Disinflation bezeichnet eine Verlangsamung des allgemeinen Preisanstiegs. Solange die Inflation positiv bleibt, wird der gemessene Warenkorb teurer. Bei Deflation dagegen sinkt das Preisniveau. Zu jeder Angabe gehören deshalb Zeitraum und Preisindex.
Die Bank of England, die Zentralbank des Vereinigten Königreichs, unterscheidet Disinflation von einem anhaltenden, breit angelegten Preisrückgang. Denken Sie an ein Auto, das langsamer wird, aber weiter vorwärtsfährt: Es kehrt dadurch nicht zum Ausgangspunkt zurück. Ebenso steigt das Preisniveau bei niedrigerer positiver Inflation weiter. Ein einzelner negativer Monatswert belegt noch keine anhaltende Deflation; ein anderer Index oder Zeitraum kann ein anderes Bild ergeben. Selbst das Abklingen von Hyperinflation, einem außergewöhnlich schnellen Preisanstieg, bringt alte Preise nicht automatisch zurück. Verwandt ist Monetary Deflation, die Schrumpfung der Geldmenge. Geldmenge und Preise sind jedoch verschiedene Größen, deren Veränderungen man nicht gleichsetzen darf. [1]
Ein Warenkorb kostet zunächst 100. Nach einem Anstieg um 10 % sind es 110. Im folgenden Jahr verlangsamt sich der Anstieg auf 4 %, setzt aber am höheren Preis an: 110 × 1,04 = 114,4. Die Inflation ist gesunken, der Preis jedoch weder auf 104 noch zurück auf 100. Gegenüber dem Anfang kostet der Einkauf 14,4 % mehr. Das ist unser Rechenbeispiel, keine Länderstatistik. Es erklärt, warum man niedrigere Inflation begrüßen und zugleich ein knappes Haushaltsbudget spüren kann. Ist das Einkommen inzwischen nicht gestiegen, macht langsameres Verteuern den Einkauf allein noch nicht wieder so erschwinglich wie früher. [1]
In unserem Beispiel sinkt die Inflation von 10 % auf 4 %. Die Differenz beträgt 6 Prozentpunkte. Bezogen auf die ursprüngliche Inflationsrate beträgt der Rückgang dagegen 60 %. Beide Aussagen stimmen; keine bedeutet, dass die Ladenpreise entsprechend gefallen sind. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beschreibt Inflation als Veränderung eines Index für einen bestimmten Warenkorb. Wir unterscheiden daher den Preis des Korbs, dessen Veränderungsrate und die Veränderung dieser Rate. Meldet eine Schlagzeile einen starken Inflationsrückgang, sollte man zuerst klären, welche Größe sie über welchen Zeitraum vergleicht. [2]
Eine Vorjahresrate vergleicht heute mit demselben Monat ein Jahr zuvor. Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärt, wie ein damaliger ungewöhnlicher Preissprung die Veränderung dieser Rate prägen kann. In unserem Modell beginnt der Index bei 100 und erreicht im nächsten Monat 120. In den Monaten 12 und 13 steht er jeweils bei 126. Trotzdem fällt der Jahresanstieg von 26 % auf 5 %, weil der zweite Vergleich von einer höheren Vorjahresbasis ausgeht. Zwischen den letzten beiden Monaten sind die Preise nicht gefallen. Dieser Basiseffekt ist eine Eigenschaft des Vergleichs, kein statistischer Trick. Aktuelle Monatsveränderungen helfen deshalb, die Jahresrate einzuordnen. [3]
Der Gesamtindex verbindet Waren und Dienstleistungen mit unterschiedlichen Gewichten, also Anteilen am Ergebnis. Billigere Energie kann die Gesamtinflation senken, während Dienstleistungen kräftig teurer werden. Die EZB betrachtet deshalb auch Teilbereiche und die Kerninflation, hier ohne Energie und Lebensmittel. Andere Kennzahlen können andere Posten ausschließen. Kerninflation ist nicht der Kassenbon einer konkreten Familie: Sie bezahlt weiterhin Energie und Essen. Ein günstiger Wert beweist auch keine dauerhafte, gleichmäßige Beruhigung der Preise. Entscheidend sind erfasste Güter, Gewichtung und Messhäufigkeit. [4]
Disinflation kann durch wiederhergestellte Lieferungen und günstigere Vorleistungen entstehen oder durch schwächere Nachfrage nach einer Verteuerung von Krediten. Der erste Weg erleichtert die Produktion; der zweite kann Investitionen, Produktion und Beschäftigung dämpfen. Die EZB erläutert, wie Zinsen Nachfrage und Unternehmensentscheidungen beeinflussen. Diese Wirkungen brauchen außerdem Zeit. Aus dem Wort Disinflation allein folgen weder eine Rezession noch eine automatische Zinssenkung. Auch ein Diagramm der Monetary Base, also des Bargelds und der Guthaben von Banken auf Konten bei der Zentralbank, verrät die Ursache nicht allein. Dazu braucht es Daten zu Produktion, Krediten, Löhnen und weiteren Preistreibern. [4]
Beim Zins zählt neben dem gutgeschriebenen Geld auch Purchasing Power, also dessen Kaufkraft. Die EZB unterscheidet deshalb den vertraglichen Nominalzins vom inflationsbereinigten Realzins. Bei nominal 5 % und erwarteter Inflation von 4 % liegt der erwartete Realzins ungefähr bei 1 %. Sinkt die erwartete Inflation auf 2 %, steigt das ungefähre Ergebnis auf 3 %, obwohl der Vertrag unverändert bleibt. Die genaue Verhältnisrechnung ergibt etwa 0,96 % und 2,94 %; einfaches Subtrahieren ist eine Näherung. Erwartete Inflation gehört in den Blick nach vorn, tatsächlich gemessene Inflation in die rückblickende Bewertung. Beide können unterschiedliche Ergebnisse liefern. [5]
Bitcoin.org erklärt den Preis von Bitcoin (BTC) durch Angebot und Nachfrage. Meldungen über langsamere Inflation können Erwartungen zu Zinsen, Einkommen, Krediten und Risikobereitschaft verändern. Der Markt kann die Nachricht aber bereits erwartet und eingepreist haben. Zudem sind bessere Lieferbedingungen etwas anderes als ein Nachfrageeinbruch. Disinflation allein garantiert deshalb keinen Anstieg von BTC. Sie erklärt das Umfeld menschlicher Entscheidungen, ohne ein einziges Ergebnis vorherzusagen. Um einen Kursverlauf zu verstehen, brauchen wir neben der veröffentlichten Zahl auch Erwartungen und weitere Ereignisse. [6]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Hyperinflation, Monetary Deflation, Monetary Base, Purchasing Power. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Hyperinflation, Monetary Deflation, Debt Deflation, Purchasing Power.