Cash creation model bezeichnet die Ausgabe neuer Anteile gegen Geld. Direkt mit dem Produkt handelt der Authorized participant, kurz AP: ein Finanzinstitut, das vertraglich zu diesen Vorgängen berechtigt ist. Ein Bitcoin-Spotprodukt beschafft mit dem eingezahlten Geld tatsächliche Bitcoin. Privatanleger kaufen dagegen üblicherweise bereits bestehende Anteile von anderen Marktteilnehmern.
Stellen wir uns einen AP vor, der neue Anteile erhalten möchte. Bei cash creation liefert er USD, also US-Dollar, und das Produkt beschafft die entsprechenden BTC. Der AP muss die Bitcoin weder selbst halten noch unmittelbar liefern. Beim iShares Bitcoin Trust ETF, bekannt als IBIT, organisiert der Trust den Kauf über eine Handelsgegenpartei oder einen Dienstleister zur Handelsausführung. Der Trust ist hier die Rechtsstruktur des Produkts; zu seinem Vermögen gehören Bitcoin. Eine Geldzahlung macht daraus weder einen Futures-Fonds, der in Terminkontrakte investiert, noch ein Derivat, das nur Preisunterschiede in Geld ausgleicht. [1] [2]
Wie viel Geld muss der AP überweisen? Unser eigenes Rechenbeispiel beginnt mit einem NAV von 50 USD: dem Nettovermögenswert je Anteil nach Abzug der Verbindlichkeiten. Ein Block von 40 000 Anteilen entspricht damit 2 000 000 USD. Bei einem Referenzpreis von 100 000 USD je BTC werden 20 BTC benötigt. Der Referenzpreis, auch Benchmark genannt, dient der Berechnung und garantiert keinen tatsächlichen Kaufpreis. Der zitierte IBIT-Prospekt unterscheidet deshalb die erste Schätzung vom endgültigen Betrag nach NAV-Berechnung und Kaufabwicklung. Die Preise sind beispielhaft, keine aktuellen Kurse und keine Bekanntgabe eines gültigen Korbs. [2]
Bleiben wir bei diesen 20 BTC. Lassen sie sich erst zu je 101 000 USD kaufen, kostet der Kauf allein 2 020 000 USD. Mit einer angenommenen Gebühr von 1 000 USD werden 2 021 000 USD fällig, also 21 000 USD mehr als zunächst geschätzt. Jemand muss die Differenz zwischen Referenz- und Ausführungspreis tragen. Nach dem zitierten IBIT-Prospekt trägt der AP eine ungünstige Abweichung vom im NAV verwendeten Preis; bei einem günstigeren Kauf darf er den Vorteil behalten. Das sind Regeln dieses Produkts, kein automatischer Standard für jeden Fonds. [2]
Die jährliche Gebühr eines Produkts verrät Anlegern nicht unbedingt, was die Schaffung neuer Anteile kostet. Der IBIT-Prospekt trennt die Transaktionsgebühr je Auftrag mit Dienstleistungs- und Verwahrungsbestandteilen von der laufenden Vergütung des Sponsors, des für den Produktbetrieb verantwortlichen Unternehmens. Die 1 000 USD im Beispiel sind kein tatsächlicher Gebührentarif. Neben Gebühren kann der AP auch eine Kaufpreisdifferenz tragen. Spart er bei einem günstigeren Kauf Geld, ist das nicht automatisch eine den Anteilseignern gutgeschriebene Rendite. Kosten und Ergebnisse dieser Rollen sind getrennt zu betrachten. [2]
Die zitierte Fassung des IBIT-Prospekts nennt für cash creation einen Annahmeschluss um 18:00 ET am Geschäftstag vor dem Handelstag. ET steht für die Zeit an der US-Ostküste, nicht für die jeweilige Ortszeit der Anleger. Ein rechtzeitig eingereichter Auftrag bedeutet noch nicht, dass das Produkt BTC oder der AP seine Anteile erhalten hat. Auftragsannahme, Geldeingang, Kauf und Anteilslieferung sind verschiedene Schritte. Ihr vereinbarter Abschluss heißt Abwicklung. Fristen und Feiertage richten sich nach dem Produkt und können sich ändern; das Beispiel ist daher kein allgemeingültiger Zeitplan. [2]
Der Bitcoin-Kauf und der Geldeingang vom AP müssen nicht gleichzeitig stattfinden. IBIT beschreibt dafür Trade Credits, kurzfristige Überbrückungskredite, oder die Möglichkeit, das Geld früher vom AP anzufordern. Der Kredit finanziert den Kauf und wird später aus der eingegangenen Zahlung zurückgezahlt. Einen erfolgreichen Abschluss garantiert das nicht. Scheitern Kauf oder Abwicklung, können nach den Produktbedingungen Stornierung oder Verzögerung folgen. Auch die Geldzahlung bleibt somit von Zahlungswegen, Krediten, Handelsgegenparteien und funktionierender Verwahrung abhängig. [2]
Nehmen wir einen Auftrag über 40 000 Anteile, der vor der Ausgabe storniert wird. Die Bestellung allein hat weder einen abgeschlossenen Mittelzufluss noch neue Anteile erzeugt. Bei Angaben zu Zu- und Abflüssen kommt es deshalb darauf an, ob sie Anträge, tatsächlich ausgegebene Anteile oder abgeschlossene BTC-Käufe beschreiben. Der Börsenverkauf eines bestehenden Anteils zwischen Anlegern ist ein anderer Vorgang. Er wechselt nur den Eigentümer und erhöht für sich weder die Anteilszahl noch den Bitcoin-Bestand des Produkts. [1]
Die US-Börsenaufsicht SEC erlaubte am 29. Juli 2025 für börsengehandelte Kryptoprodukte auch in-kind-Verfahren: die Lieferung der zugrunde liegenden Vermögenswerte statt Geld. Der zitierte IBIT-Prospekt lässt cash und in-kind zu. Welche Variante genutzt wird, hängt von den Produktregeln und Teilnehmern ab. Cash creation garantiert weder sofortige Abwicklung noch einen Börsenkurs genau auf NAV-Niveau; ein Aufschlag bedeutet, dass ein Anteil über seinem Nettovermögenswert je Anteil gehandelt wird. Auch kann ein Privatanleger dadurch nicht einfach einen einzelnen neuen Anteil direkt beim Trust bestellen. [3] [2]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit ETF creation and redemption, In-kind creation and redemption, Authorized participant, Net asset value. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem ETF creation and redemption, In-kind creation and redemption, Net asset value, ETF premium and discount.