findet sie anhand ihrer Daten und prüft, welche bereits ausgegeben wurden. Zum bloßen Beobachten braucht sie keine privaten Schlüssel. Eine Watch-only Wallet kann Zahlungseingänge anzeigen oder einen Zahlungsvorschlag vorbereiten, ihn aber nicht selbst signieren. So lassen sich beispielsweise Ersparnisse beobachten, deren Schlüssel auf einem getrennten Gerät bleiben. Eine Anzeige mit einem Betrag beweist deshalb noch nicht, dass diese App das Geld versenden kann. [1]
Bei Self-custody, also eigener Verwahrung, kontrollieren Sie die zum Signieren benötigten Schlüssel. Sie tragen damit auch die Verantwortung für deren Schutz und Wiederherstellung. Bei einem Verwahrdienst (custodial) hält der Anbieter die Schlüssel und führt Auszahlungen aus. Das Guthaben in seiner App zeigt, welchen Betrag er laut seiner Buchführung zur Auszahlung freigibt; es bedeutet nicht, dass Sie die zugehörigen Schlüssel kontrollieren. Auch Verfügbarkeit und Regeln des Dienstes spielen eine Rolle. Zwei Apps können deshalb denselben Betrag anzeigen und sich beim Verlust des Zugangs oder bei Problemen des Anbieters dennoch grundlegend unterscheiden. [1]
Eine Adresse ermöglicht anderen, Ihnen zu zahlen. Die Wallet erstellt sie aus Daten, die festlegen, wie die empfangenen Bitcoin später ausgegeben werden können. Sie können die Adresse dem Zahlenden schicken; ihre Kenntnis allein erlaubt normalerweise nicht, Ihr Geld weiterzusenden. Anders ist es beim privaten Schlüssel und bei der Seed Phrase, einer Sicherungsfolge aus Wörtern, mit der unterstützte Wallets Schlüssel wiederherstellen können. Geben Sie diese Geheimnisse niemandem weiter. Auch das Teilen einer Adresse hat allerdings Folgen für die Privatsphäre: Wer sie kennt, kann ihre öffentliche Historie verfolgen. Eine neue Adresse für einen weiteren Eingang hilft, unterschiedliche Zahlungen nicht unnötig zu verknüpfen. [1]
Für eine Zahlung wählt die Wallet geeignete UTXOs aus, erstellt den Betrag für den Empfänger und gegebenenfalls Wechselgeld und schlägt eine Gebühr vor. Erst danach wird die Transaktion signiert und an das Netzwerk übermittelt. Diese Schritte müssen nicht auf demselben Gerät stattfinden. PSBT ist ein Format, mit dem eine noch nicht fertige Bitcoin-Transaktion zwischen App und Signiergerät ausgetauscht wird. Eine Hardware Wallet schützt Schlüssel und erstellt Signaturen intern. Sie kann so einen Vorschlag vom Computer signieren, ohne ihm die Schlüssel zu geben. Prüfen Sie Zieladresse und Betrag auf dem vertrauenswürdigen Display des Geräts. Es kann nicht wissen, wem Sie tatsächlich zahlen wollten. [2]
Viele moderne Wallets leiten nach den Regeln von BIP 32 mehrere Schlüssel aus einer gemeinsamen Grundlage, dem Seed, ab. Eine Seed Phrase, wie sie etwa BIP 39 verwendet, hilft, diese Grundlage wiederherzustellen; sie ist nicht bloß die Niederschrift eines einzigen Schlüssels. Nutzen Sie eine BIP39 passphrase als zusätzliche, freiwillige Eingabe bei der Ableitung, brauchen Sie auch diese zur Wiederherstellung. Ein Tippfehler kann ohne Warnung eine andere Wallet öffnen. Angaben zum Ableitungspfad beschreiben, wie einzelne Schlüssel erzeugt werden; der Skripttyp beschreibt die Form der Ausgabebedingungen. Auch diese Daten können nötig sein, damit die Software die richtigen Schlüssel und Adressen findet. Bei Multisig, wo mehrere Signaturen nötig sind, sichern Sie außerdem die Signierregeln und die öffentlichen Daten der Mitsignierenden. Die Wörter einer einzigen Wallet reichen möglicherweise nicht. [3] [4] [2]
Eine bewährte mobile Wallet kann zum Lernen mit kleinen Transaktionen und für alltägliche Zahlungen dienen. Ein größerer langfristiger Betrag verlangt mehr Überlegung: Wo liegen die Schlüssel, wer kann an sie gelangen und ist die Sicherung brauchbar? Ein separates Signiergerät kann manche Risiken eines kompromittierten Telefons oder Computers mindern, verhindert aber keine Fehler beim Freigeben einer Zahlung. Die Trennung von Geld für laufende Ausgaben und Ersparnissen kann den Schaden eines einzelnen Fehlers begrenzen. Es geht nicht einfach um eine möglichst komplizierte Lösung. Ein Ablauf, den Sie nicht verstehen oder mit dem Sie den Zugang nicht wiederherstellen können, bringt eigene Risiken mit sich. [1]
Die gewählte App oder das gewählte Gerät muss Ihren Wallet-Typ und die verwendete Sicherungsform unterstützen. Eine aufgeschriebene Sicherung ist nicht dasselbe wie eine nachweislich funktionierende Wiederherstellung. Die Wörter müssen vollständig, lesbar und richtig geordnet sein; weitere benötigte Daten dürfen ebenfalls nicht verloren gehen. Nutzen Sie die sichere Sicherungsprüfung oder Wiederherstellung, die Ihre Wallet oder Ihr Gerät empfiehlt. Testen Sie sie nicht, indem Sie echte Wörter auf einer zugesandten Seite zur „Wallet-Prüfung“ eingeben. Auch ein angeblicher Support braucht sie nicht. Ein verlorenes Telefon lässt sich ersetzen, wenn Sie die Schlüssel aus der richtigen Sicherung wiederherstellen. Die gleiche App neu zu installieren oder ihr Passwort zu ändern stellt fehlende ursprüngliche Schlüssel dagegen nicht wieder her. [4] [5]
Um das Guthaben anzuzeigen, muss die Wallet den Zustand der betreffenden Transaktionen kennen. Sie kann einen Server des Anbieters nutzen oder mit Ihrem Full Node verbunden sein, einem Rechner, der die Bitcoin-Regeln eigenständig prüft. Ein Server kann Zusammenhänge zwischen Adressen und Abfragen erkennen und muss nicht dieselben unbestätigten Transaktionen anzeigen wie ein anderer Knoten. Ein eigener Knoten hilft nur, wenn die Wallet ihn wirklich nutzt. Das ist eine andere Frage als die Kontrolle über die Schlüssel: Eine App kann Ihnen das Signieren vollständig überlassen und ihre Informationen trotzdem von einem fremden Server beziehen. Eigene Verwahrung und unabhängige Prüfung sollten deshalb getrennt beurteilt werden. [1]
Auch das beste Gerät hilft nicht, wenn Sie eine gefälschte App installieren, Sicherungswörter preisgeben oder eine Zahlung an die falsche Adresse freigeben. Phishing ist ein Betrug, bei dem Angreifer eine vertrauenswürdige Website, Nachricht oder einen Support nachahmen, um Geheimnisse zu erhalten oder Sie zu einem schädlichen Schritt zu bewegen. Prüfen Sie deshalb die Herkunft von Apps und Updates, kontrollieren Sie Zahlungsdaten und schützen Sie Sicherungen auch vor Verlust oder Zerstörung. Gelangen die Schlüssel an jemand anderen, macht ein neues App-Passwort dessen Kopie nicht ungültig. Betrachten Sie die Wallet als Ihren gesamten Umgang mit dem Geld: App, mögliches Signiergerät, Sicherung und Ihre Gewohnheiten bei der Nutzung. [2] [5]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Private Key, UTXO, Transaktion, Full Node, Lightning Network. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem UTXO, Private Key, Lightning Network, Bitcoin-Adresse.