Privatsphäre in Bitcoin bedeutet, Verbindungen zwischen öffentlichen Zahlungen, konkreten Personen und deren weiteren Mitteln zu begrenzen. Eine gewöhnliche Transaktion erfordert keinen bürgerlichen Namen, zeigt aber die eingesetzten Mittel, neue Ausgänge und Beträge. Den Namen können eine Rechnung, ein Kundenkonto oder der Empfänger ergänzen. Bitcoin ist deshalb nicht automatisch anonym.
Anna hat für ihre Arbeit 100.000 sat erhalten, die kleinsten Einheiten von Bitcoin. Daraus zahlt sie später 20.000 sat an Pavel; 79.000 sat gehen an ihre Wallet zurück, 1.000 sat sind die Gebühr. Ein Transaktionsausgang hält einen Betrag und die Bedingungen fest, unter denen er ausgegeben werden darf. Das Netzwerk sieht diesen gesamten Vorgang. Pavel kennt seinen Betrag und Anna und kann deshalb versuchen, ihren Wechselgeldausgang zu erkennen. Damit sieht er nicht automatisch alle ihre Ersparnisse, erhält aber einen Anhaltspunkt. Anders als ein Kontoauszug ist dieser Datensatz nicht nur der Bank und der Kontoinhaberin zugänglich. Jeder kann ihn auch Jahre später erneut untersuchen. [1]
Ein Fremder sieht den öffentlichen Datensatz, Pavel kennt zusätzlich Anna, und eine Börse hat möglicherweise ihre Ausweisdaten. Ein Wallet-Anbieter kann wissen, welche Adressen die App abfragt. Die Frage, vor wem man welche Informationen schützen möchte, nennt man Bedrohungsmodell. Das unterstellt nicht jedem böse Absichten. Es hilft, passende Maßnahmen zu wählen: Einnahmen vor Kunden zu verbergen ist etwas anderes, als die Netzwerkverbindung zu schützen. Ein privater Schlüssel ist eine geheime Information, mit der die Wallet eine digitale Signatur zur Freigabe einer Zahlung erzeugt. Ihn geheim zu halten verbirgt allein noch keine Zahlungshistorie. [1] [3]
Anna kann jedem Kunden eine neue Empfangsadresse geben. So lassen sich ihre Einnahmen nicht einfach durch Zusammenzählen aller Zahlungen an dieselbe Adresse ermitteln. Wallets erzeugen üblicherweise auch neue Adressen für den zurückfließenden Rest, das sogenannte Change oder Wechselgeld. Das ist eine gute Grundlage, keine Garantie gegen Verknüpfungen. Verwendet Anna später Mittel verschiedener Adressen gemeinsam, kann sie selbst einen neuen Hinweis schaffen. Eine öffentliche Spendenadresse ist ein Sonderfall: Transparenz kann beabsichtigt sein, doch die dort eingehenden Zahlungen sind dann nicht privat. [1]
Eine Wallet verwaltet keinen einzigen ungeteilten Kontostand. Sie verwaltet noch nicht ausgegebene Ausgänge früherer Transaktionen, UTXOs, und wählt einige als Eingänge einer Zahlung aus. Werden mehrere gemeinsam verwendet, vermuten Analysten oft einen gemeinsamen Eigentümer. Das ist eine Heuristik, also eine Annahme als Auswertungshilfe, kein Beweis: Gemeinschaftstransaktionen mehrerer Personen widersprechen ihr. Coin Control erlaubt, die Auswahl zu beeinflussen. Herkunftsnotizen können die Trennung unterstützen, sind aber nur Wallet-Notizen und erzwingen nichts im Netzwerk. Wer Eingänge auswählt, ohne das Wechselgeld zu verstehen, kann Privatsphäre und Gebühren verschlechtern. [2] [7]
Ein erweiterter öffentlicher Schlüssel, XPUB, ermöglicht die Ableitung weiterer öffentlicher Schlüssel und, zusammen mit den Adressregeln der Wallet, der Adressen des jeweiligen Zweigs. Wer diese Daten hat, kann dessen Zahlungen verfolgen; mit dem XPUB allein lässt sich jedoch keine Zahlung signieren. Wie weit dieser Einblick reicht, hängt vom geteilten Schlüssel ab. Er muss nicht die ganze Wallet offenlegen, ist aber dennoch sensibel. Ein Dienst kann außerdem Auszahlungen mit dem durch KYC, die Kundenidentitätsprüfung, erfassten Namen verbinden. Ein Web-Blockexplorer kann protokollieren, was Sie abfragen und von wo. Geben Sie zur Guthabenabfrage niemals Wiederherstellungswörter oder private Schlüssel weiter. Auch öffentliche Daten sollten nur im benötigten, verstandenen Umfang geteilt werden. [1] [6]
Die App muss herausfinden, welche Zahlungen zu ihr gehören. Übermittelt sie einem fremden Server eine Adressliste, kann sie damit deren Zusammenhang offenlegen. Ein Full Node ist ein Computer mit Software, die Bitcoin-Transaktionen und Blöcke selbstständig anhand der Netzwerkregeln prüft. Ein eigener Full Node hilft, wenn die Wallet ihre Daten tatsächlich über ihn bezieht, gegebenenfalls über einen eigenen Indexierungsdienst. Einen Node bloß neben der Wallet zu installieren reicht nicht. Leichte Wallets können kompakte Filter nach BIP 157 lokal auf Treffer prüfen, statt Adresslisten zu verschicken. Andere Netzwerkspuren bleiben trotzdem. Tor kann die Offenlegung der IP-Adresse, also der Adresse des Internetanschlusses, begrenzen. Öffentliche Beträge und Transaktionsverbindungen verändert es nicht. [1] [3]
Der Name muss nicht unmittelbar aus einer Adresse hervorgehen. Eine öffentliche Rechnung mit genauem Betrag, der Zeitpunkt eines angekündigten Kaufs und eine spätere Zahlung können genügen. Weitere Hinweise liefern der Transaktionsaufbau und mutmaßliches Wechselgeld. Kein einzelnes Merkmal beweist zuverlässig das Eigentum, doch mehrere können eine Zuordnung wahrscheinlicher machen. Auch mehrere Wallets helfen nicht, wenn man ihre Mittel später wieder zusammenführt. Die erweiterte Funktion avoid partial spends in Bitcoin Core kann Ausgänge derselben Adresse zum gemeinsamen Ausgeben auswählen. Das begrenzt die schrittweise Verknüpfung weiterer Zahlungen von dieser Adresse, kann aber zusätzliche Eingänge und höhere Gebühren verursachen. Das Ergebnis hängt auch von der eingestellten Gebührengrenze ab; eine universelle Anonymisierung ist das nicht. [1] [5]
CoinJoin vereint Mittel mehrerer Personen in einer Transaktion. Dadurch kann es schwerer werden, neue Ausgänge ihren ursprünglichen Eigentümern zuzuordnen. PayJoin funktioniert anders: Der Empfänger fügt der Zahlung einen eigenen Eingang hinzu. Damit trifft die einfache Annahme, alle Eingänge gehörten einer Person, nicht zu. Keines der Verfahren löscht die Historie oder garantiert Anonymität. Entscheidend sind Protokoll, Teilnehmer, das Wissen anderer und spätere Zahlungen. Vor der Nutzung sollte man auch Koordination, Gebühren und den Ablauf bei einer Unterbrechung verstehen. Der Name einer Funktion ist noch kein Versprechen. [2] [7]
Mit Silent Payments nach BIP 352 lassen sich feste Zahlungsdaten veröffentlichen, aus denen Absender unterschiedliche Zielausgänge ableiten. Der Empfänger muss nicht vorab jeder Person eine neue gewöhnliche Adresse schicken. Seine Wallet muss das Verfahren jedoch unterstützen und Daten durchsuchen, um Eingänge zu erkennen. Die Spezifikation trennt den Schlüssel zum Auffinden von Zahlungen vom Schlüssel zum Ausgeben. Sicherung und Wiederherstellung müssen zur Wallet passen; auch verwendete Labels können wichtig sein. Silent-Payments-Labels bilden keine getrennten Identitäten: Ihre öffentlichen Zahlungsdaten haben denselben öffentlichen Scan-Schlüssel. Auch dieses Verfahren verbirgt nicht jede spätere Bewegung der Mittel. [4]
Nutzen Sie für gewöhnliche eingehende Zahlungen jeweils eine neue Adresse, veröffentlichen Sie nicht unnötig Zahlungsbelege und klären Sie, woher Ihre Wallet ihre Daten erhält. Behalten Sie die Herkunft Ihrer Mittel im Blick und trennen Sie Zwecke, die nicht miteinander verbunden werden sollen. Verstehen Sie die Auswirkungen, bevor Sie Eingänge manuell auswählen oder fortgeschrittene Verfahren nutzen. Fehler sind kein notwendiger Preis für Privatsphäre. Adressprüfung, Sicherungen und Gebührenkontrolle bleiben genauso wichtig. Es geht darum, weniger unnötige Informationen preiszugeben, nicht um die falsche Gewissheit, niemals mit einer Zahlung in Verbindung gebracht werden zu können. [1] [3] [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Pseudonymität, CoinJoin, Coin Control, KYC, Bitcoin, Bitcoin-Adresse. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Watch-only Wallet, Coin Control, Change Address, Extended Public Key (xpub).