Seigniorage bezeichnet den wirtschaftlichen Ertrag aus der Ausgabe von Geld. Gemeint sein können der Nennwert einer Münze abzüglich ihrer Ausgabekosten, Erträge aus mit Banknoten finanzierten Vermögenswerten oder die durch neues Geld gewonnene Kaufkraft. Deshalb ist sie nicht automatisch der bilanzielle Gewinn einer Zentralbank, der Verlust eines Bargeldhalters oder eine Zahlung an den Staatshaushalt.
Der Jahresbericht der US-amerikanischen Münzprägeanstalt US Mint für 2021 vergleicht den Nennwert ausgegebener Umlaufmünzen mit ihren Kosten, einschließlich Metall, Herstellung und Transport. Nehmen wir ein eigenes Beispiel: Die Münze hat einen Wert von 10, der gesamte Vorgang kostet aber 12. Das Ergebnis lautet 10 − 12 = −2. Die Ausgabe muss also nicht profitabel sein. Das ist keine aktuelle Preisliste einer Münzstätte, sondern zeigt den Unterschied zwischen der Zahl auf der Münze und den Kosten ihrer Bereitstellung. Der verwandte Begriff Debasement bezeichnet eine Verschlechterung des Geldes, historisch etwa einen geringeren Edelmetallgehalt. Dieser Eingriff ist eine andere Frage als die Messung des Ausgabeertrags. [1]
Für Banknoten beschreibt die Europäische Zentralbank (EZB) einen anderen Weg: Eine Zentralbank kann Banknoten gegen einen Kredit an eine Bank oder gegen erworbene Vermögenswerte ausgeben, die Erträge liefern. Die ausgegebene Note bleibt ihre Verbindlichkeit und ist kein Erlös ohne Gegenposten. Stellen wir uns einen Vermögenswert von 100 vor, der im Jahr 4 einbringt, während der Betrieb 1 kostet. Im vereinfachten Modell bleiben 3, nicht der gesamte Notenwert abzüglich Papier. Es zeigt jährliche Einnahmen und Kosten, nicht das vollständige Geschäftsergebnis einer konkreten Zentralbank. [2]
Die Banknote im Portemonnaie bringt Ihnen keine Zinsen. Auf Reserven, die Banken bei der Zentralbank halten, können dagegen Zinsen anfallen, welche die Zentralbank zahlen muss. Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) unterscheidet diese Kosten ausdrücklich. In einem weiteren eigenen Jahresbeispiel bringen die Aktiva 4 ein, die Reservenzinsen kosten 5 und der Betrieb 1: Das ergibt 4 − 5 − 1 = −2. Monetary Base umfasst Bargeld und Bankreserven; die gesamte Basis ist daher keine kostenlose Finanzierung. Steigende Zinsen können Verbindlichkeiten schneller verteuern, als die Erträge älterer Anlagen wachsen. Weitere Geldausgabe schließt einen Verlust also nicht aus. [3]
Neben dem bilanziellen Ergebnis fragen Ökonomen nach der Kaufkraft neuer Geldausgabe. Der Internationale Währungsfonds (IWF) teilt dafür den Zuwachs der Geldmenge durch das Preisniveau, ein zusammenfassendes Maß der Preise. In unserem Beispiel steigt die Basis von 100 auf 110, das gewählte Preisniveau beträgt 2. Daraus folgt (110 − 100) / 2 = 5 in realen Einheiten. Gemessen wird ein Bruttozuwachs in Kaufkraft, kein Buchgewinn. Kosten sind noch nicht abgezogen; ebenso wenig bedeutet dies einen entsprechenden Zuwachs des Nettovermögens der Gesellschaft. Neue Kontozahlen stellen für sich genommen keine Güter her. [4]
Betrachten wir nun jemanden mit unverzinstem Bargeld von 100. Bei einem Preisniveau von 1 beträgt der reale Bestand 100, bei 1,1 nur noch ungefähr 90,91. Die Scheine sind noch da, kaufen aber weniger. Dieser Effekt heißt Inflationssteuer, obwohl kein Steuerbescheid kommt. Unser Beispiel zeigt allein nicht, wer einen gleich großen Betrag erhalten hat. Der IWF zerlegt Seigniorage in die Veränderung realer Geldbestände und einen Inflationsteil. Bei unveränderten realen Beständen stimmen die Größen unter den Bedingungen dieser Zerlegung überein; allgemein sind sie verschieden. Sie beantworten unterschiedliche Fragen: Ertrag aus der Ausgabe und Kaufkraftverlust bereits gehaltenen Geldes. [4]
Der Ausgabeertrag fließt nicht automatisch vollständig an den Staat. Kosten, Geschäftsergebnis und Verteilungsregeln spielen eine Rolle. Im Bericht vom Juli 2026 weist die Fed darauf hin, dass Nettoergebnis und Überweisungen für die einzelnen Reserve Banks, also die regionalen Teile des US-Zentralbanksystems, berechnet werden. Hat eine Bank Verluste angesammelt, erfasst sie einen aufgeschobenen Aktivposten: Diesen Buchposten müssen künftige Erträge zunächst ausgleichen, bevor wieder Überweisungen erfolgen. Er ist selbst keine Zahlung des Finanzministeriums. Eine Bank kann daher bereits Geld abführen, während eine andere frühere Verluste noch ausgleicht. [5]
Menschen entscheiden nicht nur, was sie ausgeben, sondern auch, wie viel Geld sie halten möchten. Die Zerlegung des IWF lässt positive Seigniorage ohne Inflation zu, wenn die gewünschten realen Bestände wachsen. Rasche Preissteigerungen können das Gegenteil bewirken: Menschen tauschen heimisches Geld schneller gegen Güter oder andere Vermögenswerte. Damit schrumpft die Grundlage der Inflationssteuer. Im Extremfall Hyperinflation, also außergewöhnlich schneller Inflation, ist dies besonders wichtig. Schnellere Ausgabe garantiert daher keinen dauerhaft höheren realen Ertrag. Eine buchhalterische Beziehung allein erklärt noch nicht, wie Preise und Menschen reagieren. [6]
Auch Bitcoin gibt neue Einheiten aus, hat aber keinen staatlichen Emittenten, der den Erlös an einen Haushalt abführt. Das Whitepaper, die ursprüngliche Beschreibung des Entwurfs, unterscheidet neue Coins und Transaktionsgebühren. Block Subsidy bezeichnet die in einem Block neu ausgegebenen Bitcoin (BTC); eine Gebühr überträgt dagegen bestehende BTC vom Absender an einen Miner. Ein Miner ist ein Teilnehmer, dessen Geräte nach dem Arbeitsnachweis suchen, der zum Hinzufügen eines Blocks nötig ist. Die gesamte Belohnung ist sein Bruttoertrag. Von Gewinn lässt sich erst nach Abzug der Kosten für Strom, Geräte und Betrieb sprechen. Wer beim Mining Seigniorage sagt, muss deshalb deutlich machen, welche Größe er vergleicht. Dass neue Einheiten ausgegeben werden, bedeutet noch nicht, dass Buchführung oder Empfänger gleich sind. [7]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Monetary Base, Debasement, Hyperinflation, Block Subsidy. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Debasement, Hyperinflation.