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Bit Gold

Nick Szabos Entwurf digitaler Knappheit vor Bitcoin

Das Foto eines Goldbarrens lässt sich sofort kopieren. Ein weiterer echter Barren entsteht dadurch nicht. Nick Szabo suchte etwas Ähnliches für das Internet: ein digitales Objekt, dessen Herstellung Arbeit kostet und dessen Eigentümer man nicht durch bloßes Kopieren der Daten wird. Sein Bit Gold blieb ein Entwurf, der den Weg zu Bitcoin verständlicher macht.

Bit Gold ist Nick Szabos Vorschlag, rechenaufwendig erzeugte digitale Objekte mit Zeitstempeln und einem gemeinsam geführten Eigentumsregister zu verbinden. Nach seiner späteren Erinnerung entstand die Idee 1998; die bekannte öffentliche Beschreibung stammt von 2005. Es war weder eine gestartete Währung noch durch physisches Gold gedeckter Bitcoin.

Eine gewöhnliche Datei können Sie verschicken und zugleich eine Kopie behalten. Bei einem Foto ist das unproblematisch. Bei Geld würde solches Kopieren bedeuten, denselben Wert immer wieder auszugeben. Nick Szabo suchte deshalb keine Datei, die sich auf magische Weise nicht kopieren lässt. Er wollte die aufwendige Herstellung eines digitalen Objekts mit einem öffentlich überprüfbaren Eigentumsnachweis verbinden. Der Name Bit Gold erinnert wegen der schwierigen Gewinnung an Gold. Er bezeichnet keinen Metallvorrat im Tresor, auf den jemand digitale Ansprüche ausgibt. [1] [2] [7]

Am Anfang sollte eine öffentliche Aufgabe stehen: eine Bitfolge, also Nullen und Einsen, aus der ein Computer ein vorgeschriebenes Ergebnis sucht. Die Suche verlangt viele Berechnungen; eine fertige Lösung können andere leichter prüfen. Dieses Prinzip heißt Proof of Work, Nachweis geleisteter Rechenarbeit. Szabo wollte, dass jedes neue Stück Bit Gold einen überprüfbaren Rechenaufwand verkörpert. Das allein macht noch kein Geld. Offen bleibt, wann das Ergebnis entstand, wem es gehört und wie das Eigentum weitergegeben wird. [1] [2]

Das zuletzt erzeugte Stück sollte die Ausgangsaufgabe für die nächste Berechnung liefern. So entstünde eine zusammenhängende Geschichte statt eines Haufens unabhängiger Aufgaben. Stellen Sie sich einen Ablauf vor, bei dem jeder neue Schritt vom abgeschlossenen vorherigen abhängt. Diese Verknüpfung ist wichtig, aber nicht mit Bitcoins vollständiger Blockkette gleichzusetzen, die aus verknüpften Transaktionspaketen besteht. Verkettete Ergebnisse erklären allein noch nicht, wie das ganze Netzwerk bei widersprüchlichen Einträgen oder unehrlichen Teilnehmern zu einer gemeinsamen Sicht gelangt. [1] [2] [6]

Ein weiterer Baustein war die Zeitstempelung: der Nachweis, dass bestimmte Daten spätestens zu einem bestimmten Zeitpunkt existierten. Mehrere unabhängige Zeitstempeldienste sollten verhindern, dass Nutzer einem einzigen Verwalter von Uhrzeit und Aufzeichnungen vertrauen müssen. Der veröffentlichte Arbeitsnachweis sollte einen solchen Stempel erhalten. Warum ist die Zeit wichtig? Künftige Hardware kann dieselbe Berechnung erheblich verbilligen. Wer Knappheit beurteilt, muss deshalb auch wissen, wann gerechnet wurde. Ein Zeitstempel bestimmt weder den Marktpreis noch bestätigt er jede Behauptung über das Ergebnis. [1] [4]

Aufgabe und zeitgestempeltes Ergebnis sollten in ein Eigentumsregister eingehen. Stellen Sie sich eine öffentliche Liste vor, die jedem Stück einen öffentlichen Schlüssel zuordnet. Mit dieser Information können andere die Signatur einer Anweisung prüfen. Den zugehörigen privaten Schlüssel, mit dem die Signatur erzeugt wird, hält der Eigentümer geheim. Mehrere zusammenarbeitende Server statt eines einzigen sollten die Liste führen. Szabo verwies auf Verfahren gegen byzantinische Fehler, bei denen Computer nicht nur ausfallen, sondern absichtlich falsche Nachrichten senden. Diese Widerstandsfähigkeit gilt unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Datenbank auf mehrere Rechner zu verteilen macht sie nicht automatisch sicher, wenn ein Angreifer einen ausreichend großen Anteil kontrolliert. [1] [8]

Würde Alice ihr Stück an Peter übertragen, wäre der signierte Registereintrag entscheidend. Die Software berechnet eine digitale Signatur aus der Anweisung und dem privaten Schlüssel. Damit können andere prüfen, ob der Inhaber dieses Schlüssels die Übertragung signiert hat. Peter würde die bisherigen Übertragungen und sein daraus folgendes aktuelles Recht überprüfen. Die ursprüngliche aufwendige Berechnung müsste er nicht für jede Zahlung wiederholen. Die öffentlichen Daten könnte weiterhin jeder kopieren. Eine Kopie macht niemanden zum Eigentümer, ebenso wenig wie das Foto einer Urkunde den eingetragenen Namen im Register ändert. Entscheidend ist die Einigung auf eine gültige Übertragung. [1] [8]

Bei einer gewöhnlichen Währung erwarten Sie austauschbare gleiche Einheiten: Eine Krone nehmen Sie genauso an wie eine andere. Bit Gold hatte hier ein Problem. Berechnungen aus verschiedenen Zeiten oder von verschiedenen Maschinen konnten unterschiedlich teuer sein. Jemand könnte deutlich bessere Hardware entwickeln und rasch viele neue Stücke erzeugen. Szabo schlug deshalb Marktpreise und das Zusammenfassen unterschiedlich bewerteter Stücke zu Paketen mit ähnlichem Gesamtwert vor. Diese sollten sich anschließend in übliche Zahlungseinheiten teilen lassen. Das war komplizierter, als Ergebnisse zu zählen oder die Länge ihrer Darstellung zu messen. [3] [9]

Lassen wir die Technik kurz beiseite. Viel Arbeit bedeutet nicht automatisch, dass jemand das Ergebnis kaufen möchte oder sein Preis stabil bleibt. Bit Gold sollte Angebot und Entstehungsgeschichte öffentlich prüfbar machen; Nachfrage entstand dadurch nicht von selbst. In Bit gold markets erklärte Szabo, warum Märkte seiner Ansicht nach einzelne Stücke bewerten und daraus brauchbares Geld machen könnten. Das ist eine Erwartung innerhalb des Entwurfs, kein Ergebnis eines langfristigen Betriebs dieser Währung. Knappheit, Akzeptanz beim Bezahlen und Preisstabilität sind verschiedene Fragen. [3] [9]

Am 20. Juli 2010 schrieb Satoshi Nakamoto in einem Forum, Bitcoin setze Ideen aus Wei Dais b-money und Szabos Bitgold um. Das würdigt nachweislich die Vorgänger, bedeutet aber nicht, dass beide Entwürfe bereits einen fertigen Bitcoin enthielten. Szabo beschrieb 2011 ausdrücklich Schwächen seines Entwurfs und Unterschiede zu Bitcoin. Er nannte den Schutz vor der Übernahme abstimmender Teilnehmer und die Anpassung der Rechenschwierigkeit. Bitcoin zählt nicht einfach Rechnerstimmen; bei der Wahl zwischen gültigen Ketten verwendet es angesammelte Arbeit. Ähnliche Bausteine können somit zu unterschiedlichen Systemen führen. [5] [6] [7]

Lesen Sie Bit Gold als durchdachten Vorschlag aus der Zeit vor Bitcoin. Es war weder eine frühere laufende Bitcoin-Version noch ein heutiger gleichnamiger Token. Es hatte weder Bitcoins Grenze von 21 Millionen noch dessen vollständiges Verfahren zur Erzeugung und Prüfung von Blöcken. Trotzdem blieben nicht alle verwandten Ideen auf dem Papier: Hal Finney implementierte sein anders aufgebautes RPOW (Reusable Proofs of Work) zur Übertragung von Rechenarbeitsnachweisen. Einsteigern hilft Bit Gold vor allem, drei Fragen zu unterscheiden: Wie entsteht ein digitales Objekt, wie weist man Eigentum nach und wie einigen sich mehrere Menschen auf einen Eigentümerwechsel? Bitcoin musste diese Teile zu einem funktionierenden Netzwerk verbinden. [1] [6] [7]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Nick Szabo, Proof of Work, b-money, Hashcash, Reusable Proofs of Work, Bitcoin. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem b-money, Reusable Proofs of Work, Nick Szabo.

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