Miner Capitulation bezeichnet finanziellen Druck, der manche Miner zwingt, den Betrieb einzuschränken, Rücklagen zu verkaufen oder den Markt zu verlassen. Es ist eine wirtschaftliche Beschreibung, kein durch das Bitcoin-Protokoll, also die gemeinsamen Regeln des Netzes, erfasster Zustand. Sinkende Netzwerk-Rechenleistung allein beweist weder eine Insolvenz noch einen späteren Kursanstieg.
Unsere gedachte Farm könnte unter teurem Strom, sinkenden Einnahmen oder zu hohen Kreditraten leiden. Von außen kennen wir ihre Bücher nicht. Glassnode bietet deshalb Miner Capitulation Risk an: ein Modell, das Anzeichen für sinkende Einnahmen und rückläufige Mining-Aktivität verbindet. Es schätzt ein erhöhtes Risiko ab und liefert keine Liste zahlungsunfähiger Unternehmen. Um Probleme eines bestimmten Betreibers festzustellen, brauchen wir zusätzlich dessen Finanzdaten oder eine belegte Entscheidung. Ein Netzwerkdiagramm ersetzt diese Nachweise nicht. [1]
Neben unserer verschuldeten Farm könnte ein gesundes Unternehmen stehen, das dieselben Maschinen nur in teuren Stunden abschaltet. Braiins Price Adapt ermöglicht solche Entscheidungen anhand von Energiepreis, Geräteeffizienz und Hashprice, dem erwarteten Tagesertrag je Einheit Rechenleistung. Ein ASIC ist ein für eine bestimmte Aufgabe entwickelter Chip; Mining-Geräte nutzen solche Chips für die Berechnungen bei der Blocksuche. Verbessern sich die Betriebsbedingungen, können abgeschaltete Geräte wieder anlaufen. Die gezielte Verbrauchsreduzierung namens Curtailment bedeutet daher nicht zwangsläufig Insolvenz, also die Unfähigkeit, Verpflichtungen zu erfüllen. Eine stille Halle verrät den Grund noch nicht. [2] [7]
Die Netzwerk-Hash Rate, auch Hashrate genannt, beschreibt das Tempo der Berechnungen bei der Blocksuche. Coin Metrics schätzt sie aus der Schwierigkeit und der Geschwindigkeit der Blockentstehung. Dafür werden nicht unmittelbar die Messwerte aller Mining-Geräte zusammengezählt. Außerdem entstehen Blöcke in unregelmäßigen Abständen: Auch bei unveränderter Leistung können sie eine Zeit lang langsamer eintreffen. Ein kurzer Rückgang zeigt daher nicht, wie viele Maschinen verschwunden sind. Ein längeres Messfenster glättet Zufallsschwankungen, macht Veränderungen aber später sichtbar. Beim Vergleich von Diagrammen zählt beides. [3]
Sinkt die Rechenleistung tatsächlich, dauert die Blocksuche im Durchschnitt länger. Laut Bitcoin Developer Guide erfolgt das Difficulty Adjustment, die Anpassung der Schwierigkeit, alle 2016 Blöcke. Es reagiert auf die Dauer des vorherigen Zeitraums, nicht sofort auf die Abschaltung einer Farm. Eine niedrigere Schwierigkeit kann den verbleibenden Minern bei gleicher Leistung höhere erwartete Einnahmen bringen; andere Bedingungen können sich jedoch weiter verändern. Die Entlastung kommt somit verzögert und reicht möglicherweise nicht aus. Das Protokoll erlässt keine Kredite, verbilligt keinen Strom und repariert keine Kühlung. [4]
Unsere Farm könnte Bitcoin (BTC) in eine andere eigene Wallet verschieben, einen Partner bezahlen oder einen Verkauf vorbereiten. All das kann als Abfluss erscheinen. Glassnode misst mit Miner Outflow die von als Miner-Adressen erkannten Adressen übertragenen Mengen. Die Übertragung allein beweist weder einen Börsenverkauf noch finanzielle Not. Als entity-adjusted bezeichnete Kennzahlen versuchen, interne Transfers anhand geschätzter Adresszuordnungen herauszufiltern. Auch diese Bereinigung verrät nicht den Zweck jeder Transaktion. Wichtig sind die Definition der Kennzahl, das Ziel des Transfers und weitere Zusammenhänge. [5]
Hash Ribbons versucht, Rückzug und Rückkehr von Minern an der Rechenleistung zu erkennen. Glassnode beschreibt seine Kennzahl Hash Ribbon mit gleitenden Durchschnitten über 30 und 60 Tage. Sie werden täglich aus den geschätzten Netzwerk-Hashraten der jeweils letzten Tage des betreffenden Zeitfensters neu berechnet. Der kürzere Durchschnitt reagiert schneller, der längere zeigt den langsameren Trend. Kreuzt der kürzere den längeren von unten nach oben, deutet die Methode dies als Ende der schlimmsten Kapitulationsphase. Das ist eine Interpretation geglätteter Daten und keine Bestätigung, dass sich jede Farm erholt hat. Bei anderen Anbietern müssen wir deshalb zuerst Zeiträume und Signalregeln vergleichen. [6]
In historischen Diagrammen kann die Not von Minern mit einem niedrigen Bitcoin-Kurs zusammenfallen. Glassnode nutzt diesen Zusammenhang in Miner Capitulation Risk. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Kurs nach jedem Signal steigen muss. Ein Signal kann spät kommen oder versagen; rückblickend wählt man leicht nur erfolgreiche Beispiele aus. Eine faire Prüfung verwendet ausschließlich damals verfügbare Daten und untersucht auch Zeiträume außerhalb der Modellentwicklung. Für Anfänger ist der Indikator hilfreicher als Information über Mining-Bedingungen denn als Aufforderung zum Kauf. [1]
Kehren wir zu unseren beiden Farmen zurück. Die erste könnte an Kreditraten scheitern, während die zweite bei günstigerem Strom wieder startet. Braiins zeigt, warum Effizienz und Energiepreis zählen; derselbe Rückgang des Hashprice trifft trotzdem nicht alle gleich. Zur Beurteilung eines Unternehmens gehören auch Verträge, Rücklagen, Schulden und die Möglichkeit eines Neustarts. Selbst nach einem Verkauf kann ein neuer Eigentümer dieselben Maschinen unter anderen Bedingungen wieder einschalten. Das Ende einer Firma, ein vorübergehender Leistungsverlust und der BTC-Kurs sind drei verschiedene Geschichten. [2]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Hashprice, Difficulty Adjustment, Curtailment, Hash Ribbons.