Jana öffnet einen Bitcoin-Chart und möchte die Kursbewegung verstehen. Sie betrachtet, wo der Preis stockte, wie schnell er stieg und wie viel gehandelt wurde. Solche Marktdaten bilden den Ausgangspunkt der technischen Analyse. Die Beschreibung der Vergangenheit, eine Prognose und ein tatsächlich ausführbarer Handel sind dabei unterschiedliche Schritte. Jeder braucht eine eigene Überprüfung.
Statt einer einfachen Linie sieht Jana farbige Kerzen. Jede fasst ein gewähltes Zeitintervall zusammen: ersten und letzten Kurs, Höchst- und Tiefstkurs; das Volumen zeigt die gehandelte Menge. Zum Verständnis braucht sie Produkt, Börse, Zeitzone und Intervalllänge. Unterschiedliche Charts können daher unterschiedliche Geschäfte abbilden. Coinbase weist zudem darauf hin, dass historische Daten unvollständig sein können und für Intervalle ohne Handel möglicherweise keine Kerze vorhanden ist. Eine Datenlücke bedeutet nicht, dass der Kurs auf null fiel. [1] [2]
Jana aktiviert einen Moving average, einen gleitenden Durchschnitt. Er berechnet aus ausgewählten Kursen eine glattere Kurve, um die übergeordnete Bewegung sichtbar zu machen. Zeitraum und Eingangsdaten beeinflussen das Ergebnis; die Rechnung liefert keine neue Nachricht über die Welt. Andere Indikatoren, also berechnete Kennzahlen, beschreiben etwa Geschwindigkeit oder Spannweite der Veränderungen. Mehrere Kurven können übereinstimmen, weil sie dieselben Kurse verwenden. Ihre Anzahl entspricht deshalb weder unabhängigen Belegen noch einem Maß an Sicherheit. [1]
Support bezeichnet eine Zone, in der Rückgänge zuvor zum Stillstand kamen; Resistance eine Zone, die Anstiege bremste. Das sind Beobachtungen, keine Zusagen des Marktes. Gleiches gilt für eine Trendlinie zwischen ausgewählten Punkten. Um eine Regel zu prüfen, muss Jana vorher festlegen, welche Punkte zählen und was das Muster ungültig macht. Zeichnet sie die Linie nach jedem Fehlschlag passend zur Vergangenheit neu, prüft sie nicht mehr die ursprüngliche Idee. Sie entwickelt eine weitere, bereits in Kenntnis des Ergebnisses. [3] [4]
Ein Backtest simuliert, wie eine Regel mit historischen Daten abgeschnitten hätte. Dabei können leicht Informationen einfließen, die damals noch unbekannt waren. Der Schlusskurs einer Kerze steht erst nach Ende des Intervalls fest. Wartet Jana darauf, darf sie nicht ohne Nachweis annehmen, anschließend noch zu diesem bereits vergangenen Kurs kaufen zu können. Das Signal, also die erfüllte Bedingung, muss vor einem ausführbaren Geschäft liegen. Sonst verschafft der Test ihr Wissen aus der Zukunft. [2] [6]
Jana probiert verschiedene Durchschnittsperioden und Einstiegsschwellen, bis eine Variante hervorragend aussieht. Je mehr Versuche sie mit denselben Daten macht, desto leichter findet sie zufällig einen Sieger. Das nennt man Überanpassung: Die Regel passt zu einer bestimmten Vergangenheit, muss aber anderswo nicht funktionieren. Ein ehrlicher Bericht enthält deshalb auch erfolglose Varianten. Eine feste Regel muss an Daten geprüft werden, die nicht zu ihrer Auswahl dienten. Passt Jana sie immer wieder daran an, werden diese Daten ebenfalls zum Optimierungsmaterial; die bloße Aufteilung reicht nicht. [5]
Lo, Mamaysky und Wang untersuchten automatische Mustererkennung bei US-Aktien im Zeitraum 1962–1996. Einige Muster lieferten zusätzliche Informationen über die Verteilung der Renditen, also darüber, wie verschiedene Ergebnisse in den Daten auftraten. Das ist eine engere Aussage als „Charts bringen Gewinne“. Sie belegt nicht, dass dieselbe Methode heute mit Bitcoin profitabel ist. Andere Märkte, Zeiträume oder Ausführungsweisen müssen gesondert untersucht werden. Ein statistischer Zusammenhang kann interessant sein, bezahlt aber allein noch keine Gebühren. [4]
Selbst wenn eine Regel eine Kursbewegung erfasst, muss Jana Kauf, Verkauf und Positionsgröße bestimmen. Das Ergebnis braucht Gebühren und realistische Ausführungskurse. Der Spread ist der Abstand zwischen bestem Kauf- und Verkaufsangebot; Slippage die Abweichung des tatsächlichen vom erwarteten Ausführungskurs. Beides kann das Ergebnis beeinflussen, etwa bei einem großen Auftrag. Verwendet der Test bereits echte Ausführungspreise, darf derselbe Effekt nicht erneut abgezogen werden. Ebenso wichtig sind eine sinnvolle Vergleichsalternative und das eingegangene Risiko. [6]
Suche hinter dem ausgewählten Gewinner-Chart nach Datenquelle, genauer Regel, Testzeitraum und allen ausprobierten Varianten. Die Analyse sollte Kosten und Verlustphasen zeigen. Eine spätere Regeländerung braucht eine neue Versionsnummer, nicht die Behauptung, von Anfang an richtig gelegen zu haben. So wird eine Idee überprüfbar und vergleichbar. Das garantiert keinen künftigen Gewinn, hilft aber, eine verständliche Frage an Daten von einer erst nachträglich überzeugend erzählten Geschichte zu unterscheiden. [5] [6]
Jana wartet auf den Kerzenschluss
Im erfundenen Beispiel kauft Jana erst, wenn eine Kerze oberhalb von 100 USD geschlossen hat. Das Intervall endet um 12:00 UTC bei 101 USD; erst jetzt kennt sie das Signal. Tatsächlich kauft sie anschließend für 102 USD und verkauft für 103 USD. Der Unterschied je Einheit beträgt daher 103 − 102 = 1 USD vor Kosten, nicht 103 − 101 = 2 USD. Den Schlusskurs als Kaufpreis anzusetzen würde das Ergebnis unberechtigt verbessern. Die Zahlen erklären nur den zeitlichen Ablauf; sie sind weder aktueller Kurs noch Handelsempfehlung.
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Price action, Backtesting, Overfitting, OHLCV, Moving average, Fundamental analysis. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Fundamental analysis, OHLCV, Timeframe, Candlestick chart.
01Bin ich sicherer, wenn alle Indikatoren nach oben zeigen?+
Nicht automatisch. Sie können denselben Kursverlauf nur unterschiedlich berechnen. Ob ihre Kombination zusätzliche nützliche Information liefert, muss anhand vorher festgelegter Regeln geprüft werden. Grüne Kurven zu zählen ersetzt das nicht.
02Beweist ein Verlustgeschäft, dass technische Analyse nicht funktioniert?+
Ein einzelnes Geschäft bestätigt oder widerlegt keine allgemeine Methode. Bewerten lässt sich eine vorher klar definierte Regel mit ausreichenden Daten, einschließlich Verlusten, Kosten und Unsicherheit. Auch eine gute Vergangenheit verspricht keinen nächsten Gewinn.