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Praxeology

Praxeologie: Was unsere Entscheidungen gemeinsam haben

Einen Computer reparieren, spazieren gehen oder jemandem helfen: Wir verfolgen etwas und wählen einen Weg dorthin. Die Praxeologie fragt, was solche Entscheidungen verbindet. Bei Mises untersucht sie deren Logik; für sich allein verrät sie weder die Entscheidungen von morgen noch den künftigen Bitcoin-Preis.

Praxeology, auf Deutsch Praxeologie, ist die von Ludwig von Mises entwickelte Theorie zweckgerichteten menschlichen Handelns. Zweckgerichtet heißt, mit Mitteln ein Ziel zu verfolgen, nicht stets klug oder erfolgreich zu handeln. Mises leitet aus dieser Struktur allgemeine Aussagen ab. Es ist ein bestimmter Zugang zum ökonomischen Denken, kein psychologischer Test und keine Vorgabe für die Ziele eines Menschen.

Anna muss eine Arbeit abschicken, doch der Computer startet nicht. Sie sucht eine Reparaturanleitung, weil sie sich davon Hilfe verspricht. Sie hat ein Ziel, ein Mittel und eine Vorstellung davon, wie beides zusammenhängt. Praxeology untersucht diese Struktur des Handelns. Hilft die Anleitung nicht, hat Anna sich geirrt, aber trotzdem zweckgerichtet gehandelt. Wenn Mises in Human Action von rationalem Handeln spricht, meint er weder Unfehlbarkeit noch Zustimmung zu ihrer Entscheidung. Auch sämtliche psychologischen Ursachen ihrer Wahl untersucht er hier nicht. Ein unwillkürlicher Reflex ohne Wahl gehört dagegen in eine andere Kategorie: Bewegung allein ist noch kein Handeln in diesem Sinne. [1]

Anna hat eine freie Stunde. Sie kann den Computer reparieren oder spazieren gehen; beides gleichzeitig geht in unserem Beispiel nicht. Mit der Reparatur verzichtet sie auf den Spaziergang zur selben Zeit. Es geht also nicht nur um Geld: Auch Zeit und Aufmerksamkeit haben alternative Verwendungen. Den Wert der besten aufgegebenen Alternative aus Annas Sicht bezeichnet man als Opportunity Cost, auf Deutsch Opportunitätskosten. Aus Annas Entscheidung lässt sich aber weder ein genauer Geldbetrag für den Spaziergang ableiten noch ihre Zufriedenheit in festen Einheiten messen. Was Alternativen bedeuten, hängt von Person, Umständen und Möglichkeiten ab. Entscheidungen können zudem unter Einschränkungen oder Zwang stattfinden. [1]

Anna hilft schließlich einem Nachbarn kostenlos bei dessen Computer. Auch das hat ein Ziel: Er soll seine Familie anrufen können. Ebenso können Erholung, ein Geschenk oder bewusstes Aufschieben einem Zweck dienen. Dieser Rahmen setzt daher nicht voraus, dass Menschen stets Geld anhäufen oder nur an sich denken. Ein Ziel zu beschreiben heißt auch nicht, es moralisch gutzuheißen. Die praxeologische Frage lautet, wie jemand es zu erreichen versucht. Ob das Ziel richtig ist und das Mittel tatsächlich funktioniert, sind weitere Fragen. Das Wort „zweckgerichtet“ beantwortet sie nicht. [1]

Bietet Anna Reparaturen gegen Bezahlung an, treffen ihre Entscheidungen auf die von Kunden und Lieferanten. Preise, Zahlungen und die Frage, ob der Erlös für Ersatzteile reicht, werden wichtig. Catallactics bezeichnet bei Mises die Untersuchung von Tausch und Marktphänomenen innerhalb der umfassenderen Handlungstheorie. Praxeologie ist somit nicht bloß ein anderes Wort für Handel. Um einen konkreten Markt zu verstehen, müssen wir auch die Bedingungen kennen: Was wissen die Beteiligten, welche Verträge können sie schließen und welches Geld akzeptieren sie? Dass Anna und ihr Kunde Ziele haben, bestimmt noch keinen Reparaturpreis. [3]

Deduktion untersucht, was aus angenommenen Voraussetzungen logisch folgt. Können Reparatur und Spaziergang tatsächlich nicht dieselbe Stunde gleichzeitig beanspruchen, schließt die Wahl des einen das andere aus. Dafür brauchen wir keine Meinungsumfrage. Mises versteht Praxeologie entsprechend als apriorische Theorie: Ihre allgemeinen Beziehungen entstehen seiner Ansicht nach nicht durch Verallgemeinerung gemessener Daten. Das ist seine methodologische Position. Sie macht nicht jede wirtschaftliche Erklärung wahr, nur weil diese logisch klingt. Bei einem konkreten Fall müssen wir Voraussetzungen erkennen, die Ableitung prüfen und feststellen, ob die beschriebenen Bedingungen tatsächlich zutreffen. [2]

Anna plant vielleicht die Reparatur, weil sie glaubt, ein Laden habe das Ersatzteil. Der Händler erwartet aber eine Lieferung, die sich verspätet. Beide haben einen Plan; damit passen die Pläne noch nicht zusammen. Friedrich Hayek trennt in Economics and Knowledge von 1937 die reine Logik der Wahl davon, wie Menschen Wissen erwerben und ihr Handeln abstimmen. In The Use of Knowledge in Society von 1945 vertieft er die Bedeutung verteilten Wissens. Wer von der Verzögerung erfährt und seinen Plan ändert, betrifft tatsächliche Vorgänge, die reine Deduktion nicht klärt. Auch innerhalb der österreichischen Tradition verwenden also nicht alle Autoren dieselbe Methode. [4] [5]

Dass Anna zweckgerichtet handelt, verrät weder ihre nächste Preisliste noch die Kundenzahl oder den Zeitpunkt, an dem sich ihr Geschäft lohnt. Dazu wären weitere Annahmen über Fähigkeiten, Konkurrenz und Wünsche anderer nötig. Dasselbe gilt für Aussagen über den künftigen Bitcoin-Preis. Auch ein überzeugendes Argument kann auf einer Erwartung beruhen, die sich nicht erfüllt. Drei Fragen gehören getrennt: Folgt die Aussage aus den Voraussetzungen? Stimmen diese Voraussetzungen? War die konkrete Vorhersage erfolgreich? Der Name einer Theorie ersetzt keine dieser Prüfungen. [2]

Ein Mensch nutzt Bitcoin zum Bezahlen, ein anderer zum langfristigen Halten, ein dritter unterstützt damit ein Projekt. Wir können nach Zielen, Alternativen und Hindernissen fragen. Ohne Belege sollten wir ihnen aber weder dasselbe Motiv zuschreiben noch aus begrenztem Angebot automatisch künftige Nachfrage ableiten. Protokollregeln lassen sich im Code prüfen; die Bereitschaft von Händlern, Zahlungen anzunehmen, oder die Fähigkeit, zuverlässige Wallet-Backups anzulegen, erfordern andere Untersuchungen. Praxeologie kann ein Argument ordnen. Nützlich ist sie, wenn wir dadurch Voraussetzungen und offene Fragen klarer sehen, statt tatsächliche Beobachtung zu ersetzen. [4] [5]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Human Action, Methodological Individualism, Catallactics, Österreichische Schule, Knowledge Problem, Bitcoin. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Methodological Individualism, Human Action, Catallactics, Ludwig von Mises.

DOC · 001Mises — Human Action, IPrimärquelle DOC · 002Mises — Human Action, IIPrimärquelle DOC · 003Mises — Human Action, XIVPrimärquelle DOC · 004Hayek — Economics and Knowledge, 1937Primärquelle DOC · 005Hayek — The Use of Knowledge in Society, 1945Primärquelle
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