392 / 736WRIGHT

Craig Wright

Partei im Identitätsstreit um Satoshi Nakamoto

Craig Wright behauptete, Satoshi Nakamoto, der Erfinder von Bitcoin, zu sein. Ein Gericht wies diese Behauptung zurück. Seine Geschichte zeigt den Unterschied zwischen überzeugendem Auftreten und Beweisen – und zwischen Urheberschaft und Macht über ein Netzwerk.

Craig Wright ist für die Behauptung bekannt, Bitcoin unter dem Namen Satoshi Nakamoto geschaffen zu haben. Der High Court von England und Wales entschied 2024, dass dies nicht zutrifft. Ein späteres Verfahren betraf eine andere Frage: Hatte Wright ein Verbot bestimmter Klagen und Drohungen verletzt?

Satoshi Nakamoto ist der Name, unter dem Bitcoin entstand. Ob Wright diese Person war, wurde in COPA v Wright verhandelt; COPA steht für Crypto Open Patent Alliance. Richter Mellor verkündete das Ergebnis am 14. März 2024. Das Urteil vom 20. Mai 2024 erläuterte anschließend die Gründe. Es waren keine gegensätzlichen Entscheidungen, sondern das Ergebnis und seine spätere ausführliche Begründung. [1]

Absatz 7 enthält vier Feststellungen: Wright verfasste weder das Whitepaper, das einführende Dokument über Bitcoin, noch die ersten Softwareversionen. Er war nicht die Person, die zwischen 2008 und 2011 als Satoshi Nakamoto auftrat, und er schuf auch nicht das Bitcoin-System. Das Ergebnis ging über eine nicht öffentlich vorgeführte kryptografische Signatur hinaus. Das Gericht prüfte Beweise zur Identität und Urheberschaft. [1]

In COPA v Wright stellte der Richter wiederholte Lügen und gefälschte Dokumente fest, die die behauptete Identität stützen sollten. Das hat ein anderes Gewicht als Zweifel in einer Internetdiskussion. Zugleich muss die Art des Verfahrens klar bleiben: Es handelt sich um Feststellungen in einem zivilrechtlichen Identitätsstreit, nicht schon um eine gesonderte strafrechtliche Verurteilung wegen Fälschung. [1]

Die Absätze 475 bis 477 liefern ein Beispiel. Das Gericht untersuchte LaTeX-Dateien, also Ausgangsmaterial für den Satz eines Dokuments, sowie ihren Bearbeitungsverlauf in Overleaf. Es kam zu dem Schluss, dass die Dateien erst kürzlich erstellt worden waren. Ein ähnliches Aussehen machte sie nicht zu den ursprünglichen Arbeitsdateien des Whitepaper-Autors. Entscheidend waren Entstehungsgeschichte und Zeugenaussagen, nicht die bloße Bezeichnung „Original“. [1]

Damit endete die Geschichte nicht. Die Anordnung vom 16. Juli 2024 untersagte bestimmte Klagen und Klagedrohungen auf Grundlage von Wrights behaupteten Rechten an Bitcoin. Das Dezemberurteil erläutert den Umfang dieses Verbots. Es begrenzte konkrete rechtliche Schritte; es verbot nicht allen Menschen, über Bitcoin zu sprechen. Nun ging es also neben der Urheberschaft auch darum, ob Wright einer bestehenden gerichtlichen Anordnung folgte. [2]

Am 19. Dezember 2024 sah das Gericht alle fünf Gründe des COPA-Antrags nach dem strafrechtlichen Beweismaß als erwiesen an, also jenseits vernünftiger Zweifel. Gegenstand war die Missachtung des Gerichts, hier durch Handlungen entgegen seiner Anordnung. Das neue Verfahren und die Klagedrohungen verletzten nach Auffassung des Gerichts das Verbot vom Juli. Es ging weder um die erneute Suche nach dem echten Satoshi Nakamoto noch um ein gesondertes Fälschungsurteil. [2]

Die Anordnung vom 20. Dezember 2024 bestimmte eine Haftstrafe von 12 Monaten. Ihre Vollstreckung wurde bis zum 20. Dezember 2026 ausgesetzt, sofern Wright nicht erneut gegen die Juli-Anordnung verstieß. Diese Bedingung gehört zum Kern der Entscheidung. Die bloße Erwähnung einer Haftstrafe kann deshalb irreführen. Hier wird der damalige Beschluss erklärt, nicht ein sofortiger Haftantritt behauptet oder Wrights spätere Einhaltung der Bedingungen bestätigt. [3]

Das Urteil wies Wrights Behauptung zurück, stellte aber nicht fest, wer sonst Satoshi war. Der Prozesserfolg übertrug auch weder COPA noch einer anderen Partei die Kontrolle über das Netzwerk. Bitcoin.org beschreibt ein Netzwerk ohne Eigentümer, dessen Nutzer ihre Software wählen. Nodes, also Computer zur Prüfung von Transaktionen und Blöcken, wenden ihre jeweiligen Regeln an. Die Identität des Erfinders ist eine historische Frage; die heutige Gültigkeit von Transaktionen beruht nicht auf persönlichen Anweisungen eines angeblichen Autors. [4]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Jihan Wu, Pieter Wuille, Satoshi Nakamoto. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Jihan Wu, Pieter Wuille.

DOC · 001High Court — COPA v Wright identity judgment (2024)Dokumentation DOC · 002High Court — COPA v Wright contempt liability (2024)Dokumentation DOC · 003High Court — COPA v Wright order, 20 December 2024Dokumentation DOC · 004Bitcoin.org — FAQDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung