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Consumer Sovereignty

Konsumentensouveränität: Wie Kunden das Angebot beeinflussen

Lenka bietet in ihrer Bäckerei versuchsweise kleinere Brote an. Sie verkaufen sich schneller als die großen, also backt sie beim nächsten Mal mehr davon. Niemand hat ihr etwas befohlen, trotzdem haben die Kunden ihre Arbeit beeinflusst. Consumer Sovereignty beschreibt diese Abhängigkeit davon, was Menschen kaufen wollen. Souveränität ist hier ein Bild, keine tatsächliche Herrschaft der Kunden.

Consumer Sovereignty bezeichnet den Einfluss von Käufen und Kaufverzicht auf die Einnahmen und Produktionspläne von Unternehmen. Ludwig von Mises betont damit, dass Unternehmer Kunden brauchen. Murray Rothbard wendet ein, dass Kunden Produzenten nicht beherrschen: Beide entscheiden selbst. Für ein klares Verständnis müssen wir wirtschaftlichen Einfluss, Kaufkraft und Zwang auseinanderhalten.

Wenn die kleinen Brote gekauft werden und die großen liegen bleiben, erhält Lenka Informationen durch Verkäufe. Das kann ihre Mehlbestellungen, Arbeitszeiten und das Angebot der nächsten Woche verändern. So lässt sich Mises’ Gedanke der Abhängigkeit von Kunden erklären. Entscheiden muss weiterhin Lenka. Ein Wunsch an der Theke ist keine abgeschlossene Bestellung, und die verkaufte Stückzahl allein belegt noch keinen Gewinn. [1]

Ein Kunde kauft ein Brot, ein anderer bestellt für eine ganze Veranstaltung. Ihr Einfluss auf den Umsatz unterscheidet sich. Mises räumt ein, dass beim Abstimmen mit Geld nicht jede Person die gleiche Stimme hat: Der ausgegebene Betrag zählt. Die Bäckerei kann auch eine kleine Gruppe mit besonderen Wünschen bedienen, wenn sich das Angebot lohnt. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Bedarf eine erschwingliche Lösung findet. Ein Wunsch ist nicht dasselbe wie Kaufkraft. [1]

Lenka kann einen lukrativen Nachtauftrag ablehnen, weil sie die Abende mit ihrer Familie verbringen möchte. Rothbard erinnert an solche nichtmonetären Gründe: Menschen streben nicht unter allen Umständen nach dem höchsten Geldeinkommen. Ein Geldangebot zwingt den Produzenten nicht zur Arbeit. Der Einwand richtet sich gegen das Wort Souveränität; er bestreitet nicht, dass eine zum Verkauf bestimmte Ware einen zahlungsbereiten Käufer braucht. [2]

Lenka backt, bevor alle Kunden eintreffen. Sie stützt sich auf Erfahrung und Erwartungen, nicht auf eine vollständige Liste sicherer Verkäufe. Backt sie zu viele kleine Brote, können welche übrig bleiben. Mises verbindet unternehmerische Ergebnisse mit der Einschätzung der Zukunft. Entrepreneurship erklärt dieses Entscheiden unter Unsicherheit umfassender. Kundeneinfluss ist deshalb kein Automat, der jeden Wunsch sofort und fehlerfrei erfüllt. [1]

Stellen wir uns einen Kunden vor, für den die nächste Bäckerei schwer erreichbar ist. Für ihn ist ein Wechsel schwieriger als für einen Nachbarn mit Auto. Mises nennt Monopolpreise ausdrücklich als Grenze des Konsumenteneinflusses in seiner Theorie. In seinem Modell begrenzt ein Monopolist die verkaufte Menge und erzielt beim höheren Preis nach Abzug der Kosten mehr, als wenn er eine größere Menge günstiger verkaufen würde. Weder die Unternehmensgröße allein noch dieses Beispiel belegen einen solchen Preis. Dafür müssen tatsächliche Alternativen, Angebot und Preisbildung untersucht werden. [1]

In der Straße gibt es vielleicht zwei Bäcker. Trotzdem könnte ein neuer Lieferdienst kommen oder ein weiteres Geschäft eröffnen. Israel Kirzner betont die Möglichkeit, mit einem besseren Angebot in den Markt einzutreten. Dieselbe heutige Anbieterzahl muss daher nicht denselben Wettbewerbsdruck bedeuten. Entscheidend ist, ob neue Lösungen entstehen und Kunden wechseln können. Entrepreneurial Discovery beschreibt das Erkennen solcher übersehenen Möglichkeiten. [3]

Jemand kauft das billigste verfügbare Brot, weil das Geld knapp ist. Ein anderer wählt aus Zeitgründen die nähere Bäckerei. Derselbe Kauf kann unterschiedliche Gründe haben und bedeutet keine Zustimmung zu jeder Produkteigenschaft. Rothbards Unterscheidung zwischen Geldeinkommen und anderen menschlichen Werten hilft, das zu beachten. Verkaufszahlen ohne Kenntnis der Wahlmöglichkeiten und Beschränkungen belegen nicht das Wohlergehen der gesamten Gesellschaft. [2]

Ein Kunde möchte vielleicht mit Bitcoin zahlen, während Lenka das nicht anbietet. Sein Interesse kann sie zum Nachdenken bewegen. Bei freiwilligem Austausch ist Zahlungsbereitschaft allein aber noch keine Einigung über eine Zahlungsart oder eine bestimmte Leistung. Bitcoin verändert die Möglichkeiten des Geldtransfers; eine Verständigung zwischen Menschen ersetzt es nicht. Auch hier unterscheiden wir Kundeneinfluss von der Macht, anderen Befehle zu erteilen. [1] [2]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Entrepreneurship, Entrepreneurial Discovery, Subjective Value Theory, Opportunity Cost, Catallactics, Bitcoin. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Entrepreneurship, Entrepreneurial Discovery.

DOC · 001Mises — Human Action, XVPrimärquelle DOC · 002Rothbard — Consumers’ Sovereignty versus Individual SovereigntyPrimärquelle DOC · 003Kirzner — How Markets WorkPrimärquelle
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung