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Risk of Ruin

Ruinwahrscheinlichkeit

Risk of Ruin fragt nach der Wahrscheinlichkeit, mit der das Kapital eine festgelegte Grenze erreicht. Das Ergebnis hängt vom Zeithorizont, von den Positionsgrößen, den Abbruchregeln und den Annahmen über die Ergebnisse ab. Eine exakte Berechnung in einem einfachen Modell ist nicht automatisch eine Schätzung des Risikos tatsächlichen Handels.

Risk of Ruin ist die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte untere Kapitalgrenze innerhalb einer gegebenen Zeit oder vor einer anderen Abbruchbedingung zu erreichen, bei ausdrücklich beschriebenen Regeln und einem angegebenen Wahrscheinlichkeitsmodell.

Risk of Ruin beschreibt die Wahrscheinlichkeit, unter angegebenen Bedingungen eine vorab festgelegte Kapitalgrenze zu erreichen. In der einfachen Aufgabe gambler’s ruin ist die untere Grenze null; der Prozess endet auch beim Erreichen des oberen Ziels. Bei der Bewertung eines Handelskontos kann jedoch eine andere Schwelle entscheidend sein, unterhalb derer sich die gewählten Regeln nicht mehr fortsetzen lassen. Diese praktische Schwelle muss ausdrücklich definiert werden; sie entspricht nicht automatisch einer rechtlichen Insolvenz oder einem Kontostand von null. Eine Zahl ohne Grenze, Anfangskapital und Abbruchregeln ist unvollständig. [1] [3]

Das Erreichen einer Grenze innerhalb einer begrenzten Schrittzahl und ihr Erreichen irgendwann vor dem oberen Ziel sind verschiedene Ereignisse. Pfade, die bis zum Ende des gewählten Zeitraums keine der beiden Grenzen erreicht haben, bleiben unentschieden. Sie dürfen nicht automatisch als erfolgreich oder erfolglos gelten. Deshalb erfassen wir im Beispiel die untere Grenze, noch aktive Pfade und das obere Ziel getrennt. Eine längere Beobachtung bei gleichen Regeln kann ein bereits erfasstes Erreichen der unteren Grenze nicht aufheben; sie verändert jedoch den Anteil noch unentschiedener Pfade. Das ist eine Eigenschaft des definierten Ereignisses, keine Marktprognose. [1]

Ein fester Geldverlust entspricht bei sinkendem Kapital einem immer größeren Kontoanteil. Eine auf dem aktuellen Kapital beruhende Regel verändert dagegen die Größe der nächsten Position. CME zeigt, wie bei einem festen Risikoprozentsatz während einer Verlustserie auch der im nächsten Handel riskierte Geldbetrag sinkt. Eine Berechnung mit festen Schritten lässt sich daher nicht unverändert auf variable Positionen übertragen. Anzugeben sind außerdem Rundung, Mindesthandelsgröße und mögliche Kapitalzuführungen. Wir stellen hier keinen bestimmten Prozentsatz als allgemein sichere Regel dar. [2]

Expectancy beschreibt das erwartete Ergebnis gemäß dem Modell, während Risk of Ruin nach dem Erreichen einer Grenze im Verlauf fragt. Der maximale Rückgang misst den Verlust gegenüber einem vorherigen Höchststand; er ist selbst keine Ruinwahrscheinlichkeit. Ein eigenes einfaches Gegenbeispiel: Eine Wette mit einem Nettogewinn in Höhe des doppelten riskierten Betrags oder dem Verlust des gesamten riskierten Betrags, beide gleich wahrscheinlich, hat ein positives erwartetes Ergebnis. Wird das gesamte Konto riskiert, ist dennoch bereits in diesem Schritt sein vollständiger Verlust möglich. Das Gegenbeispiel ist weder eine Handelsempfehlung noch das Modell der folgenden Grafik. [1] [3]

Ein mathematisches Modell kann den Prozess genau an der Grenze stoppen; ein tatsächlicher Auftrag muss jedoch am Markt ausgeführt werden. Coinbase unterscheidet die Auslösung eines Stop-Limit-Auftrags von der anschließenden Ausführung des Limitauftrags; bei hoher Volatilität kann der Schutz vor Kursverlusten ausbleiben. Ein Marktauftrag erhält wiederum möglicherweise nicht den erwarteten Preis und kann mehrere Teilausführungen haben. Für die Übertragung auf den Handel reicht es daher nicht, den geplanten Verlust als festen Schritt einzutragen. Unterschiede zwischen Auslösepreis, Ausführungspreisen und offenem Rest können den gesamten Kontoverlauf verändern. [4]

Im Beispiel verwenden wir unabhängige, identisch verteilte Ergebnisse mit festen Wahrscheinlichkeiten. Eine wiederholt ähnliche historische Häufigkeit beweist diese Annahmen nicht. Beeinflussen sich Ergebnisse gegenseitig oder ändern sich die Bedingungen, muss die ursprüngliche Berechnung nicht mehr zur neuen Situation passen. NFA weist darauf hin, dass hypothetische Ergebnisse Rückschauwissen nutzen und das tatsächliche Tragen von Verlusten nicht vollständig erfassen können. CFTC unterscheidet zudem simulierte Ausführungen von tatsächlichem Handel. Deshalb bezeichnen wir unser Modellergebnis nicht als gemessenes Strategierisiko. [5] [6]

Das separat berechnete Risiko einer Handelsfolge beschreibt nicht automatisch ein Konto mit weiteren Positionen. CME unterscheidet im Handelsplan Einzelhandelsrisiko, gleichzeitige Positionen, Gesamtexposition, Hebel und Tagesverlust. Fallen mehrere Positionen gemeinsam, kann ihr gemeinsames Ergebnis entscheidend sein. Zur Bewertung der Kontogrenze müssen daher alle relevanten Zahlungsströme und offenen Verpflichtungen einbezogen werden. Das bloße Addieren von Prozentwerten getrennter Modelle ohne Kenntnis ihrer Zusammenhänge liefert keine Wahrscheinlichkeit für das Erreichen einer gemeinsamen Grenze. [3]

Geben Sie Anfangskapital, untere Grenze, oberes Ziel, Beobachtungsdauer, Positionsgrößen, Kosten und Abbruchregeln an. Trennen Sie Modellwahrscheinlichkeiten von datenbasierten Schätzungen und tatsächlich beobachteten Ergebnissen. Eine hypothetische Berechnung kann die Empfindlichkeit gegenüber Annahmen untersuchen helfen, ersetzt aber deren Überprüfung nicht. NFA betont die Angabe wesentlicher Annahmen hypothetischer Ergebnisse und ihrer Grenzen. Eine kleine berechnete Zahl garantiert keine Sicherheit, insbesondere wenn das Modell Ereignisse auslässt, die eine Fortsetzung unmöglich machen können. [5]

BeispielBEISPIEL · RoR

Gleiche Grenzen, anderer Zeithorizont

Unser fiktives Modell beginnt mit einem Kapital von 200 USD. Jeder aktive Schritt addiert 100 USD oder subtrahiert 100 USD, unabhängig von vorherigen Schritten, mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.5 für jede Möglichkeit. Kosten, Hebel, Einzahlungen und Auszahlungen bleiben unberücksichtigt. Beim Erreichen von 0 USD oder 400 USD endet der Prozess; so beendete Pfade führen keinen weiteren Schritt aus. Die Grafik für die Schritte [0, 1, 2, 3, 4] zeigt drei Anteile aller Modellpfade. Untere Grenze bereits erreicht: [0, 0, 25, 25, 37.5] %. Noch aktiv: [100, 100, 50, 50, 25] %. Oberes Ziel bereits erreicht: [0, 0, 25, 25, 37.5] %. Jede Säule ergibt insgesamt 100 %. Bis zum Ende des zweiten Schritts enden an jeder Grenze 25 % der Pfade; die verbleibende Hälfte ist wieder bei 200 USD. In den nächsten beiden Schritten erreicht von dieser Hälfte jeweils ein weiteres Viertel jede Grenze, also 12.5 % der ursprünglichen Gesamtmenge. Bis zum Ende des vierten Schritts beträgt die Wahrscheinlichkeit, null zu erreichen, deshalb 37.5 %, nicht 50 %. Bei Fortsetzung ohne festes Zeitende bis zu einer der beiden Grenzen beträgt die Wahrscheinlichkeit, null vor dem oberen Ziel zu erreichen, 50 %: Der Anfangszustand liegt in der Mitte des symmetrischen Modells. Die beiden Werte beziehen sich auf unterschiedliche Zeithorizonte. Die Grafik zeigt weder den Verlauf eines einzelnen Kontos noch das Ergebnis einer Simulation mit endlicher Stichprobe oder eine Risikoschätzung für eine tatsächliche Strategie.

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Expectancy, Position Sizing, Max Drawdown, Stop-loss, Risk Management. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Risk Management, Kelly Criterion, Max Drawdown, Portfolio Risk.

01Warum nennt das Beispiel sowohl 37.5 % als auch 50 %?

Der erste Wert gilt für das Erreichen von null spätestens im vierten Schritt. Der zweite gilt bei Fortsetzung bis null oder zum oberen Ziel ohne festes Zeitende. Nach dem vierten Schritt hat ein Teil der Pfade noch keine der beiden Grenzen erreicht.

02Beseitigt positive Expectancy das Ruinrisiko?

Nein. Das erwartete Ergebnis sagt nicht, ob einige mögliche Verläufe die Kontogrenze erreichen. Auch Positionsgrößen, Ergebnisfolge, Kosten, Zeithorizont und Abbruchregeln sind entscheidend.

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Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung