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Socialist Calculation Debate

Die Debatte über Wirtschaftsrechnung im Sozialismus

Eine Stadt braucht mehr Brot. Soll sie die alte Bäckerei erweitern oder eine neue bauen? Dass beide backen können, reicht für die Entscheidung nicht aus. Entscheidend ist auch, worauf die Gesellschaft jeweils verzichten müsste. Socialist Calculation Debate fragt, woher die dafür nötigen Preise kommen können, wenn Produktionsmittel nicht auf Märkten gehandelt werden.

Socialist Calculation Debate behandelt die Auswahl und laufende Korrektur von Produktionsplänen bei gemeinsamem Eigentum an Produktionsmitteln wie Maschinen, Fabriken und Boden. Ludwig von Mises betonte die fehlenden Marktpreise dieser Mittel, Oskar Lange schlug versuchsweise gesetzte Verrechnungspreise vor. Friedrich Hayek untersuchte, ob dieses Verfahren das veränderliche Wissen der Menschen nutzen kann.

Stellen wir uns eine Planungsbehörde vor, die Bäckereien, Stahlwerke und Verkehr gemeinsam steuert. Stahl für einen Backofen steht nicht zugleich für Schienen zur Verfügung. Economic Calculation, die Wirtschaftsrechnung, soll solche konkurrierenden Verwendungen vergleichbar machen. Mises formulierte seinen Einwand 1920; der hier zitierte erste Teil von Langes Antwort erschien 1936, Hayeks Kritik 1940. Die Fragen entwickelten sich vom Ursprung der Preise über Entscheidungsregeln bis zur Geschwindigkeit von Korrekturen. Die Autoren beantworteten also nicht durchweg dieselbe Frage. [1] [2] [3]

Ein Ingenieur kann die für einen Ofen benötigte Stahlmenge berechnen. Damit ist noch nicht geklärt, ob Stahl dort am besten eingesetzt ist. Mises argumentiert, dass gemeinsame Verfügung über Produktionsmittel ohne deren Markttausch die benötigten monetären Tauschpreise entfallen lässt. Maschinen und Gebäude für die Produktion heißen auch Capital Goods. Sein Einwand lautet nicht, Planer könnten weder rechnen noch eine Bäckerei bauen. Er betrifft die Grundlage der Auswahl zwischen technisch möglichen Plänen. [1]

Langes Antwort beseitigt nicht alle Märkte. In der betrachteten Variante entscheiden Menschen weiterhin, was sie kaufen und wo sie arbeiten; Konsumgüter- und Arbeitsmärkte bleiben bestehen. Kunden wählen also weiterhin ihr Brot im Laden. Für Maschinen, Rohstoffe und andere Produktionsressourcen außer Arbeit setzt die Planungsbehörde dagegen Verrechnungspreise fest. Diese Zahlen sollen Betriebe lenken, entstehen aber nicht durch denselben Markttausch wie der Preis eines verkauften Brotes. Diese beiden Preisarten auseinanderzuhalten ist entscheidend. [2]

Wollen Betriebe zum festgesetzten Preis mehr Stahl, als vorhanden ist, soll sein Verrechnungspreis steigen; bei einem Überschuss soll er sinken. Lange schlägt schrittweise Korrekturen anhand der Ergebnisse vor. Betriebsleiter erhalten außerdem Regeln dafür, wie sie Produktionsfaktoren kostengünstig kombinieren und den Produktionsumfang festlegen sollen. Eine Regel verlangt eine Produktionsmenge, bei der der Produktpreis den Grenzkosten entspricht, also den Kosten einer zusätzlich hergestellten Einheit. Das ist ein bestimmter Mechanismus mit Voraussetzungen. Zahlen auf einer Preisliste allein belegen noch nicht, dass eine wirkliche Wirtschaft so funktioniert. [2]

Der Ofen fällt aus, ein Lieferant hat anderen Stahl, und ein Transport verspätet sich. Hayek fragt, wie schnell diese Meldungen die Planungsbehörde erreichen und ihre Preise beeinflussen. Stahl unterscheidet sich zudem nach Qualität, Ort und Liefertermin; eine einheitliche Kategorie kann wichtige Unterschiede verdecken. Sein Einwand betrifft laufende Anpassung, nicht nur passende Zahlen für unveränderte Verhältnisse. Entscheidend ist, wer reagieren darf und welche Informationen dabei genutzt werden können. [3]

Eine städtische Bäckerei kann Ofen, Energie und Mehl auf bestehenden Märkten kaufen. Damit unterscheidet sie sich bereits von einem Modell, das den Markttausch von Produktionsmitteln für die gesamte Wirtschaft aufhebt. Bei einer tatsächlichen Organisation müssen wir deshalb nach Preisquellen, Investitionsentscheidungen und der Korrektur von Fehlplanungen fragen. Ein erfolgreicher oder gescheiterter Betrieb entscheidet nicht die ganze Debatte. Historische Aussagen brauchen eigene Belege; die Eigentumsform allein genügt nicht. [1] [2]

In seinem Aufsatz von 1945 vertiefte Hayek das Knowledge Problem: Nützliches Wissen ist auf Menschen verteilt. Der Bäcker kennt veränderte Kundenwünsche, der Mechaniker eine Schwachstelle des Ofens, der Fahrer eine gerade entdeckte Straßensperre. Mit fertigen Daten zu rechnen ist etwas anderes, als diese Meldungen rechtzeitig zu erhalten. Moderne Software kann die Verarbeitung stark verbessern. Ihre Geschwindigkeit belegt aber weder Vollständigkeit noch Aktualität der Eingaben. Ein konkretes System muss danach beurteilt werden, wie es Informationen beschafft, prüft und nutzt. [4]

Bitcoin ermöglicht Wertübertragungen nach den Regeln seines Netzwerks. Bestätigung bedeutet hier, dass die Transaktion in einen Block aufgenommen wurde: eine Gruppe von Transaktionen, die nach den Netzwerkregeln akzeptiert wurde. Eine bestätigte Zahlung für einen Ofen zeigt jedoch weder, dass er eine gute Investition war, noch dass die Brotnachfrage richtig eingeschätzt wurde. Zahlungsregeln, Preisbildung und Produktionsentscheidungen sind unterschiedliche Fragen. Die Debatte hilft, Wissen und Verantwortung zu untersuchen; die Wahl einer Zahlungstechnik entscheidet sie nicht. Sie beweist auch weder die Vollkommenheit jedes Marktes noch die Sinnlosigkeit jeglicher Planung. [1] [4] [5]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Economic Calculation, Ludwig von Mises, Friedrich A. Hayek, Knowledge Problem, Capital Goods, Bitcoin. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Economic Calculation, Knowledge Problem.

DOC · 001Mises — Economic Calculation in the Socialist CommonwealthPrimärquelle DOC · 002Lange — On the Economic Theory of Socialism, Part OnePrimärquelle DOC · 003Hayek — Socialist Calculation: The Competitive SolutionPrimärquelle DOC · 004Hayek — The Use of Knowledge in SocietyPrimärquelle DOC · 005Bitcoin Developer Guide — Block ChainDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung