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Monetary Deflation

Schrumpfung eines Geldaggregats

Wohin verschwindet Geld, wenn jemand einen Bankkredit zurückzahlt? Ein Teil der Antwort überrascht: Buchgeld muss nicht bloß zu einem anderen Menschen wandern; bei einer Tilgung kann es erlöschen. Monetary Deflation bezeichnet einen Rückgang der Geldmenge nach einer bestimmten Abgrenzung. Um ihn zu verstehen, müssen wir wissen, was gezählt wird. Weniger Geld, billigere Waren und eine langsamere Ausgabe neuer Bitcoins sind verschiedene Geschichten, die in Deflationsdebatten oft vermischt werden.

Monetary Deflation bedeutet hier einen anhaltenden Rückgang der nominalen Geldmenge in einem gewählten Geldmengenaggregat, einer genau abgegrenzten Zusammenfassung von Geldformen. Gezählt werden Geldeinheiten, nicht die Waren, die sie kaufen. Das Ergebnis hängt von den erfassten Geldformen und Haltern ab.

Meldet eine Schlagzeile eine schrumpfende Geldmenge, lautet die erste Frage: welche? Die US-Zentralbank Federal Reserve veröffentlicht M1 und M2, Geldmengen mit unterschiedlich weiter Abgrenzung. Daneben veröffentlicht sie Monetary Base, die Bargeld im Umlauf und Bankreserven zusammenfasst. Diese Reserven sind Guthaben der Banken auf Konten bei der Zentralbank. Ein Rückgang der einen Größe bedeutet nicht automatisch einen Rückgang der anderen. Monetary Deflation betrifft hier die nominale Menge: Geldeinheiten statt Kaufkraft. Disinflation wiederum ist langsameres Preiswachstum bei möglicherweise weiterhin steigenden Preisen. Ein niedrigerer Monatsstand belegt noch keinen anhaltenden Rückgang. Zuerst müssen Umfang und Zeitraum der Statistik klar sein. [1]

Stellen wir uns eine kleine Modellwirtschaft nach den Definitionen der Europäischen Zentralbank vor. Bargeld von 20 und jederzeit für Abhebungen oder Zahlungen verfügbare Einlagen von 80 ergeben M1 = 100. Mit einjährigen Termineinlagen von 50 entsteht M2 = 150. Nun verschieben Menschen 30 von sofort verfügbaren Konten auf diese Termineinlagen. M1 sinkt auf 70, während M2 bei 150 bleibt. Niemand hat Geld vernichtet; Verfügbarkeit und Einordnung haben sich verändert. Wir unterstellen dieselben erfassten Halter und keine weiteren Veränderungen. Ein fallender Graph für eine Geldmenge bedeutet deshalb nicht, dass zugleich alle weiter gefassten Geldformen verschwinden. [2]

Jana hat ihr Konto und ihren Kredit bei derselben Bank und nutzt einen Teil des Guthabens zur Tilgung. Bei der Tilgung geht es um den noch geschuldeten Kreditbetrag, ohne den Zinsanteil. Die Bank of England, die Zentralbank des Vereinigten Königreichs, erklärt, dass diese Tilgung Buchgeld zum Erlöschen bringt: Die Bank verringert sowohl das Guthaben der Kundin als auch deren Schulden bei ihr. In unserem gesonderten Modell verringert eine Tilgung von 20 sowohl Einlage als auch Kredit um 20. Ohne weitere Veränderungen sinkt M2 von 150 auf 130. Würde Jana stattdessen 20 an einen Händler zahlen, der ebenfalls als Nichtbank innerhalb desselben Aggregats erfasst ist, wechselte das Geld nur den Besitzer. Tilgung, Zinsen und gewöhnliche Zahlungen sind unterschiedliche Buchungsvorgänge. [3]

Monetary Base umfasst Zentralbankgeld. Broad Money, eine breitere Geldabgrenzung, enthält auch Einlagen des Publikums: Beträge, die Geschäftsbanken ihren Kunden schulden. Reserven dagegen sind Guthaben der Banken bei der Zentralbank, die etwa zur Abwicklung von Zahlungen untereinander dienen. Ein Kundenkonto ist ein anderes Verhältnis. Die Bank of England widerspricht deshalb der Vorstellung, Reserven würden mit einem festen Faktor mechanisch in Kredite vervielfacht. Die Zentralbank kann Reserven bereitstellen, während Kredittilgungen Einlagen verringern. Beide Größen müssen sich nicht in dieselbe Richtung bewegen. Auch wenn die Zentralbank etwas kauft, zählt, wer verkauft und ob neben Reserven Einlagen entstehen. Ihre Bilanz zeigt Vermögen und Verbindlichkeiten; die Bilanzsumme allein erklärt nicht alles. [3]

Geld kann innerhalb eines Zeitraums mehrfach den Besitzer wechseln. Die Wirtschaftsdatenbank FRED berechnet die Umlaufgeschwindigkeit von M2 als nominale Wirtschaftsleistung geteilt durch die durchschnittliche Geldmenge. Nominal bedeutet hier: der Wert der produzierten Endprodukte und Dienstleistungen zu laufenden Preisen. Die Größe entsteht nicht durch das Verfolgen einzelner Banknoten. Für Interessierte lässt sich der Zusammenhang als M × V = P × Y schreiben. Links multiplizieren wir die Geldmenge mit der Umlaufgeschwindigkeit; rechts das Preisniveau mit der realen Wirtschaftsleistung, also der Produktionsmenge. Im Modell ergeben M = 100, V = 2 und Y = 100 den Wert P = 2. Sinkt M bei sonst gleichen Werten auf 90, folgt P = 1,8. Steigt V jedoch auf 20/9, bleibt P bei 2. Das ist eine bedingte Rechnung, kein Beweis für unveränderte Umlaufgeschwindigkeit und Produktion in der Realität. [4]

Eine Schuld lautet auf einen Geldbetrag, nicht auf Warenmengen. Im Beispiel entsprechen Schulden von 100 bei einem Korbpreis von 10 zehn Körben. Sinkt dessen Preis auf 8, stehen dieselben Schulden für 12,5 Körbe, also 25 % mehr. Diese Rechnung beweist keinen Geldmengenrückgang; sie zeigt eine andere Folge sinkender Preise. Die Bank of England trennt Ursachen wirtschaftlicher Schwierigkeiten von ihrer möglichen Verstärkung durch Deflation. Debt Deflation betrifft Zusammenhänge zwischen Schulden, Rückzahlungen oder erzwungenen Verkäufen und fallenden Preisen. Doch nicht jede Verbilligung ist dasselbe Problem: höhere Produktivität und ein scharfer Nachfrageeinbruch können unterschiedliche Folgen haben. [5]

Ein anderes Modell: Ein Bestand von 100 wächst um 10 auf 110. Der nächste Zuwachs von 5 erhöht ihn auf 115. Es kamen weniger neue Einheiten hinzu, der Gesamtbestand wuchs trotzdem. Ebenso verringert Halving regelmäßig die Menge der im Netzwerk neu ausgegebenen Bitcoins. Bestehende Guthaben in Bitcoin (BTC) werden dadurch nicht halbiert. Die Bildungswebsite Bitcoin.org unterscheidet begrenzte Neuausgabe von verlorenen Schlüsseln. Ein Schlüssel ermöglicht das Ausgeben; ohne ihn können Coins unzugänglich bleiben, obwohl ihr historischer Eintrag weiter besteht. Lange Inaktivität beweist allein keinen Schlüsselverlust. Ausgegebener Gesamtbestand, neue Ausgabe und tatsächlich zugängliche Coins müssen deshalb getrennt werden. [6]

Bevor Sie von Monetary Deflation sprechen, prüfen Sie, ob Sie dieselbe Währung und dasselbe Aggregat über vergleichbare Zeiträume betrachten. Prüfen Sie Definitionsänderungen und Saisonbereinigung, die regelmäßig wiederkehrende Schwankungen innerhalb des Jahres herausrechnen soll. H.6 bietet bereinigte und unbereinigte Reihen; ihre Vermischung kann ein irreführendes Bild erzeugen. Danach helfen Daten zu Krediten, Preisen und Wirtschaftsaktivität bei der Suche nach Zusammenhängen. Negatives Wachstum einer Geldgröße allein prognostiziert weder den BTC-Preis noch einen identischen Rückgang aller Geldarten. Eine gute Erklärung beginnt mit einer präzisen Frage statt einem Schluss aus nur einem Diagramm. [1]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Monetary Base, Broad Money, Disinflation, Debt Deflation. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Disinflation, Debt Deflation, Velocity of Money, Purchasing Power.

DOC · 001Federal Reserve — H.6 Money Stock MeasuresDokumentation DOC · 002ECB — Monetary AggregatesDokumentation DOC · 003Bank of England — Money Creation in the Modern EconomyDokumentation DOC · 004FRED — Velocity of M2 Money StockDokumentation DOC · 005Bank of England — Deflation, Quarterly Bulletin 2009 Q1Dokumentation DOC · 006Bitcoin.org — FAQDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung