b-money ist ein Vorschlag für digitales Geld, den Wei Dai 1998 vorstellte. Er beschreibt zwei Verfahren zur gemeinsamen Führung von Guthaben und zur Abwicklung von Verträgen zwischen Menschen mit digitalen Pseudonymen. Es war weder eine gestartete Währung noch eine frühere Bitcoin-Software. Das Bitcoin-Whitepaper führte b-money später als erste Quelle auf.
Stellen Sie sich vor, Anna bestellt bei Peter online eine Grafik. Beide kennen nur ihre Internetnamen. Sie wollen bezahlen und vereinbaren, was bei einem gebrochenen Versprechen geschieht, ohne zuerst einer Bank oder anderen Autorität ihre Identität offenzulegen. Solche Fragen beschäftigten die Cypherpunks, die Privatsphäre durch Kryptografie erforschten. Wei Dai antwortete 1998 mit b-money. Ein digitales Pseudonym war dabei mehr als ein frei gewählter Nutzername: Es bestand aus einem öffentlichen Schlüssel: einer Information, die nicht geheim sein muss und mit der andere die Signatur einer Nachricht prüfen können. Die Geheimhaltung der wirklichen Identität hing zusätzlich vom angenommenen anonymen Kommunikationsnetz ab. [1] [2]
In unserem Beispiel hat Anna 10 Einheiten und möchte Peter 3 senden. Sie würde eine Überweisungsnachricht veröffentlichen und digital signieren. Das ist kein Bild einer Unterschrift: Die Software berechnet die Signatur aus der Nachricht und einem privaten Schlüssel, einer Information, die Anna geheim hält. Mit dem öffentlichen Schlüssel können andere prüfen, ob die Anweisung vom Inhaber des zugehörigen privaten Schlüssels signiert wurde. Die Kontoführenden würden Signatur und Deckung prüfen, Anna 3 abziehen und Peter gutschreiben; Anna blieben 7. Es wandert keine Münzdatei, sondern Guthabenaufzeichnungen ändern sich. Sofort stellt sich die entscheidende Frage: Wie bleiben alle Kopien gleich, wenn Anna widersprüchliche Anweisungen versendet? Eine Signatur allein sorgt nicht für diese Übereinstimmung. [1] [5]
Das erste Protokoll, also der vorgeschlagene Regelsatz, lässt jeden Teilnehmer eine Guthabendatenbank führen. Damit alle dieselben Änderungen vornehmen können, setzt es einen anonymen, synchronen und nicht blockierbaren Rundsendekanal voraus. Nachrichten müssen alle im erforderlichen zeitlichen Gleichlauf erreichen, ihre Verbreitung darf sich nicht verhindern lassen, und sie dürfen den Absender nicht enttarnen. Das ist eine weit stärkere Annahme als eine gewöhnliche Internetverbindung mit Verzögerungen und Verlusten. Dai selbst bezeichnete diese erste Variante daher als unpraktikabel. Sie war der Ausgangspunkt für die zweite Variante, kein betriebsbereites Netzwerk. [1] [2]
Guthaben müssen einen Ursprung haben. Dai schlug vor, dass jeder die Lösung einer neuen rechenaufwendigen Aufgabe veröffentlichen und dafür Geldeinheiten erhalten kann. Andere müssten den Aufwand leicht einschätzen können; die Lösung sollte keinen zusätzlichen praktischen oder wissenschaftlichen Wert besitzen. Die Geldmenge sollte sich aus den Rechenkosten ergeben, ausgedrückt in einem standardisierten Rohstoffkorb: einer vereinbarten Zusammenstellung von Gütern zum Kostenvergleich. Das ähnelt Proof of Work, dem Nachweis geleisteter Rechenarbeit, ist aber noch kein Bitcoin-Blockmining. Ein Block ist ein Paket von Transaktionen, das der gemeinsamen Zahlungshistorie hinzugefügt wird. Zudem braucht es eine gemeinsame Kostenschätzung, obwohl Menschen unterschiedlich leistungsfähige und teure Computer besitzen. [1] [2] [5]
Im zweiten Protokoll muss nicht mehr jeder das gesamte Kontobuch führen. Eine Teilmenge der Teilnehmer, Server genannt, würde diese Aufgabe übernehmen. Anna und Peter würden bei einer zufällig ausgewählten Teilmenge der Server prüfen, ob ihre Zahlung verarbeitet wurde. Weil damit ein gewisses Vertrauen in die Betreiber verbunden ist, sollte jeder Server eine Geldsicherheit hinterlegen, aus der nachgewiesenes Fehlverhalten bestraft werden könnte. Außerdem sollten die Server regelmäßig Guthaben und Geldschöpfung veröffentlichen. Nutzer würden ihr eigenes Guthaben prüfen und kontrollieren, ob die Summe aller Guthaben das geschaffene Geld übersteigt. Das sind konkrete Kontrollen von Kontoführenden, nicht dieselbe Anordnung wie heutige Bitcoin-Nodes und Miner. [1]
Geld war nur ein Teil von b-money. Bei Annas und Peters Auftrag würde ein Vertrag Bedingungen und maximale Entschädigungen für Verstöße festlegen. Die Parteien und gegebenenfalls ein Schiedsrichter, der einen Streit beurteilt, würden unterschreiben und bestimmte Beträge auf ein Sonderkonto einzahlen. Nach einem vereinbarten Abschluss würde das Geld entsprechend verteilt. Der Vorschlag ging weiter: Scheiterte selbst die Schlichtung, sollten die Parteien ihre Argumente veröffentlichen und jeder Kontoführende Entschädigungen oder Strafen selbst beurteilen. Hier wird eine Grenze sichtbar. Eine Signatur bestätigt Zustimmung, entscheidet aber nicht, ob die Grafik wirklich geliefert wurde, und garantiert auch kein einheitliches Urteil aller Kontoführenden. [1] [2]
Dai erkannte, wie schwierig eine gemeinsame Bewertung tatsächlicher Rechenkosten ist. Technik verändert sich, und manche Teilnehmer können unbekannte Vorteile besitzen. Anhang A schlug deshalb eine Alternative für beide Protokolle vor. Die Kontoführenden würden zunächst die Menge neuer Einheiten planen. Interessenten würden dann anbieten, welche Rechenaufgabe sie für die gewünschte Geldmenge lösen, die Berechnung durchführen und die Lösung veröffentlichen. Danach würde Geld gemäß den akzeptierten Angeboten geschaffen. Diese vier Phasen — Planung, Gebote, Berechnung und Geldschöpfung — sollten eine bloße Kostenschätzung ersetzen. Das ist weder Bitcoins festgelegte Grenze von 21 Millionen noch sein Halving, die regelmäßige Halbierung der pro Block neu geschaffenen Bitcoins. [1] [3]
Adam Back diskutierte den Entwurf im Dezember 1998. Er verwies unter anderem auf unterschiedliche Rechenkosten und darauf, dass sich Zahlungen unter beständigen Pseudonymen verknüpfen lassen. Ein verborgener bürgerlicher Name macht Zahlungen also nicht automatisch unverknüpfbar. Der Originaltext enthält Serverkontrollen; zu behaupten, er ignoriere Unehrlichkeit vollständig, wäre falsch. Er lieferte jedoch kein vollständiges, praktisch erprobtes Verfahren, das alle Datenbanken bei unterschiedlichen Ausfällen und Streitfällen in Übereinstimmung hält. Solche Situationen gehören zum Unterschied zwischen Entwurf und funktionierendem System. Deshalb lohnt es sich, die erhaltene Diskussion zusammen mit dem Vorschlag zu lesen. [1] [3] [7]
Am 22. August 2008 schrieb Satoshi Nakamoto an Wei Dai: Adam Back habe ihn auf b-money hingewiesen, und er benötige das Erscheinungsjahr für eine Quellenangabe. Dai antwortete, er habe den Vorschlag 1998 veröffentlicht. Das Bitcoin-Whitepaper setzte b-money anschließend an die erste Stelle seiner Quellen. In einer weiteren E-Mail vom 10. Januar 2009 informierte Satoshi über die Veröffentlichung von Bitcoin v0.1 und äußerte die Ansicht, es erfülle fast alle Ziele von b-money. Das belegt Kontakt und Anerkennung einer früheren Idee. Es belegt weder, dass Wei Dai Bitcoin geschrieben hat, noch dass beide Entwürfe gleich funktionieren oder wie viele technische Lösungen unmittelbar übernommen wurden. [4] [5] [6]
b-money ist eine wichtige Station der Ideengeschichte, keine Währung, die Sie nach diesem Vorschlag heute in eine Wallet legen können. Es wurde nicht als das hier beschriebene betriebsfähige Zahlungssystem umgesetzt. Es hatte weder Bitcoins Blockkette noch dessen Regel, die gültige Kette mit der größten angesammelten Arbeit auszuwählen. Es stellte aber eine verständliche Frage: Wie lassen sich digitale Signaturen, Geldschöpfung und gemeinsame Buchführung verbinden, ohne alles einer Bank zu überlassen? Bitcoin verband später eigene Antworten zu einem funktionierenden Netzwerk. b-money trennt die Idee digitalen Geldes von der schwierigeren Aufgabe, zwischen Menschen ohne gegenseitiges Vertrauen einen gemeinsamen, überprüfbaren Zustand zu erhalten. [1] [4] [5]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Wei Dai, Cypherpunks, Reusable Proofs of Work, Proof of Work, Hashcash, Bit Gold. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Cypherpunks, Bit Gold, Wei Dai, The Genesis Book.