Ein Futures-Kontrakt hat einen festgelegten Verfallstermin und Abrechnungsregeln. Hier geht es um den Standardkontrakt in US-Dollar an der Chicago Mercantile Exchange (CME), nicht um einen direkten Bitcoin-Kauf. Gewinne und Verluste fließen während der Laufzeit in Geldabrechnungen ein; beim Verfall gilt der Referenzpreis CME CF Bitcoin Reference Rate (BRR).
Jana öffnet bei ihrem Broker, dem Vermittler ihrer Geschäfte, die Übersicht zu CME Bitcoin futures. Neben dem Preis stehen BTC und ein Verfallsmonat. BTC bezeichnet hier den Standardkontrakt mit einer Größe von 5 Bitcoin. Der Broker überweist dadurch keine Coins an ihre Adresse. Die kleineren Micro Bitcoin futures tragen das Kürzel MBT und entsprechen 0,1 BTC. Ähnliche Namen können also sehr unterschiedliche Handelsgrößen bezeichnen. Bevor Jana die Preisangabe einordnen kann, muss sie wissen, welchen Kontrakt sie betrachtet. [1] [2]
Nehmen wir einen Futures-Preis von 60.000 USD je Bitcoin an. Der gesamte Standardkontrakt hat dann einen rechnerischen Wert von 300.000 USD, den Nominalwert. Jana hinterlegt normalerweise nicht diesen ganzen Betrag. Der Broker verlangt eine Margin als Sicherheit für die Verpflichtungen aus dem Geschäft; in unserem Beispiel stellt Jana dafür Geld bereit. Betrüge sie rein beispielhaft 60.000 USD, wäre das weder der Kaufpreis für fünf verbilligte Bitcoin noch eine Verlustobergrenze. Eine kleinere Sicherheit trägt eine größere Position: Das ist die Hebelwirkung. Maßgeblich sind die aktuellen Anforderungen von Börse und Broker, nicht diese Beispielzahlen. [1] [4]
Der Bildschirm zeigt den Preis je Bitcoin, Jana hält aber einen ganzen Kontrakt. Die kleinste Preisänderung, häufig Tick genannt, beträgt beim einzelnen Standardkontrakt 5 USD je Bitcoin. Für die Position sind das 25 USD. Bei Kalenderspreads nach Regel 542.A. gilt eine andere Schrittweite. Dabei wird ein Laufzeitmonat gekauft und ein anderer verkauft; gehandelt wird der Preisunterschied zwischen beiden. Hier beträgt der Tick 1 USD je Bitcoin beziehungsweise 5 USD je Spread. Was eine kleine Zahl auf dem Bildschirm bewirkt, hängt somit von der Einheit und der Handelsart ab. [1]
Jana kauft einen Standardkontrakt und profitiert damit von steigenden Preisen; das heißt Long-Position. Steigt der Preis von 60.000 auf 61.000 USD, beträgt ihr Gewinn vor Gebühren 5.000 USD. Eine Verkaufsposition, Short genannt, verliert bei derselben Bewegung 5.000 USD. Während der Haltedauer gehen solche Änderungen in laufende Geldabrechnungen ein, die Variation Margin heißen. Ein Gewinn wird nicht zunächst laufend und beim Verfall noch einmal vollständig ausgezahlt. Die Schlussabrechnung knüpft an die bisherigen Zahlungen an. Bei einer ungünstigen Bewegung muss Jana möglicherweise Geld nachschießen oder die Position wird geschlossen. [1] [4]
Hält Jana die Position bis zum Ende, erhält sie keine Bitcoin. Abgerechnet wird in Geld anhand der BRR, des festgelegten Referenzpreises, der am letzten Handelstag um 16:00 Uhr Londoner Zeit veröffentlicht wird. Normalerweise ist das der letzte Freitag des Verfallsmonats. Ist dieser weder im Vereinigten Königreich noch in den USA ein Geschäftstag, verschiebt Regel 35002.F. den Termin auf den vorhergehenden Tag, der in mindestens einem der beiden Länder ein Geschäftstag ist. Dieser Kalender und die Londoner BRR sind nicht mit der New Yorker Referenz eines anderen CME-Produkts gleichzusetzen. Entscheidend ist der konkrete Vertrag, nicht allein das Wort Bitcoin. [1]
Ältere Beschreibungen der Handelswoche können inzwischen überholt sein. In ihrer Mitteilung vom 1. Juni 2026 bestätigte CME den Start des 24/7-Handels am 29. Mai 2026. Bei dieser Prüfung nennt die FAQ für das Handelssystem Globex Wartungsfenster von Montag bis Freitag 16:00–16:02 CT sowie am Samstag 02:00–04:00 CT. CT steht für die US-amerikanische Central Time, etwa in Chicago, nicht für die jeweilige Ortszeit der Leser. Jana kann also nach Wochenendzugang suchen, darf aus 24/7 aber keinen pausenlosen Betrieb ableiten. Außerdem muss ihr Broker den entsprechenden Zugang anbieten. [2] [3]
Stellen wir uns vor, Jana handelt am Samstag. Das Handelssystem kann ihren Auftrag ausführen, während die buchhalterische Verarbeitung einem anderen Kalender folgt. Laut FAQ erhalten Wochenend- und Feiertagsgeschäfte von Freitagabend bis Sonntagabend das Geschäftsdatum des nächsten Geschäftstags. Dann werden auch Clearing, Abrechnung und regulatorische Meldungen verarbeitet. Clearing ist der Prozess, in dem die Verpflichtungen aus abgeschlossenen Geschäften erfasst und miteinander abgeglichen werden. Die Möglichkeit zu handeln garantiert daher weder sofortige Auszahlungen noch rund um die Uhr verfügbare Banküberweisungen. [2]
Futures können der Preisspekulation oder der Absicherung dienen, also der Verringerung eines bereits vorhandenen Preisrisikos. Ein Miner möchte etwa den künftigen Verkaufserlös gegen fallende Preise schützen. Damit verschwinden weder Unterschiede zwischen dem aktuellen Preis tatsächlicher Bitcoin und dem Futures-Preis noch der Bedarf, Margin bereitzustellen. Die US-Aufsicht für Derivatemärkte CFTC weist darauf hin, dass Verluste die anfängliche Einlage übersteigen können. Ein regulierter Markt bietet Regeln, keine Gewinngarantie. Zum Verständnis eines Geschäfts gehören deshalb neben dem Preis auch Kontraktgröße, Verfall, Kosten und die Bedingungen für zusätzliche Sicherheiten. [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin futures, Bitcoin basis trade, Margin, Cash-and-carry arbitrage. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Bitcoin futures, Financialization.