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Paralelní Polis

Ein Prager Ort, an dem Ideen über Freiheit praktisch erprobt wurden

Paralelní Polis verband in Prag ein Café, gemeinsame Arbeitsräume und Vorträge über digitale Freiheit. Von 2014 bis 2024 lernten Menschen Bitcoin auch kennen, indem sie damit Kaffee bezahlten.

Das Gemeinschafts- und Bildungsprojekt war mit dem Kunstkollektiv Ztohoven verbunden. Es erprobte, wie Menschen Geld nutzen, Informationen teilen und mit weniger Abhängigkeit von zentralen Institutionen zusammenarbeiten können. Der ursprüngliche Prager Betrieb ist beendet; die historische Adresse bezeichnet kein weiterhin geöffnetes Café.

Stellen wir uns einen Besucher vor, der von Bitcoin gehört, aber noch nie damit bezahlt hat. In der Prager Paralelní Polis konnte er mit einer Kaffeebestellung anfangen und sich das Bezahlen erklären lassen. Hier war weder eine Bank noch eine Börse. Menschen trafen sich rund um Technik, Kunst und die Frage, was sie selbst organisieren können. Ztohoven eröffnete das Haus Dělnická 43 in Holešovice im Oktober 2014 gemeinsam mit Menschen aus der Hackerszene, darunter dem slowakischen Progressbar. Hacker waren hier auch Menschen, die Technik erforschen und verändern, nicht automatisch Computerangreifer. [2] [4]

Die Teile des Hauses boten unterschiedliche Zugänge. Bitcoin Coffee führte ans Bezahlen heran. Paper Hub war ein Coworking-Space, also ein mit anderen geteilter Arbeitsplatz. Werkstätten und Hackerspace ermöglichten gemeinsame technische Versuche; das Institut für Kryptoanarchie veranstaltete Vorträge, Diskussionen und praktische Kurse. Aus einer Tasse Kaffee konnte die Frage entstehen, wie eine Wallet funktioniert oder wer die eigene Internetkommunikation sieht. Mit einer Bitcoin-Wallet kann man Zahlungen empfangen, sein Guthaben prüfen und Bitcoin senden. Café, Bildungsprogramm und Betreiber blieben dabei unterschiedliche Dinge mit jeweils eigener Aufgabe. [4] [3] [13]

Über Bitcoin lässt sich leicht nur als Zahl in einem Kursdiagramm sprechen. Kaffee zu bezahlen machte die Sache konkreter: Ich habe eine Wallet, der Händler erwartet einen Betrag, und ich muss ihn richtig senden. Mitarbeitende halfen bei diesem ersten Versuch. Das Café akzeptierte jahrelang ausschließlich Kryptowährungen; Angebot und Regeln änderten sich allerdings. Eine gelungene Zahlung machte den Bitcoin-Kurs weder stabil noch jedes „Krypto“-Projekt vertrauenswürdig. Der Wert des Experiments lag darin, Technik in einer Alltagssituation auszuprobieren. [2] [4]

Václav Benda schrieb Paralelní polis 1978 im Umfeld der Charta 77, einer Bürgerinitiative für Menschenrechte in der kommunistischen Tschechoslowakei. Er schlug unabhängige Strukturen für Bildung, Kultur und Information vor: etwa Räume, in denen Menschen ohne behördliche Erlaubnis diskutieren und Texte verbreiten können. Das Prager Projekt griff diese Idee in einer anderen Zeit mit anderen Werkzeugen auf. Benda schrieb nicht über Bitcoin, und Ztohoven erfand nicht den ursprünglichen Begriff. Gemeinsam war ihnen das Anliegen, selbst brauchbare Alternativen aufzubauen, statt nur auf Veränderungen von oben zu warten. [12] [1]

Kryptoanarchie stand hier für die Idee, dass Verschlüsselung und dezentrale Netzwerke mehr Raum für Privatsphäre und freiwillige Zusammenarbeit schaffen können. Verschlüsselung schützt Nachrichteninhalte; Tor erschwert es, bestimmte Internetaktivitäten einer Person zuzuordnen. Unterschiedliche Werkzeuge lösen unterschiedliche Probleme. Bitcoin selbst ist nicht anonym: Transaktionen sind öffentlich und lassen sich mitunter Personen zuordnen. Ein VPN führt die Verbindung durch einen verschlüsselten Tunnel zwischen dem Gerät und einem VPN-Server, der den Datenverkehr weiterleitet. Weder ein VPN noch Tor beseitigt aber jede Spur und jedes Risiko. Die Vorträge behandelten diese Fragen, ohne allgemeine Unverwundbarkeit zu versprechen. [2] [3] [14]

State-free bezeichnete das Ziel, ohne öffentliche Zuschüsse auszukommen. Private Unterstützer und Mitglieder finanzierten mit; Dienstleistungen brachten Einnahmen. Trotzdem mussten monatlich Miete, Energie und Arbeit bezahlt werden. Mitgründer Martin Leskovjan erläuterte dieses Modell 2016 in einem Interview. Es war eine Entscheidung über Finanzierung und das Verhältnis zum Staat, kein Gebiet außerhalb von Verträgen und Gesetzen. Gerade solche Alltagsfragen zeigten den Abstand zwischen einer reizvollen Idee und ihrem dauerhaften Betrieb. [4]

Hackers Congress Paralelní Polis, kurz HCPP, entwickelte sich ab 2014 zu einem wichtigen internationalen Treffen über digitale Freiheit, Privatsphäre und Dezentralisierung. Während das Café den Einstieg ermöglichte, gingen Debatten und technische Themen auf dem Kongress deutlich weiter. Aufzeichnungen zeigen Ansichten bestimmter Redner zu einer bestimmten Zeit; eine Einladung ist keine technische Garantie für deren Projekte. Die letzte Ausgabe im ursprünglichen Prager Haus fand 2024 statt. Veranstaltung, Veranstalter und ganzjähriger Betrieb sollten beim Lesen dieser Geschichte auseinandergehalten werden. [11] [6]

Das Beispiel inspirierte auch Gemeinschaften in Bratislava, Wien und Barcelona. Lokale Gruppen passten ähnliche Themen an ihre Menschen und Möglichkeiten an. Die Wiener Initiative beschreibt auf ihrer Website etwa, wie Besuche Prager Veranstaltungen sie angeregt hatten. Ein gemeinsamer Name macht daraus keine Filialen eines Unternehmens und belegt keine gemeinsame Leitung, Finanzierung oder rechtliche Verantwortung. Ebenso bestätigt eine alte Website keine heutigen Öffnungszeiten. Wer eine Gemeinschaft besuchen möchte, sollte ihr aktuelles Programm und ihre eigenen Kontaktdaten prüfen. [9] [10]

Nach dem HCPP im Oktober 2024 endete die bisherige Form der Prager Paralelní Polis. Second Culture übernahm die Räume und setzte auf Coworking. Bitcoin Coffee sollte ein Teil davon bleiben; Kartenzahlungen kamen hinzu. Roman Týc und Kateřina Mareková erläuterten den Übergang. Von außen blieb das schwarze Haus vertraut, doch dieselben Wände bedeuteten nicht dasselbe Programm. Verein, ursprüngliches Experiment, neuer Betreiber und Hauseigentümer sind zu unterscheiden. Das Ende eines Betriebs sagt nicht automatisch, was rechtlich mit all diesen Beteiligten geschah. [6]

Laut einem e15-Bericht vom 25. März 2026 stellte auch Second Culture in diesem Monat den Betrieb ein; das Haus war geräumt. Eigentümer Richard Balous kündigte damals eine Galerie an. Auf der Website von La Fabrika ist an dieser Adresse inzwischen die LAFA Gallery aufgeführt. Das Gebäude erhält damit eine neue kulturelle Nutzung; das ursprüngliche Projekt wird dadurch nicht wieder aufgenommen. Dělnická 43 sollte deshalb nicht als weiterhin betriebene Prager Paralelní Polis empfohlen werden. Ihre Bedeutung für die Bitcoin-Geschichte bleibt: Menschen lernten durch einen Einkauf, ein Gespräch und einen eigenen Versuch. Ob Gemeinschaften und neue Veranstaltungen weiterbestehen, muss einzeln geprüft werden und lässt sich nicht aus dem alten Namen ableiten. [7] [8] [15]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin, Prager Bitcoin-Ökosystem, Bitcoin Coffee, Hackers Congress Paralelní Polis, Bitcoin-Privatsphäre, Cypherpunks. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Prager Bitcoin-Ökosystem, Bitcoin Coffee, Hackers Congress Paralelní Polis, Bitcoin Pizza Day Prague.

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