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M1

Enges Geldmengenaggregat M1

Einen Kaffee können Sie mit einem Geldschein oder vom Konto bezahlen. Beides ist für den Einkauf schnell verfügbar, obwohl das Geld unterschiedliche Formen hat. M1 richtet den Blick auf solches Geld: Bargeld und ausgewählte verfügbare Einlagen. Dieser Blick auf die Wirtschaft hilft, wenn wir vorhandenes Geld von den damit getätigten Zahlungen unterscheiden. Außerdem zählt, wer die Statistik erstellt: Ein Sparkonto kann je nach Land anders eingeordnet werden.

M1 ist ein enges Geldmengenaggregat, also eine statistische Summe aus Bargeld und bestimmten leicht verfügbaren Einlagen. Die genaue Zusammensetzung hängt von Land und Zeitraum ab. Gemessen wird das erfasste Geld, nicht der Wert aller Zahlungen oder das gesamte Vermögen.

Im Euroraum umfasst M1 Bargeld und täglich fällige Einlagen. Das bedeutet nicht, dass ein Konto täglich geschlossen werden muss: Das Guthaben ist auf Verlangen verfügbar, ohne eine vereinbarte Laufzeit abzuwarten. Erfasst werden gebietsansässige Halter außerhalb der monetären Finanzinstitute, insbesondere Banken und Geldmarktfonds, sowie außerhalb der Zentralregierung. Es genügt also nicht, jedes als Girokonto bezeichnete Konto zu addieren. Reserveguthaben einer Bank bei der Zentralbank gehören zur anderen Sichtweise Monetary Base; sie sind keine Haushaltseinlage für Einkäufe. [1]

In der US-Veröffentlichung H.6 zählt die Federal Reserve (Fed) neben Bargeld und weiteren definierten Einlagen auch Spareinlagen zu M1. Sie nahm diese rückwirkend ab Mai 2020 auf, nachdem sich die Regeln für ihre Verfügbarkeit geändert hatten. Das ausgewiesene M1 stieg deutlich, doch die Änderung ließ M2 unverändert, weil es Spareinlagen schon enthielt. Die Kurve zeigt somit nicht nur neu geschaffenes Geld. Ein Teil des Sprungs entstand durch eine weitere Abgrenzung. Vor einer Wachstumserklärung müssen wir Definitionsänderungen von tatsächlichen Bestandsänderungen trennen. [3] [2]

Chinas Zentralbank PBOC beschrieb ab Januar 2025 eine neue Definition für M1: Sie umfasst M0, das dort definierte umlaufende Geld, täglich verfügbare Einlagen von Unternehmen und Privatpersonen sowie Kundengelder bei Nichtbanken-Zahlungsinstituten. Vergleichbar zurückgerechnete Daten für 2024 wurden ebenfalls veröffentlicht. Kundengelder von Zahlungsinstituten sind nicht mit Reservekonten von Geschäftsbanken gleichzusetzen. Das belegte Beispiel zeigt, warum verglichene Jahre dieselben Grenzen brauchen. Für spätere Zeiträume muss die jeweils verwendete Methodik erneut geprüft werden. [4]

In unserem vereinfachten Beispiel hält die Bevölkerung Bargeld von 20 und erfasste Einlagen von 80, zusammen 100. Werden 10 vom Konto abgehoben, ergibt sich 30 + 70 = 100. Ohne weitere Vorgänge bleibt M1 gleich: Die Menschen halten mehr Scheine, aber weniger Einlagen. Wir dürfen die ursprünglichen 80 nicht auf den Konten stehen lassen und zusätzlich die Abhebung als neues Geld zählen. So unterscheidet sich ein Formwechsel des Geldes von einer Zunahme seiner Gesamtmenge. [1]

Die Bank of England erklärt, wie ein Bankkredit eine neue Kundeneinlage schaffen kann. In unserem Beispiel erhöht ein Kredit von 25 mit entsprechender erfasster Einlage die bisherige Summe von 100 auf 125. Die Tilgung von 25 aus einer solchen Einlage führt sie ohne weitere Vorgänge auf 100 zurück. Tilgung betrifft den geliehenen Betrag; Zinsen sind der Preis des Kredits und ein anderer Vorgang. Banken können nicht unbegrenzt verleihen: Kapital, Risiko und Finanzierung setzen Grenzen. Auch mehr Reserven erzeugen nicht automatisch ein festes Vielfaches von M1. [5]

Ein Haushalt überweist einem Unternehmen 15 zwischen Einlagen, die beide zum erfassten Sektor gehören. Die Eigentümer ändern sich, ihre gemeinsame Einlagensumme nicht. Das Unternehmen kann weiterzahlen; eine weitere Zahlung entsteht, ohne dass M1 wachsen muss. Das Zahlungsvolumen eines Zeitraums ist deshalb nicht mit dem Geldbestand gleichzusetzen. Unterscheiden Sie auch den Bestand an einem Stichtag vom Monatsdurchschnitt. Die US-Veröffentlichung H.6 weist Monatsdurchschnitte aus, nicht automatisch die Bestände am letzten Monatstag. [3]

In einem Beispiel für den Euroraum verschieben wir 20 von einer täglich fälligen Einlage in eine erfasste Termineinlage mit 1 Jahr Laufzeit. M1 sinkt um 20, doch M2 bleibt durch diese Umbuchung unverändert, da es beide Arten enthält. Die Verfügbarkeit hat sich geändert, nicht automatisch der Vermögensanspruch des Halters. Sinkt die enge Geldmenge, betrachten wir daher auch Broad Money, die breitere Geldmenge, und ihre Zusammensetzung. Eine Einlage kann verschwinden oder lediglich außerhalb einer bestimmten statistischen Kategorie liegen; das ist nicht dasselbe. [1]

Bitcoin.org beschreibt die Regeln, nach denen neue Bitcoin (BTC) entstehen, getrennt vom Marktpreis. Coins unter Ihrer eigenen Kontrolle sind keine Bankeinlage. Bei einem Guthaben bei einem Verwahrer, etwa einer Börse, hängt die Auszahlung davon ab, dass der Anbieter die Coins herausgibt; dieser Anspruch ist etwas anderes als die Möglichkeit, die Coins direkt auszugeben. Ebenso verrät das Wachstum von M1 allein nicht, wer sein Geld gegen Bitcoin tauschen möchte. Manche lassen es auf dem Konto, andere tilgen Schulden oder kaufen Waren. Eine Schlussfolgerung zum Preis braucht eine Erklärung des Verhaltens und weiterer Bedingungen, nicht bloß ähnliche Kurven. [6]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Monetary Base, M0, M2, Broad Money. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Monetary Base, Broad Money, M0, M2.

DOC · 001ECB — Monetary AggregatesDokumentation DOC · 002Federal Reserve — H.6 Money Stock MeasuresDokumentation DOC · 003Federal Reserve — H.6 Technical QuestionsDokumentation DOC · 004PBOC — Financial Statistics Report February 2025Dokumentation DOC · 005Bank of England — Money Creation in the Modern EconomyDokumentation DOC · 006Bitcoin.org — FAQDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung