Sam Bankman-Fried, bekannt als SBF, baute die Kryptobörse FTX und die Handelsfirma Alameda Research auf. Er versprach Kunden sichere Verwahrung, verwendete ihre Gelder nach den gerichtlich bestätigten Feststellungen aber auch für andere Zwecke. Auf den Zusammenbruch von FTX folgten ein Strafverfahren und Bemühungen, Vermögen für die Gläubiger zurückzugewinnen. Diese Wege hängen zusammen, beantworten jedoch unterschiedliche Fragen: Wer hat das Gesetz gebrochen, und wie viel Geld kommt tatsächlich zurück?
FTX war ein Marktplatz, auf dem Kunden Kryptowährungen kauften und verkauften. Alameda Research handelte auf eigene Rechnung und stellte auf FTX zugleich Kauf- und Verkaufsangebote, damit andere leichter eine Gegenpartei fanden. Bankman-Fried stand auf beiden Seiten dieser Beziehung. Laut Berufungsgericht leitete er FTX von der Gründung 2019 bis November 2022 und Alameda von 2017 bis 2021. In beiden Firmen hatte er erhebliche Eigentumsanteile und Kontrolle. Sein Rückzug aus Alamedas Tagesgeschäft trennte daher nicht automatisch seine Interessen von denen des Unternehmens. [1]
Wer einer Börse Geld anvertraut, sieht in der App einen Kontostand und erwartet, das Guthaben abheben zu können. Kontozugang ist aber nicht dasselbe wie der Besitz eigener privater Schlüssel, mit denen Bitcoin-Übertragungen signiert werden. Bei FTX hatte Alameda eine große Kreditlinie und konnte auch bei negativem Saldo Mittel abrufen. Der Betrug lag nicht im negativen Saldo an sich, sondern in der Verwendung von Kundengeldern außerhalb der zugesagten Grenzen und deren Verschleierung. So wurden etwa Schulden Alamedas bezahlt. Kunden konnten weiterhin eine Zahl sehen, während das Geld bereits einem anderen Zweck diente. Selbstverwahrung verringert diese Abhängigkeit vom Unternehmen, überträgt die Verantwortung für Schlüssel und Sicherungskopien aber auf deren Inhaber. [2] [1] [5]
Eine Jury sprach Bankman-Fried in sieben Anklagepunkten wegen Betrugs und damit verbundener Verschwörungen schuldig. Am 28. März 2024 verhängte Richter Lewis A. Kaplan 25 Jahre Haft und drei Jahre Aufsicht nach der Entlassung. Es ging um Gelder von Kunden, Investoren und Kreditgebern. Nach Angaben des Justizministeriums versprach er, Kundeneinlagen getrennt zu halten, leitete sie aber an Alameda weiter und verschleierte die Wirklichkeit mit irreführenden Angaben. Es war somit mehr als ein gescheitertes Geschäft während eines Kursrückgangs. Das Gericht beurteilte konkrete Betrugshandlungen, nicht Menschen allein wegen der Nutzung von Kryptowährungen. [2]
Das US-Bundesberufungsgericht für den Zweiten Gerichtsbezirk bestätigte das Urteil am 12. Juni 2026. Bankman-Fried argumentierte unter anderem, Investitionen könnten mit der Zeit an Wert gewinnen und Kunden entschädigt werden. Das Gericht ließ diese Möglichkeit nicht als Verteidigung gelten, die den Betrug beseitigt. Der Gedanke ist auch ohne juristische Fachsprache verständlich: Eine spätere Rückzahlung erlaubt nicht rückwirkend, Geld durch Täuschung zu erlangen und anders als versprochen einzusetzen. Über diese Berufung liegt also eine konkrete Entscheidung vor. Das Dokument allein belegt jedoch nicht, dass sämtliche weiteren Rechtsbehelfe ausgeschöpft sind. [1]
Zusätzlich zur Haft ordnete das Gericht eine Einziehung von über 11 Milliarden USD an. Damit soll im Strafverfahren erlangter Vermögensvorteil abgeschöpft werden. Das Justizministerium nennt außerdem die Erlaubnis, zurückgewonnene Mittel zur Entschädigung von Opfern zu verwenden. Ein angeordneter Betrag ist aber nicht dasselbe wie bereits gefundenes und zurückgewonnenes Vermögen. Und zurückgewonnenes Vermögen ist noch kein Kontoauszug, der den Zahlungseingang eines Kunden bestätigt. Parallel läuft die Insolvenzabwicklung mit Forderungen gegen die gescheiterten Unternehmen. Beide Wege können zur Entschädigung beitragen, ihre Beträge und Verfahrensschritte dürfen aber nicht vermischt werden. [2]
Nach der Insolvenz geht es nicht mehr nur um eine gewöhnliche Auszahlung von der Börse, sondern um eine Forderung: den geltend gemachten Anspruch auf Rückgewähr eines bestimmten Werts. FTX beschreibt für digitale Vermögenswerte eine Berechnung anhand einer gerichtlich genehmigten Umrechnungstabelle. Die Menge jedes Vermögenswerts wird mit seinem Tabellenpreis multipliziert; anschließend werden die Werte addiert. Daraus ergibt sich eine Bewertungsgrundlage für die Forderung, kein laufend aktualisierter BTC-Marktpreis. Auch eine Schätzung im Portal bestätigt für sich noch keine zugesprochene oder erhaltene Auszahlung. Bei jeder Rückzahlungsquote muss deshalb klar sein, auf welchen Wert sie sich bezieht. [3]
Ein rein rechnerisches Beispiel: Die anerkannte Forderung beträgt 100 USD, die Person erhält 110 USD. Ausgezahlt wurden also 110 % der Forderung. Die Rechnung stimmt, misst aber Dollar gegenüber einem Dollar-Ausgangswert. Sie sagt nicht, wie viel BTC sich damit kaufen lässt, denn das hängt vom Preis beim Kauf ab. Ist Bitcoin inzwischen teurer geworden, reicht ein höherer Prozentsatz der Dollar-Forderung möglicherweise nicht für die ursprüngliche Coin-Menge. Dies ist weder eine tatsächliche FTX-Auszahlungsquote noch ein Renditeversprechen. Das Beispiel zeigt nur, warum zurückerhaltenes Geld, Bitcoin-Menge und Bewertungszeitpunkt auseinanderzuhalten sind. [3]
Die im September 2026 aktualisierte FTX-Übersicht unterscheidet anerkannte und bestrittene Forderungen. Eine bestrittene Forderung kann etwa noch geprüft werden; der Status ist nicht automatisch eine endgültige Ablehnung. Auch die Anerkennung allein schließt die Auszahlung nicht ab. Identitätsprüfung, Steuerangaben, Rechtsraum und Aufnahme durch den Auszahlungsdienstleister spielen ebenfalls eine Rolle. Bedingungen und Fristen gehören zum jeweiligen Verfahren und zur jeweiligen Forderung. Bankman-Frieds Verurteilung ersetzt diese Schritte nicht. Eine Meldung über eine hohe Gesamtausschüttung kann daher stimmen, ohne zu sagen, ob ein bestimmter Kunde schon Geld erhalten hat. [4]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Counterparty risk, Proof of reserves, Liabilities. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem FTX Collapse.