Jihan Wu ist Mitgründer des Mining-Geräteherstellers Bitmain und Gründer von Bitdeer. Seine Unternehmen prägen die Bedingungen des Bitcoin-Minings. Ein Unternehmen zu führen bedeutet aber nicht, das Bitcoin-Netzwerk zu führen: Dessen Teilnehmer prüfen die Gültigkeit von Blöcken selbst.
Hinter einer Bitcoin-Zahlung steckt mehr als Software. Miner betreiben Geräte, die darum konkurrieren, den nächsten Transaktionsblock hinzuzufügen. Diese Geräte muss jemand herstellen. Hier kommt Jihan Wu ins Spiel: Laut Bitdeers Unternehmensprofil gründete er Bitmain 2013 mit. Die Firma entwickelt Chips und Mining-Geräte. Ein ASIC ist ein Chip für eine bestimmte Aufgabe; im Bitcoin-Miner führt er die nötigen Berechnungen aus. Das ist eine unternehmerische und industrielle Rolle, keine Urheberschaft an Bitcoin und kein Beleg dafür, dass Wu jeden Chip persönlich entworfen hätte. [1]
Wer durch eine Unternehmensgründung bekannt wird, bleibt oft auch nach dem Ausscheiden mit dem Firmennamen verbunden. Bei Wu lohnt es sich deshalb, zwei Phasen zu unterscheiden. Bitdeers veröffentlichte Firmengeschichte nennt Januar 2021 als Zeitpunkt seines Rücktritts als Co-CEO und seines Abschieds von Bitmain, um sich auf Bitdeer zu konzentrieren. „Bitmain-Mitgründer“ beschreibt weiterhin seine Vergangenheit, keine heutige Position. Mit Bitdeer rückt neben der Herstellung auch der Betrieb ins Blickfeld: Ein gekauftes Gerät braucht einen Standort, Anschluss, Strom und laufende Betreuung. [2]
Eine Mitteilung von Bitdeer vom 29. Januar 2024 dokumentiert einen weiteren Wechsel. Wu sollte zum 1. März 2024 CEO werden und Vorsitzender des Verwaltungsrats bleiben. Linghui Kong wechselte vom CEO zum Chief Business Officer, also in die Leitung der Geschäftsentwicklung. Die beiden Daten widersprechen sich nicht: Die Ankündigung ging dem Amtsantritt voraus. Eine solche zeitliche Einordnung hilft beim Lesen älterer Meldungen. Die darin beschriebenen Zuständigkeiten müssen heute nicht mehr unverändert gelten. [3]
Wus Name taucht auch bei Matrixport auf. Bei dieser Überprüfung führt ihn Bitdeers Managementprofil außerdem als Vorsitzenden dieses Unternehmens. Schnell entsteht der Eindruck, alle Angebote eines bekannten Unternehmers gehörten zu einem einzigen Geschäft. Bei der Nutzung eines Dienstes kommt es jedoch auf die konkrete Gesellschaft und den Vertrag an. Eine gemeinsame Führungsperson bedeutet für sich genommen nicht, dass Kundengelder, Verpflichtungen oder mögliche Verluste beider Firmen einer einzigen Gesellschaft zuzurechnen sind. [1]
Im Bericht für März 2024 unterschied Bitdeer drei Geschäftsmodelle. Beim eigenen Mining schürft die Firma Bitcoin auf eigene Rechnung. Bei Cloud Hash Rate abonniert ein Kunde Rechenleistung und wird gemäß Vertrag an den Mining-Einnahmen beteiligt. Hosting umfasst die Aufstellung, Wartung und Verwaltung von Geräten für Kunden. Stellen Sie sich dieselbe Halle voller Maschinen vor: Ihr Anblick verrät weder deren Eigentümer noch den Empfänger der Einnahmen. Hosting ist deshalb nicht automatisch eigenes Mining des Betreibers; entscheidend ist die geschäftliche Vereinbarung. [4]
Zum 31. März 2024 meldete Bitdeer 22,5 EH/s verwaltete Leistung: 8,4 EH/s eigene und 14,1 EH/s aus Hosting. Hash Rate bezeichnet die Geschwindigkeit der Mining-Berechnungen; EH/s steht für eine Trillion Versuche pro Sekunde. Die verwaltete Gesamtleistung umfasste somit auch Geräte, die für Kunden betrieben wurden. Sie ließ sich nicht vollständig dem eigenen Mining der Firma oder gar Wu persönlich zurechnen. Diese datierte, ungeprüfte Unternehmensangabe dient hier als Lesebeispiel für einen Bericht. Sie ist weder die aktuelle Leistung noch ein Anteil am heutigen Bitcoin-Netzwerk. [4]
Auch Produktionsmeldungen müssen genau gelesen werden. Im Bericht für Dezember 2024 unterschied Bitdeer bei SEALMINER A1 zwischen eingeschalteten, zur Installation gelieferten, transportierten und noch produzierten Geräten. Alle können für die Planung wichtig sein, befinden sich aber in verschiedenen Stadien. Ein ASIC im Frachtcontainer liefert noch keine laufende Mining-Leistung. Ebenso wenig belegt eine Bestellung oder ein Produktionsplan bereits die erreichte Effizienz. Entscheidend ist, ob eine Meldung künftige Kapazität oder tatsächlich arbeitende Geräte beschreibt. [5]
Ein Gerätehersteller oder großer Rechenzentrumsbetreiber kann die Verfügbarkeit von Maschinen und die Mining-Bedingungen erheblich beeinflussen. Daraus folgt aber kein Recht, anderen neue Regeln vorzuschreiben. Bitcoin.org erklärt, dass Nodes – Computer, die Transaktionen und Blöcke prüfen – regelwidrige Daten ablehnen. Würde sich ein Miner eine unzulässige Belohnung zuschreiben, akzeptierten andere Nodes seinen ungültigen Block nicht allein wegen seiner vielen ASIC-Geräte. Wus Geschichte verdeutlicht so den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Unternehmen rund um Bitcoin und dem Eigentum am System selbst. [6]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Roger Ver, Craig Wright, Satoshi Nakamoto. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Roger Ver, Craig Wright.