Stellen wir uns ein Unternehmen vor, das nach Zahlung seiner laufenden Kosten Rücklagen bildet. Die Geschäftsleitung beschließt, einen Teil davon in Bitcoin zu halten. Damit stellen sich Fragen, die bei einem privaten Kauf nicht unbedingt denselben Umfang haben: Wer darf über die Reserve verfügen, wann wird das Geld gebraucht und was passiert bei einem starken Kursrückgang? Corporate Bitcoin Treasury bezeichnet die eigene Bitcoin-Reserve eines Unternehmens und deren Verwaltung. Sie ist weder die private Wallet des Geschäftsführers noch zwangsläufig das Hauptgeschäft. Neben dem Bitcoin-Bestand betrachten wir deshalb Schulden, liquide Mittel, Verwahrung und Entscheidungsregeln.
BTC ist das gebräuchliche Kürzel für Bitcoin. Ein Unternehmen kann selbst Bitcoin besitzen und gleichzeitig Kunden bedienen, denen ebenfalls Bitcoin gehören. Block unterscheidet diese Tätigkeiten in seinem Unternehmensleitfaden. Kundengelder stehen der Geschäftsleitung nicht automatisch für Unternehmensausgaben zur Verfügung. Zuerst sollte daher klar sein, wem die genannten Bitcoin gehören und welchem Zweck sie dienen. Auch ein Händler, der BTC annimmt, baut nicht unbedingt eine Reserve auf: Wird jede Zahlung sofort in eine herkömmliche Währung umgetauscht, bleiben Zahlungsannahme und langfristiges Halten unterschiedliche Vorgänge. [1]
Geld auf dem Bankkonto kann wie ein Überschuss aussehen, bis man den Zahlungskalender danebenlegt. Tesla verbindet im Geschäftsbericht die Kapitalverwaltung mit Liquidität, also der Fähigkeit, rechtzeitig zu zahlen, und mit Risiken. Alle Geldbeträge dieses Beispiels sind in derselben Währung angegeben. Unser eigenes vereinfachtes Beispiel verwendet keine Tesla-Zahlen: Ein Unternehmen hat 12 Millionen und gibt ohne weitere Einnahmen 2 Millionen monatlich über 6 Monate aus. Die Rechnung 12 − 2 × 6 = 0 zeigt, warum dieses Geld nicht automatisch frei verfügbar ist. Ein BTC-Kauf verschiebt weder Löhne noch Steuern. Sind diese in herkömmlicher Währung fällig, muss die Firma auch bedenken, wie schnell und zu welchem Preis sie Bitcoin unter Druck verkaufen könnte. [2]
Ein Risiko wird verständlicher, wenn die Bezugsgröße der Prozentangabe feststeht. Unser schuldenfreies Modellportfolio ist 100 wert: Auf Bitcoin entfallen 5 und auf andere Vermögenswerte 95. Verliert BTC 50 %, während alles andere unverändert bleibt, sinkt der Gesamtwert auf 97,5. Das Portfolio verliert somit 2,5 %, nicht 50 %. Diese Aufteilung ist weder eine Empfehlung noch eine Obergrenze möglicher Verluste. Andere Vermögenswerte können ebenfalls fallen, das Geschäft kann sich verschlechtern und Verbindlichkeiten können sich verändern. Deshalb reicht es nicht, nur Coins zu zählen; Tesla erläutert Risiken und Zahlungsbedarf im Zusammenhang des gesamten Unternehmens. [2]
Derselbe BTC-Bestand kann für verschiedene Unternehmen ganz unterschiedliche Folgen haben. Eines nutzte Geld, das es nicht für den Betrieb braucht, ein anderes nahm einen Kredit auf und ein weiteres gab neue Aktien aus, also zusätzliche Eigentumsanteile. Strategy unterscheidet in seinen Unterlagen Finanzierungsquellen und die Fähigkeit, Verpflichtungen zu bedienen. Bitcoin selbst zahlt keine vertraglichen Zinsen, aus denen sich ein Kredit automatisch bedienen ließe. Die Fälligkeit eines Darlehens entfällt nicht bei sinkendem Bitcoin-Kurs. Regeln für die Reserve betreffen daher auch Kreditgenehmigungen, als Sicherheit verpfändetes Vermögen und das Vorgehen bei unzureichenden verfügbaren Mitteln. [3]
Zwischen einem Marktkurs und den tatsächlichen Kosten liegt die Handelsausführung. Block beschreibt einen vereinbarten Spread, also einen Preisabstand zum gewählten Referenzkurs, und die TWAP-Ausführung: Eine Order wird auf kleinere Geschäfte über einen vorher festgelegten Zeitraum verteilt. Das Kürzel bezeichnet den zeitgewichteten Durchschnittspreis, dem sich dieser Ansatz annähern soll. Beides garantiert keinen besten zukünftigen Kurs. Alle Geldbeträge dieses Beispiels sind in derselben Währung angegeben. In unserem Beispiel kostet 1 BTC bei einem Preis von 100000 und einer Gebühr von 500 insgesamt 100500. Bei unverändertem Markt ist der Coin weiterhin 100000 wert, noch vor Verkaufskosten. Eine aufgeteilte Order beseitigt weder Kursschwankungen noch das Ausfallrisiko des Handelspartners. Die Firma muss zudem Handelsbeleg, tatsächlichen BTC-Eingang und Buchung miteinander verbinden. [1]
Private Schlüssel sind geheime Daten, mit denen Transaktionen zum Ausgeben von Bitcoin signiert werden. Die Verwahrung im Unternehmen muss nicht nur normale Zahlungen ermöglichen, sondern auch den Verlust eines Geräts oder den Weggang eines Verantwortlichen verkraften. Bitcoin.org erklärt getrennte Sicherungskopien und Multisig, bei dem mehrere unabhängige Signaturen zum Ausgeben nötig sind. Unser Beispiel mit 2 von 3 Schlüsseln erfordert zwei Signaturen: Eine allein reicht nicht; der Verlust eines Schlüssels muss eine Zahlung noch nicht verhindern. Kontrolliert jedoch dieselbe Person alle Schlüssel oder Sicherungen, oder liegen sie am selben Ort, geht die beabsichtigte Trennung verloren. Eine technische Signatur ersetzt weder die rechtliche Vertretungsbefugnis noch ein Übergabeverfahren oder die Prüfung des tatsächlichen Versicherungsschutzes. [4]
Die Reserve erscheint auch in der Rechnungslegung, doch die Regeln gelten nicht weltweit einheitlich. Die Änderung der Rechnungslegung ASU 2023-08 des US-Rats für Rechnungslegungsstandards (FASB) verlangt in den USA für Vermögenswerte innerhalb ihres Anwendungsbereichs die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert und die Erfassung der Änderungen im Ergebnis. Ein Unternehmen kann daher einen Kursgewinn ausweisen, ohne etwas zu verkaufen und Geld zu erhalten. Die Entscheidung des Auslegungsausschusses für die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS vom Juni 2019 unterscheidet für die dort betrachteten Kryptowährungen IAS 2, den Standard für Vorräte, bei einem Halten zum Verkauf im gewöhnlichen Geschäftsverlauf und ansonsten IAS 38, den Standard für immaterielle Vermögenswerte. Für entsprechende Commodity Broker-Trader beschreibt sie eine besondere Bewertung zum beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten. Der US-Ansatz lässt sich deshalb nicht automatisch auf andere Länder übertragen. Rechnungslegungsergebnis, Steuern und tatsächliche Geldbewegungen sind auseinanderzuhalten. [5] [6]
Der Bestand einer Bitcoin-Adresse zeigt Coins mit den jeweiligen Ausgabebedingungen. Allein belegt er weder das rechtliche Eigentum noch das Fehlen von Sicherungsrechten oder Ansprüchen Dritter. Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) lenkt Leser von Unternehmensberichten deshalb auch auf Verbindlichkeiten, Zahlungsströme und Risiken. Gute Aufzeichnungen verbinden Geschäfte, Verwahrung, Bewertungsdatum und zugehörige Verpflichtungen. Die Geschäftsleitung kann dann nicht nur erklären, wie viele BTC hinzukamen, sondern auch warum, unter welchen Bedingungen und ob das Unternehmen weiterhin zahlen kann. Ein wachsender Coin-Bestand allein beweist keine verbesserte Zahlungsfähigkeit. [7]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Strategy, Treasury Reserve Asset, Selbstverwahrung, Bitcoin Treasury Company. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Michael Saylor, Strategy, Bitcoin Treasury Company, Treasury Reserve Asset.