335 / 736OPT

Options

Rechte und Pflichten aus Optionen

Mit einer Option bezahlt man für das Recht, später zu entscheiden. Evas Beispiel zeigt, warum die richtige Kursrichtung allein nicht genügt, welche Rolle die Zeit spielt und weshalb der Verkauf eines Rechts andere Pflichten schafft als sein Kauf.

Options sind Verträge, die dem Käufer das Recht geben, einen vereinbarten Basiswert zu einem Preis namens Strike zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Das Recht läuft ab und kostet eine Prämie; der Verkäufer übernimmt die entsprechende Vertragspflicht.

Eva rechnet mit einem steigenden Bitcoin-Kurs, möchte sich aber noch nicht zum Kauf verpflichten. Gegen eine vorab gezahlte Prämie gibt ihr ein Call das Recht, zum vereinbarten Preis zu kaufen. Ein Put gibt ihr dagegen ein Verkaufsrecht und kann einem Besitzer helfen, der fallende Kurse fürchtet. Der Basiswert ist das, worauf sich das Recht bezieht; der Verfall beendet seine Gültigkeit. Optionen gehören zu den Derivaten, weil ihr Wert von einem anderen Vermögenswert abhängt. Auf der Gegenseite steht der Stillhalter: der Verkäufer, der bei Zuteilung erfüllen muss. Einen Put zu kaufen ist deshalb etwas anderes, als einen Call zu schreiben: Im ersten Fall besitzt Eva ein Recht, im zweiten würde sie eine Pflicht übernehmen. [1]

Vor jeder Rechnung müssen Menge des Basiswerts und Währung des Ergebnisses feststehen. Eine übliche Aktienoption kann 100 Aktien umfassen; Vertragsanpassungen können jedoch andere Liefergegenstände ergeben. Bei Optionen auf Futures kann die Ausübung eine Futures-Position schaffen, also einen weiteren Vertrag mit eigenen Pflichten. Für die folgenden Rechnungen verwenden wir ein eigenes fiktives Modell über 1 BTC mit linearem Barausgleich in USD. Die Preisdifferenz wird dabei direkt mit der Menge multipliziert. Das ist weder ein konkretes Börsenprodukt noch eine allgemeine Formel für inverse oder in Bitcoin abgerechnete Kontrakte. [1] [4]

Eva bezahlt im Modell 2.000 USD Prämie für einen Call mit einem Strike von 60.000 USD. Liegt der Basiswert bei Verfall bei 65.000 USD, hat das Recht einen inneren Wert von 5.000 USD: den Vorteil gegenüber dem vereinbarten Preis. Nach Abzug der Prämie bleiben 3.000 USD Gewinn vor Kosten. Endet der Kurs bei 61.000 USD, ist das Recht 1.000 USD wert, insgesamt verliert Eva aber 1.000 USD. Die Gewinnschwelle liegt bei 62.000 USD. „Im Geld“ bedeutet also einen positiven inneren Wert, nicht zwingend Gewinn. Das sind Ergebnisse bei Verfall; ein früherer Verkauf erfolgt zu einem anderen Marktpreis. [2]

Betrachten wir stattdessen einen Put auf 1 BTC mit demselben Strike von 60.000 USD und einer Prämie von 1.500 USD. Bei einem Schlusskurs von 55.000 USD beträgt der innere Wert 5.000 USD; nach der Prämie bleiben 3.500 USD Gewinn vor Kosten. Bei mindestens 60.000 USD verfällt der Put wertlos, die Prämie ist verloren. In unserem Modell mit nicht negativem Basiswertpreis ergibt ein Rückgang auf null höchstens 58.500 USD Nettogewinn der Option, keinen unendlichen Gewinn. Hält Eva außerdem Bitcoin, kann der Put einen Teil dessen Verlusts ausgleichen. Das Optionsergebnis ist jedoch nicht das Ergebnis des gesamten Portfolios. Der Schutz kostet Geld und endet irgendwann. [1]

Bei einer einzelnen, vollständig bezahlten gekauften Option kann Eva die gesamte Prämie verlieren. Eine kleine Prämie bedeutet daher keine geringe Verlustwahrscheinlichkeit: Das eingesetzte Geld kann vollständig weg sein. Die Grenze betrifft die Option selbst vor weiteren Kosten. Übt Eva einen anderen Vertrag mit Lieferung aus und erhält Aktien oder eine Futures-Position, sind deren spätere Verluste nicht durch diese Prämie begrenzt. Zu unterscheiden sind der Preis des Rechts, die Mittel für die Erfüllung und das Risiko der anschließend im Konto verbleibenden Position. Auch automatische Ausübung und Weisungsfristen hängen von Broker und Vertrag ab. [2] [6]

Der Stillhalter erhält zu Beginn Geld, doch damit ist das Geschäft nicht erledigt. Bei einem ungedeckten Call verspricht er Erfüllung, ohne den nötigen Basiswert zu halten. Steigt dessen Preis stark, kann der Verlust theoretisch unbegrenzt wachsen, während die Prämie feststeht. Der Broker kann zusätzliche Margin, also Sicherheiten für die Verpflichtung, verlangen oder die Position zwangsweise schließen. Eine spätere Kurserholung hilft nicht, wenn vorher die Sicherheiten fehlten. Ein Ergebnisdiagramm zum Verfall zeigt deshalb nicht den gesamten Verlauf. Das Risiko des Stillhalters darf nicht mit der Verlustgrenze des Käufers verwechselt werden. [3]

Eva kann die gehaltene Option vor dem Verfall verkaufen, wenn sie einen Käufer findet; der Erlös muss die ursprüngliche Prämie nicht decken. Die Ausübung löst dagegen die vereinbarte Erfüllung aus: etwa einen Geldbetrag, die Lieferung von Aktien oder eine Futures-Position. Amerikanische Optionen lassen sich auch vor Verfall ausüben, europäische erst zum vorgesehenen Termin. Die Namen bezeichnen nicht den Wohnort des Händlers. Bei der Zuteilung wird einem bestimmten Stillhalter die Erfüllung zugewiesen. Bei zentral abgewickelten Optionen muss das nicht Evas ursprünglicher Verkäufer sein. Menge, Abrechnung und Weisungsschluss bestimmen also den Vertrag selbst und sind kein nebensächliches Kleingedrucktes. [4] [6]

Vor dem Verfall hat das Recht auch deshalb einen Wert, weil weitere Kursbewegungen möglich sind. Mit weniger Zeit schrumpft diese Möglichkeit; unter sonst gleichen Bedingungen schadet das einem gewöhnlichen gekauften Call. Hinzu kommt die Implied Volatility: das aus Optionspreisen abgeleitete erwartete Schwankungsausmaß, keine sichere Vorhersage. Ihr Rückgang kann einen günstigen Bitcoin-Kursanstieg überwiegen. Für die vertiefende Analyse dienen Delta, Gamma, Theta und Vega: Schätzungen der Empfindlichkeit gegenüber Basiswertpreis, Änderung dieser Empfindlichkeit, Zeit und impliziter Volatilität. Sie gelten unter bestimmten Annahmen und ändern sich laufend. Das ursprüngliche Delta lässt sich deshalb nicht unverändert auf beliebig große Bewegungen übertragen. Bei einer Option zählen neben der Richtung auch Ausmaß, Zeitpunkt und bezahlter Preis. [5] [2]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin futures, Leverage, Implied Volatility, Options on spot Bitcoin ETPs. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Volatilität, Options on spot Bitcoin ETPs, Open interest, Hedging.

DOC · 001OIC — Options basicsDokumentation DOC · 002OIC — Long call risks and expiration payoffDokumentation DOC · 003OIC — Naked call riskDokumentation DOC · 004CME — Exercise and assignment of options on futuresDokumentation DOC · 005OIC — Volatility and the GreeksDokumentation DOC · 006OIC — Options exercise FAQDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung