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Knowledge Problem

Das Problem des verteilten Wissens

Eine Werkstatt verspricht eine Reparatur bis zum Abend. Der Mechaniker weiß, welche Maschine frei ist, der Lieferant kennt den Ersatzteilbestand, und der Fahrer hat gerade eine Straßensperre entdeckt. Niemand weiß alles, trotzdem müssen ihre Entscheidungen zusammenpassen. Knowledge Problem erklärt, weshalb Koordination mit dem Beschaffen und Nutzen dieses verteilten Wissens beginnt, noch vor der Tabellenkalkulation.

Knowledge Problem bezeichnet die Aufgabe, Wissen zu nutzen, das bei verschiedenen Menschen liegt und nicht vollständig bei einem Entscheider zusammenläuft. Friedrich Hayek betont, dass neben Fachwissen auch örtliche Erfahrung und aktuelle Informationen nötig sind. Wie gelangen relevante Informationen zu Menschen, die damit handeln können, und wie ändern sie Entscheidungen bei neuen Umständen?

Eva führt eine Reparaturwerkstatt und erhält einen unerwarteten Auftrag. Das Verzeichnis zeigt Geräte, doch ein Kollege weiß mehr: Eine geeignete Maschine ist gerade frei geworden, und die Nachbarwerkstatt hat den benötigten Aufsatz. Genau dieses Wissen über bestimmte Orte und Zeitpunkte betont Hayek. Ein technisches Handbuch ist wichtig, sagt aber nicht allein, was sich heute Nachmittag organisieren lässt. Fachwissen und Erfahrung sind hier keine Gegenspieler; oft werden beide gebraucht. [1]

Hayek verwendet Zinn als Beispiel: Neue Nachfrage oder ein Lieferausfall können den Preis erhöhen. Abnehmer suchen dann Einsparmöglichkeiten oder Ersatzstoffe, ohne unbedingt den ursprünglichen Grund zu kennen. Preise können Entscheidungen weit entfernter Menschen verbinden, ohne dass alle denselben Bericht lesen. Ein Preis erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte, und Reaktionen müssen nicht vollkommen sein. Economic Calculation, der Vergleich von Kosten und Plänen anhand von Geldpreisen, nutzt dieses Signal, macht daraus aber kein vollständiges Wissen. [1]

Ein Bericht nennt mehrere geeignete Maschinen in der Region. Eine steht weit entfernt, eine wartet auf Reparatur, eine andere ist erst nächste Woche verfügbar. Die Summe muss nicht falsch sein; sie beantwortet nur Evas Frage nach der Fertigstellung heute nicht. Beim Zusammenfassen zu Kategorien gehen Unterschiede verloren. Ein Überblick hilft, doch vor der Entscheidung muss geprüft werden, ob Ort, Zustand oder Termin die tatsächlich verfügbaren Möglichkeiten verändern. [1]

In Economics and Knowledge unterscheidet Hayek passende Pläne von der Erklärung ihres Zustandekommens. Eva erwartet ein Ersatzteil, der Lieferant dessen Annahme. Einfach richtiges Wissen auf beiden Seiten vorauszusetzen erklärt ihre Abstimmung nicht. In unserem Beispiel wären Bestellbestätigung, geänderter Liefertermin oder Verspätungsmeldung zu betrachten — und ob die Beteiligten ihre Pläne danach korrigierten. Ein Modell mit vollständigen Informationen kann nützlich sein; der tatsächliche Lernprozess bleibt dennoch zu erklären. [2]

Das Programm zeigt Eva ein vorrätiges Teil. Der Eintrag kann aber vor dem Kauf eines anderen Kunden entstanden sein oder eine andere Ausführung betreffen. Auf eine Datenbank angewandt, wird Hayeks Frage sehr konkret: Woher stammt die Information, wann wurde sie aktualisiert und was genau beschreibt sie? Schnellere Software verarbeitet eingegebene Daten besser, ohne damit deren Vollständigkeit oder Nutzbarkeit zu belegen. Datenbanken werden damit nicht abgelehnt; gespeichert zu sein ist nur etwas anderes, als das für eine konkrete Entscheidung benötigte Wissen zu liefern. [1] [3]

Der Mechaniker kennt die Maschine vielleicht gut, aber nicht den gestiegenen Ersatzteilpreis oder die Transportprobleme des Lieferanten. Dezentralisierung, die Verteilung von Entscheidungen auf mehrere Beteiligte, braucht auch Verbindungen zwischen ihnen. Hayek verknüpft deshalb örtliches Wissen mit weiteren Signalen, insbesondere Preisen. Eva ist nicht unfehlbar, nur weil sie dem Auftrag am nächsten ist. Sie braucht Möglichkeiten, Informationen zu prüfen, Pläne zu ändern und aus Fehlern zu lernen. [1] [2]

Die Werkstatt kann Aufträge leicht zählen, verlorenes Kundenvertrauen oder die Erfahrung eines Mitarbeiters mit einem ungewöhnlichen Defekt aber schwerer erfassen. In The Pretence of Knowledge warnt Hayek davor, nur das mit verfügbaren Zahlen für wichtig zu halten. Eine genaue Tabelle rechtfertigt deshalb noch keine genaue Prognose. Beobachtungen, Annahmen und offene Fragen sollten unterschieden werden. Messen wird dadurch nicht wertlos; seine Grenzen müssen kenntlich bleiben. [3]

Eva kann Bitcoin annehmen und die Zahlung nach den Regeln des Netzwerks prüfen. Sie kann zum Beispiel prüfen, ob die Transaktion in einem Block enthalten ist, also in einer Gruppe von Transaktionen, die nach den Netzwerkregeln akzeptiert wurde. Daraus erfährt sie nicht, ob das Ersatzteil kommt oder der Kunde mit der Reparatur zufrieden sein wird. Ein überprüfbarer Zahlungsnachweis und Marktkenntnis erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein verteiltes Netzwerk garantiert weder vollständige Geschäftsinformationen noch fehlerfreie Entscheidungen. Auch bei einer Bitcoin-Zahlung braucht Eva den Anruf beim Lieferanten, die Erfahrung des Mechanikers und die Möglichkeit, ihren Plan zu ändern. [1] [2] [4]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Friedrich A. Hayek, Economic Calculation, Socialist Calculation Debate, Spontaneous Order, Catallactics, Bitcoin. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Praxeology, Methodological Individualism, Catallactics, Economic Calculation.

DOC · 001Hayek — The Use of Knowledge in SocietyPrimärquelle DOC · 002Hayek — Economics and KnowledgePrimärquelle DOC · 003Hayek — The Pretence of KnowledgePrimärquelle DOC · 004Bitcoin Developer Guide — Block ChainDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung