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Roll yield

Renditekomponente der Futures-Kurve

Bitcoin hat sich kaum bewegt, doch ein futuresbasierter Fonds verliert an Wert. Roll yield hilft zu verstehen, wie das möglich ist und weshalb ein Kontraktwechsel etwas anderes ist als der Kauf und Verkauf von Bitcoin.

Roll yield bezeichnet einen Renditebestandteil, der daraus entsteht, wie sich der Futures-Preis gegenüber einem gewählten Preis des Basiswerts entwickelt. Er kann positiv oder negativ sein. Eine Prozentangabe braucht Zeitraum, Vergleichspreis und Positionsgröße; sie ist keine gesonderte Rollgebühr.

Jana vergleicht den Bitcoin-Kurs mit einem Fonds, der Futures statt Coins hält. Ein Future ist ein Vertrag mit einem künftigen Fälligkeitstermin. Sein Preis kann vom Preis für den sofortigen Bitcoin-Handel, dem Spotpreis, abweichen. Dieser Abstand heißt Basis. Verändert er sich während der Haltedauer, können sich Futures und Spot unterschiedlich entwickeln. Roll yield beschreibt diesen Teil des Ergebnisses. Für einen fairen Vergleich braucht Jana dieselbe Währung, denselben Zeitraum und Basiswert sowie vergleichbare Positionsgrößen. Eine feste Stückzahl ist etwas anderes als ein laufend konstant gehaltener Geldwert der Position. Auch lässt sich nicht jede Abweichung des Fonds von Bitcoin darauf zurückführen: Kosten und Erträge anderer Fondsanlagen wirken ebenfalls mit. [1]

Unser vereinfachtes Beispiel betrifft eine Einheit eines Vermögenswerts, keinen echten Bitcoin-Kontrakt. Jana eröffnet eine Kaufposition in Futures zu 105 USD, während Spot bei 100 USD liegt. Bis zur Fälligkeit bleibt Spot bei 100 USD, und der Future fällt auf denselben Abrechnungspreis. Sie verliert 5 USD, obwohl sich der Basiswert nicht bewegt hat und sie keinen Kontrakt ersetzt hat. Die Annäherung heißt Konvergenz. Der Verlust entspricht ungefähr 4,76 % des anfänglichen Nominalwerts von 105 USD. Das ist keine Rendite auf die hinterlegte Margin, also die Sicherheit für die Position. Das Modell rechnet linear in Dollar und ohne Kosten. Tatsächliche Kontrakte werden anhand ihrer festgelegten Referenz abgerechnet, nicht anhand irgendeines Börsenkurses. [1]

Futures laufen aus. Will Jana investiert bleiben, schließt sie die auslaufende Position und eröffnet eine mit späterer Fälligkeit. Diesen Wechsel nennt man Rollen. Angenommen, sie schließt den alten Kontrakt zu 100 USD und eröffnet den neuen zu 105 USD. Der Abstand von 5 USD ist nicht automatisch ein sofortiger Geldverlust: Es handelt sich um zwei verschiedene Verträge. Das Ergebnis der alten Position hängt von deren Einstiegspreis ab; das der neuen entwickelt sich ab 105 USD. Jana zahlt den Nominalwert nicht wie einen Kaufpreis für Coins, muss aber die erforderliche Margin stellen. Handelsgebühren und Slippage, die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlich erzieltem Ausführungspreis, sind reale Kosten. Der Preisabstand der Kontrakte ist davon zu unterscheiden. [1]

Jana möchte eine Position mit 10.500 USD Nominalwert halten. In unserem abstrakten Modell gilt ein Multiplikator von 1: Ein Dollar Preisbewegung verändert das Ergebnis je Einheit um einen Dollar. Bei 100 USD braucht sie 105 Einheiten, bei 105 USD nur noch 100 Einheiten. Behielte sie 105 Einheiten, stiege der Nominalwert auf 11.025 USD und die Position wäre größer. Weniger Einheiten bei gleichem Nominalwert bedeuten für sich genommen keinen sofortigen Verlust. Ein Chart mit fester Kontraktzahl lässt sich deshalb nicht ohne Anpassung mit einem Index vergleichen, der die Positionsgröße anders steuert. Im echten Handel gelten der jeweilige Kontraktmultiplikator und die zulässigen Stückzahlen; die kleinen Zahlen hier sind keine Börsenspezifikation. [1] [2]

Liegt der Future über Spot, spricht man von Contango. Bei einer Long-Position, die von steigenden Preisen profitiert, kann das allmähliche Verschwinden des Aufschlags die Rendite belasten. Der gesamte Handel kann trotzdem Gewinn bringen. In einem weiteren eigenen Beispiel eröffnet Jana eine Einheit zu 105 USD bei einem Spotpreis von 100 USD und schließt sie später zu 115 USD: 10 USD Gewinn vor Kosten. Umgekehrt kann eine zu 95 USD unter Spot eröffnete Position in Backwardation auf 90 USD fallen und 5 USD verlieren. Die Ausgangspreise legen die späteren Preise nicht fest. Positiver Roll yield verspricht somit keinen Gesamtgewinn; negativer Roll yield sagt allein keinen Verlust des gesamten Portfolios voraus. [1]

Bei S&P-Futures-Indizes begegnen Jana die Bezeichnungen excess return und total return. Erstere erfasst die Preisänderungen der gehaltenen Futures nach den Indexregeln. Letztere ergänzt einen methodisch festgelegten Ertrag auf die Barsicherheiten, also auf Mittel zur Deckung der Positionen. Auch excess return ist nicht bloß Roll yield, denn darin steckt ebenfalls die Marktbewegung. Der zusätzliche Ertrag eines total return-Index ist wiederum kein Zins, der Jana automatisch gutgeschrieben wird. Fonds oder Broker können Bargeld anders behandeln; Verwaltungsgebühren, Finanzierung und Handelskosten verändern das Nettoergebnis. Deshalb muss ein Vergleich berücksichtigen, was die jeweilige Reihe misst. [2]

Nicht alle Fonds rollen am selben Tag. Der S&P Bitcoin Futures Daily Roll Index verschiebt seine Position täglich zwischen dem nächstfälligen und dem darauffolgenden Kontrakt. Die regulären Kryptowährungs-Futures-Indizes der S&P-Methodik nutzen dagegen jeden Monat ein Zeitfenster von fünf Handelstagen. Das Gewicht gibt an, welcher Anteil der Position auf einen Kontrakt entfällt. Unterschiedliche Zeitpläne können daher gerade an Tagen mit starken Kursbewegungen zu unterschiedlichen Kontraktmischungen führen. Jana muss den konkreten Index, seine Gewichte und die geltende Methodik kennen. Die Bezeichnung „Bitcoin-Futures“ allein macht zwei Produkte noch nicht gleich. [2] [3]

Auch der Chart kann täuschen. Wird der Preis des auslaufenden Kontrakts direkt an den des nächsten angehängt, entsteht möglicherweise ein Sprung, den niemand als Gewinn erzielt hat. Eine rückwärts adjustierte Reihe glättet ihn, indem sie frühere Werte verändert. Sie kann analytisch nützlich sein, zeigt aber nicht mehr die Preishistorie eines einzigen realen Vertrags. Janas Ergebnis richtet sich nach den tatsächlich gehaltenen Kontrakten, Mengen oder Gewichten, Ein- und Ausstiegspreisen sowie Kosten. Hat sie deren Preisänderungen bereits berechnet, darf sie den Preisabstand beim Wechsel nicht nochmals addieren oder abziehen. Roll yield erklärt die Rendite; er ist kein weiterer Gebührenposten auf dem Kontoauszug. [1] [2]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Contango, Backwardation, Bitcoin futures, Bitcoin futures ETF. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem ProShares Bitcoin ETF (BITO), Contango, Backwardation.

DOC · 001Campbell — Deconstructing Futures Returns, hosted by CMEDokumentation DOC · 002S&P DJI — Futures Indices MethodologyDokumentation DOC · 003S&P DJI — Bitcoin Futures Daily Roll IndexDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung