Sie installieren einen hervorragenden Messenger, doch niemand aus Ihrem Freundeskreis nutzt ihn. Die Funktionen mögen großartig sein, trotzdem hilft er Ihnen bislang wenig. Kommen Menschen hinzu, mit denen Sie sich austauschen möchten, gewinnen Sie Möglichkeiten, ohne dass sich die App selbst ändern muss. Das ist ein Network Effect: Die Teilnahme anderer beeinflusst den Nutzen eines Dienstes für Sie. Ähnlich können Käufer und Verkäufer auf einem Marktplatz einander unterstützen. Ein größeres Netz ist aber nicht immer besser, und sein Eigentümer muss dadurch nicht reich werden. Tatsächliche Beziehungen, Qualität und Nutzungskosten entscheiden.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nennt den Einfluss von Nutzern auf andere derselben Gruppe einen direkten Netzwerkeffekt. In Ihrem Messenger erreichen Sie 10 Bekannte. Nun kommt jemand hinzu, mit dem Sie etwas besprechen müssen: Der Dienst bietet Ihnen eine weitere nützliche Möglichkeit. Eine Million fremde oder inaktive Konten helfen womöglich nicht ebenso. Ein erreichbarer Kontakt zählt mehr als eine Werbeziffer. Nicht jedes neue Konto bringt deshalb jedem Nutzer denselben Vorteil. Familienchat, Arbeitsteam und öffentliche Gemeinschaft können zudem unterschiedliche Personenkreise brauchen. [1]
Ein indirekter Netzwerkeffekt wirkt über eine andere Gruppe. Die OECD erläutert das an Käufern und Verkäufern einer Plattform. Unser Marktplatz hat 100 Käufer und 10 Verkäufer. Steigt die Zahl der Käufer auf 200, während es bei 10 Verkäufern bleibt, erhalten Händler ein größeres mögliches Publikum; die Warenauswahl der Käufer wächst nicht automatisch. Weitere passende Verkäufer könnten sie später erweitern. Ähnlich können Systemnutzer Entwickler nützlicher Ergänzungen anziehen. Bei Zahlungen heißt die Einführung der Annahme durch Händler Merchant Adoption. Zählen Sie Käufer, Verkaufsstellen und Ergänzungen getrennt und fragen Sie, was jede Gruppe tatsächlich gewinnt. [1]
Ein großer Betrieb kann niedrigere Kosten haben, ohne dass seine Kunden einander beeinflussen. Die OECD trennt dies von Netzwerkeffekten. Eine Werkstatt habe Gesamtkosten C(q) = 1 000 + 2q: q ist die produzierte Menge, der feste Aufwand fällt unabhängig von der Stückzahl an, der übrige Teil steigt mit der Produktion. Bei q = 100 beträgt der Durchschnitt 12 pro Stück, bei q = 200 nur 7. Derselbe feste Aufwand verteilt sich auf mehr Stücke. Das allein belegt keinen Network Effect: Ein Kauf durch den Nachbarn macht Ihr Produkt nicht unbedingt nützlicher. Auch muss eine Ersparnis des Herstellers nicht vollständig Ihren Preis senken. [2]
Zusätzliche Teilnehmer verbessern nicht zwangsläufig die Erfahrung aller. Die OECD nennt Überforderung durch Auswahl, Datenschutzfragen und weitere Grenzen großer Netze. Ein neuer Verkäufer erweitert das Angebot für Käufer, bringt bestehenden Verkäufern aber Konkurrenz. Mehr Nachrichten im Gruppenchat können es erschweren, Wichtiges zu finden. Ein Vorteil für eine Seite beweist deshalb keinen Vorteil für alle. Sie müssen benennen, wessen Erfahrung gemeint ist und was sich tatsächlich verändert hat. Eine Kontenzahl ohne Angaben zu Qualität und Kapazität beantwortet das nicht. [2]
Sind Ihre Freunde auf verschiedene Apps verteilt, müssen Sie sich nicht für eine einzige entscheiden. Die OECD nennt die parallele Nutzung multi-homing. Netz A hat in unserem Beispiel 100 Menschen, B hat 80, und 60 nutzen beide. Zusammen sind das 100 + 80 − 60 = 120 unterschiedliche Menschen, nicht 180: Einfaches Addieren zählt gemeinsame Nutzer doppelt. Wachstum eines Dienstes bedeutet auch nicht zwingend Abwanderung beim anderen. Unterscheiden Sie außerdem Datenübertragbarkeit und Interoperabilität. Die Kontaktliste mitzunehmen erleichtert den Umzug, ermöglicht allein aber noch keine laufende Kommunikation zwischen zwei Apps. [3]
Um Menschen zu verbinden, muss nicht eine Firma alles besitzen. Der technische Standard RFC 6120 beschreibt XMPP, ein Protokoll, nach dem verschiedene Server Nachrichten austauschen können. Diese Verbindung heißt Föderation. Nach Abschnitt 13.14 ist sie jedoch optional: Ein Betreiber muss sie nicht freigeben. Zwei Dienste mit dem Namen XMPP versprechen daher noch keine Kommunikation ihrer Nutzer untereinander. Tatsächliche Verbindung, Funktionen und Erreichbarkeit sind entscheidend. Auch andere Systeme müssen anhand ihrer eigenen Regeln beurteilt werden. Nostr ist beispielsweise ein offenes Protokoll für soziale Anwendungen. Ein offener Standard schafft eine Möglichkeit, bestätigt aber keine Verbindung von jedem zu jedem. [4]
CFA Institute, ein Berufsverband für Anlagefachleute, behandelt Modelle auf Basis von Netzverbindungen und deren Grenzen. Stellen Sie sich getrennte Gruppen mit je 10 Menschen vor. Gibt es 3 vollständig intern verbundene Gruppen, hat jede 45 mögliche Paare, zusammen 135. Werden alle 30 Menschen verbunden, entstehen 30 × 29/2 = 435 Paare: Jeder kann die anderen erreichen, und das Teilen beseitigt die Doppelzählung. Niemand kam hinzu; die Anordnung änderte sich. Weder 135 noch 435 ist jedoch eine gemessene Handelszahl oder ein Geldwert des Netzes. Auch Market liquidity, die Möglichkeit zum Handel der gewünschten Menge ohne starke Preisverschlechterung, braucht echte Angebote. Eine Kontaktzahl garantiert sie nicht. [5]
Die OECD beschreibt Anreize zur Teilnehmergewinnung und die Voraussetzungen von Marktmacht. Unsere Aktion bringt 1 000 Anmeldungen, doch im festgelegten Folgemonat kehren 200 Personen dieser Gruppe zurück. Damit haben 20 % dieser Gruppe den Dienst erneut genutzt. Auch das misst allein keinen Netzwerkeffekt: Es zeigt die wiederholte Nutzung, nicht den Grund dafür. Fragen Sie nach dem Nutzen ohne Prämie, dem Beitrag anderer Teilnehmer und der Möglichkeit zum Wechsel. Bei Geld betrachtet Monetary Network Effect Akzeptanz und Nutzen im Tausch. Network Effect garantiert allgemein weder ein Monopol noch steigende Bitcoin- oder Aktienkurse. Ein Vorteil muss sich aus tatsächlicher Verwendung erklären lassen. [1]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Monetary Network Effect, Market liquidity, Merchant Adoption, Nostr. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Lindy Effect, Bitcoin Adoption Metrics, Fundamental analysis, The Bullish Case for Bitcoin.