Len Sassaman war ein Datenschutzforscher, der an anonymen Kommunikationssystemen arbeitete. Er wirkte an den Entwürfen von Mixmaster und Pynchon Gate mit, Werkzeugen zum Weiterleiten und Abrufen von Nachrichten. Neben ihren Möglichkeiten untersuchte er Schwächen und Bedienbarkeit. Seine Arbeit gehört zur Geschichte digitaler Privatsphäre; ähnliche Forschungsinteressen allein beweisen nicht, dass er Satoshi Nakamoto war.
Stellen Sie sich einen privaten Maildienst vor, dessen Einrichtung kaum jemand versteht. Sein technischer Entwurf kann klug sein und trotzdem nur wenigen Menschen helfen. Len Sassaman verband Privatsphäre mit Bedienbarkeit: Auf seiner Forschungswebsite erklärte er, dass ein zu schwieriges System womöglich nicht die nötigen Nutzer gewinnt. Anonyme Kommunikation hängt auch davon ab, unter welchem anderen Verkehr sich eine Nachricht verbirgt. Seine Frage lautete deshalb nicht nur, ob die Mathematik funktioniert, sondern auch, ob Menschen das System richtig nutzen können. Er untersuchte sowohl den Schutz solcher Systeme als auch Möglichkeiten, ihn zu durchbrechen. [1]
Ein Ansatz war Mixmaster, ein System zur E-Mail-Weiterleitung, das die Zuordnung von Absendern und Empfängern erschweren soll. Mixmaster Protocol Version 2 vom 29. Dezember 2004 nennt vier Mitautoren: U. Moeller, L. Cottrell, P. Palfrader und L. Sassaman. Sassamans Beitrag braucht also keine Erzählung vom einsamen Erfinder. Das Dokument ist ein archivierter Internet-Draft, ein Arbeitsentwurf im Umfeld der IETF, einer Organisation für Internetstandards. Die Aufnahme in dieses Archiv macht ihn nicht zu einem anerkannten IETF-Standard. Hier ist er vor allem ein konkreter Beleg dafür, was die Autoren vorgeschlagen haben. [2]
Verschlüsselter Inhalt ähnelt einem Brief im undurchsichtigen Umschlag: Die Worte bleiben verborgen, die Zustellung lässt sich beobachten. Solche Begleitinformationen heißen in der digitalen Kommunikation Metadaten. Dazu gehören Nachrichtengröße, Zeitpunkte und Häufigkeit. Der Mixmaster-Entwurf von 2004 kombiniert Verschlüsselungsschichten, Datenpakete fester Größe und einen gemeinsamen Vorrat, aus dem Nachrichten nach und nach weitergehen. So soll sich ein bestimmter Eingang schwerer einem Ausgang zuordnen lassen. Mischen bedeutet allerdings auch Warten. Das erklärt die Konstruktion des Schutzes, verspricht aber keine Anonymität unabhängig von der Nutzung. [2]
Einen Brief unauffällig abzuschicken ist nur ein Teil der Geschichte. Erkennt jemand Sie beim Leeren des Briefkastens, kann die Verbindung am anderen Ende sichtbar werden. Len Sassaman, Bram Cohen und Nick Mathewson behandelten dieses Problem im Aufsatz The Pynchon Gate von 2005. Zum Senden verwendet der Entwurf einen vorhandenen anonymen Kanal. Zum Empfangen nutzt er private information retrieval, kurz PIR: Daten abrufen, ohne den bedienenden Servern die gesuchte Position zu verraten. Senden und Abrufen sind also nicht zwei Bezeichnungen für denselben Vorgang. Sie schützen unterschiedliche Teile des Weges, und beide zählen. [3]
PIR im Entwurf von 2005 schickt unterschiedliche Anfragen an ausgewählte Distributoren, also Server, die gespeicherte Daten bereitstellen. Ihre Anzahl heißt im Aufsatz k. Der Client kombiniert die Antworten zum gewünschten Datenblock, ohne dass eine einzelne Anfrage einfach offenlegt, welchen Block er will. Dieser Schutz setzt voraus, dass der Angreifer nicht alle ausgewählten Server kontrolliert. Wer sie betreibt, ist deshalb entscheidend. Mehrere Adressen unter derselben Kontrolle entsprechen nicht unabhängigen Betreibern. Die Serverzahl allein belegt diese Unabhängigkeit nicht; die Annahme muss zum tatsächlichen Betrieb passen. [3]
Angenommen, Sie laden nur dann deutlich mehr Daten herunter, wenn Sie viel Post bekommen. Beobachter können daraus etwas lernen, ohne den Inhalt zu lesen. Der Entwurf von 2005 nutzt deshalb Blöcke fester Größe und zusätzliche Anfragen bis zu einem festgelegten Maximum. Um diesen Schutz einzuhalten, darf der Client nicht jedes Mal unmittelbar nach dem Abruf der echten Nachrichten aufhören. Der Preis ist verständlich: Es werden auch Daten übertragen, die zum Lesen der Post allein nicht nötig wären. Privatsphäre entsteht hier durch Verschlüsselung, Programmverhalten und zusätzlichen Datenverkehr gemeinsam. [3]
Pynchon Gate verwendet im Aufsatz von 2005 Hashes, kurze digitale Prüfabdrücke, sowie einen gemeinsamen Wurzel-Hash für die geordnete Datensammlung. Nachrechnen hilft, die Übereinstimmung mit erwarteten Daten zu prüfen. Liefert ein Angreifer aber veränderte Daten samt untergeschobenem Wurzelwert, reicht der Vergleich mit seinem eigenen Wert nicht aus. Die Autoren verlangen deshalb breit veröffentlichte Prüfinformationen und Kontrollen, ob die verwendeten Distributoren beim Wurzelwert übereinstimmen. Es zählt nicht nur, ob der Abdruck stimmt, sondern auch, woher wir den erwarteten Abdruck kennen. Prüfung braucht eine vertrauenswürdige Grundlage. [3]
Neben dem Aufsatz zu Pynchon Gate lohnt sich das README, die Einführung des Softwareprojekts. Der Autor Nick Mathewson bezeichnet die Umsetzung als laufende Arbeit und nennt Code für Distributor und Collator, kein vollständiges System. Der Collator bereitet Nachrichten auf und ordnet sie für die Verteilung; die Software für Nutzer ist eine eigene Aufgabe. Dieser historische Stand belegt keine sichere Einsatzbereitschaft heute. Sassamans Beitrag verliert dadurch nicht an Wert. Er half, reale Probleme zu erkennen und Lösungen zu entwerfen, die verständlicher werden, wenn wir auch ihre Voraussetzungen und Grenzen kennen. [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Eric Hughes, Martti Malmi, Bitcoin-Privatsphäre. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Eric Hughes, Martti Malmi.