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Cash flow

Zahlungsstrom

Ein Unternehmen kann Gewinn ausweisen und trotzdem kein Geld für seine Lieferanten haben: Ein Kunde hat seine Rechnung noch nicht bezahlt. Cash flow zeigt, woher tatsächlich Geld kommt und wohin es fließt. So lassen sich Mittel aus dem laufenden Geschäft von Krediten und dem Geld neuer Anleger unterscheiden.

Cash flow bezeichnet den Geldfluss innerhalb eines Zeitraums. Bei einem Unternehmen unterscheiden wir Zahlungen aus dem laufenden Geschäft, dem Kauf und Verkauf langfristiger Vermögenswerte sowie der Finanzierung, etwa durch Kredite oder neue Aktien. Die Kapitalflussrechnung umfasst auch Zahlungsmitteläquivalente: kurzfristige, äußerst liquide Anlagen, die leicht in bekannte Geldbeträge umgewandelt werden können und nur einem sehr geringen Wertänderungsrisiko unterliegen. Der Bestand zeigt, wie viel Geld zu einem Stichtag vorhanden ist; der Zahlungsstrom erklärt die Bewegung im Zeitraum. Der bilanzielle Gewinn beantwortet eine andere Frage. Steigt der Marktwert eines Vermögenswerts, geht dadurch allein noch keine Zahlung ein.

Stellen wir uns ein Unternehmen vor, dessen Geldbestand gestiegen ist. Am Endbestand allein erkennen wir nicht, ob das Geld aus Produktverkäufen, dem Verkauf von Vermögen oder einem Kredit stammt. Deshalb unterscheidet der internationale Rechnungslegungsstandard IAS 7 Zahlungsströme aus laufender Geschäftstätigkeit, Investition und Finanzierung. In unserem vereinfachten Beispiel beziehen sich alle Beträge auf denselben Zeitraum und sind in US-Dollar (USD) angegeben: Der Anfangsbestand beträgt 30 USD, der Zahlungsstrom aus dem laufenden Geschäft −5, aus Investitionen −40 und aus Finanzierung +60; die Währungsumrechnung wirkt sich mit +1 aus. Damit ergibt sich 30−5−40+60+1 = 46 am Ende. Der Währungseffekt ist die Umrechnung bereits vorhandener Mittel, kein zusätzlicher Zahlungseingang. Der Bestand ist also gewachsen, obwohl das laufende Geschäft Geld verbraucht hat. [1]

Verkauf und Zahlung finden oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt. Das Unternehmen im Beispiel weist 100 USD Umsatz aus, doch Kunden schulden ihm davon noch 40. Es hat bereits 70 an Betriebskosten bezahlt und 10 Abschreibung erfasst. Die Abschreibung verteilt die Anschaffungskosten eines genutzten Vermögenswerts auf Rechnungsperioden; sie bedeutet für sich genommen keine weitere Zahlung in dieser Periode. Ohne andere Posten beträgt der Gewinn 100−70−10 = 20, der tatsächliche operative Zahlungsstrom dagegen 60−70 = −10. Indirekt gelangen wir vom Gewinn zum gleichen Ergebnis: 20+10−40 = −10. Wir rechnen die Abschreibung hinzu und ziehen den unbezahlten Teil des Umsatzes ab. Das Hinzurechnen schafft kein neues Geld, sondern entfernt einen nicht zahlungswirksamen Aufwand aus dem Ausgangsgewinn. Alle Beträge sind in USD für denselben Zeitraum angegeben; Zinsen, Steuern und weitere Veränderungen lassen wir zur Vereinfachung weg. [2]

Bleiben wir beim gleichen Beispiel und ändern nur den Zahlungstermin. Von den Kosten in Höhe von 70 USD bezahlt das Unternehmen zunächst 50; die übrigen 20 schuldet es dem Lieferanten weiterhin. Der operative Zahlungsstrom steigt von −10 auf 60−50 = 10, der Gewinn bleibt bei 20. Werden die 20 später bezahlt, fließt Geld ab, ohne dass für dieselbe Lieferung erneut ein Aufwand entsteht. Geändert hat sich der Zahlungszeitpunkt, nicht das Ergebnis des Verkaufs. Das gehört zu den Veränderungen des Working Capital: Für den Geldfluss zählen Vorräte, offene Kundenrechnungen und noch nicht bezahlte Lieferantenrechnungen. Ein besserer Zahlungsstrom in einer Periode bedeutet daher weder automatisch höhere Rentabilität noch eine dauerhaft höhere Fähigkeit, Dividenden zu zahlen. Dividenden sind Ausschüttungen von Gewinn oder anderen zulässigen Mitteln an Aktionäre. [2]

In einem weiteren Beispiel nimmt das Unternehmen einen Kredit von 60 USD auf und kauft für 40 eine Maschine. Die Kapitalflussrechnung zeigt Finanzierung +60 und Investition −40; es sind keine 60 an Kundenumsatz entstanden. Die spätere Tilgung, also die Rückzahlung des geliehenen Betrags ohne Zinsen, gehört zur Finanzierung. Sie ist kein zweiter Aufwand für dieselbe Maschine. Auch eine Umbuchung von 5 zwischen eigenen Geldkonten derselben berichtenden Einheit verändert ihren Gesamtbestand nicht: Das Geld liegt lediglich auf einem anderen Konto. Die berichtende Einheit kann etwa ein einzelnes Unternehmen oder eine gemeinsam dargestellte Unternehmensgruppe sein. Alle Beträge dieses Beispiels sind in USD angegeben. Beim Lesen des Berichts sollten wir deshalb die Herkunft des Geldes verfolgen, nicht nur seinen gesamten Zuwachs. [2]

Ein Gläubiger kann mit dem Unternehmen vereinbaren, statt der Rückzahlung einer Schuld von 30 USD Aktien zu erhalten. Die Schuld wird gegen einen Eigentumsanteil getauscht, aber das Unternehmen erhält keine neue Zahlung von 30 USD. Es handelt sich um eine nicht zahlungswirksame Finanzierungsänderung, die nach IAS 7 getrennt von den Zahlungsströmen offenzulegen ist. Vergleichen wir das mit einer anderen Situation: Das Unternehmen erhält tatsächlich einen Kredit von 30 USD und bezahlt anschließend 30 für eine Maschine. Hier finden zwei Geldbewegungen statt. Netto ergibt sich ebenfalls null, obwohl etwas anderes passiert ist. Die Summe allein erklärt den Vorgang nicht. [1]

Free cash flow wird häufig als operativer Zahlungsstrom abzüglich Investitionsausgaben berechnet, etwa der Zahlung für eine neue Maschine. Die US-Börsenaufsicht SEC weist in Frage 102.07 darauf hin, dass die Kennzahl keine einheitliche Definition hat: Das Unternehmen muss die Berechnung erklären und auf die Angaben im Abschluss überleiten. In unserem Beispiel ergeben 10 USD operativer Zahlungsstrom minus 3 Investitionsausgaben einen Betrag von 7. Ist gleichzeitig aber eine Tilgung von 8 fällig, fehlt ohne weitere Mittel 1. Alle Beträge sind in USD angegeben. Die 7 stehen deshalb nicht automatisch zur freien Ausschüttung bereit. Wir müssen auch die verpflichtenden Zahlungen und die Posten kennen, die das Unternehmen aus seiner bereinigten Kennzahl ausgeschlossen hat. [3]

Dieselbe Zahlung kann je nach Rechnungslegungsrahmen in einem anderen Teil des Berichts stehen. IFRS sind internationale Rechnungslegungsstandards; US GAAP bezeichnet die US-amerikanischen Rechnungslegungsregeln. Der neue Standard IFRS 18 gilt für Geschäftsjahre, die am 1. Januar 2027 oder später beginnen; eine frühere Anwendung ist erlaubt. Die damit verbundenen Änderungen an IAS 7 legen den operativen Gewinn als Ausgangspunkt der indirekten Methode fest und ändern die Einordnung von Zinsen und Dividenden. Bei einem Abschluss für 2026 sollten wir deshalb prüfen, ob der Standard vorzeitig angewendet wurde und welcher Rechnungslegungsrahmen gilt. IFRS-Regeln lassen sich nicht automatisch auf US GAAP übertragen. Die Umbuchung zwischen Kategorien verändert allein nicht die gesamten Zahlungsmittel, wohl aber möglicherweise den verglichenen operativen Zahlungsstrom. [4] [1]

Ein Unternehmen hält 100 BTC, also Bitcoin. Der Preis pro Bitcoin steigt von 50000 auf 60000 USD, wodurch der Marktwert des gesamten Bestands um 1000000 USD zunimmt. Ohne Verkauf bringt die Kursänderung allein jedoch kein Geld auf das Bankkonto. Die bilanzielle Erfassung hängt vom verwendeten Regelwerk ab. Das IFRS Interpretations Committee (IFRIC), das Fragen zur Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards behandelt, stufte die untersuchten Kryptowährungen in seiner Entscheidung vom Juni 2019 nicht als bilanzielle Zahlungsmittel ein. Das ist eine Einordnung für die Rechnungslegung und keine Aussage, man könne mit Bitcoin nicht bezahlen. Ebenso kann ein Unternehmen durch neue Aktien 10000000 USD aufnehmen und denselben Betrag für BTC ausgeben. Sein Bitcoin-Bestand wächst, doch das Geld stammt nicht von Kunden, die Produkte oder Leistungen kaufen. Beide Zahlungen zusammen verändern den Geldbestand netto um null. Sie beweisen für sich genommen nicht, dass das Unternehmen seine Käufe aus den Mitteln des laufenden Geschäfts finanziert. [5]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Dividend, Capital structure, Corporate Bitcoin Treasury, Debt maturity. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Dividend, Reflexivity, Leverage, Debt maturity.

DOC · 001IFRS Foundation — IAS 7 Statement of Cash FlowsDokumentation DOC · 002SEC — Beginners’ Guide to Financial StatementsDokumentation DOC · 003SEC — Non-GAAP Financial Measures, Question 102.07Dokumentation DOC · 004IFRS Foundation — IFRS 18 Presentation and Disclosure in Financial StatementsDokumentation DOC · 005IFRS Interpretations Committee — Holdings of Cryptocurrencies, June 2019Dokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung