Ein Bollinger squeeze bezeichnet relativ schmale Bollinger Bands, also die Grenzen um einen gleitenden Preisdurchschnitt. Die Verengung hängt mit einer geringeren Streuung der verwendeten Preise zusammen. Squeeze bedeutet hier ein Zusammenrücken der Bänder, nicht das erzwungene Schließen von Handelspositionen. Maßstab ist vergleichbare Vergangenheit desselben Marktes.
Jana verfolgt einen Bitcoin-Chart. Die zuvor weit auseinanderliegenden Bänder rücken zusammen. Fidelity verbindet diesen Zustand mit geringerer Volatilität, also weniger Preisschwankungen. Die Bänder umgeben einen gleitenden Durchschnitt; ihr Abstand hängt von der Preisstreuung im gewählten Fenster ab. Jana sieht somit eine Veränderung der bisherigen Daten. Das Bild einer zusammengedrückten Feder liegt nahe, doch der Markt muss nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt losschnellen. Die ruhigere Phase kann anhalten. [1]
Jana möchte sich nicht nur auf das Aussehen eines Charts verlassen, den sie vergrößern oder verkleinern kann. TradingView verwendet BandWidth: untere Grenze von oberer abziehen, die Differenz durch den mittleren Wert teilen und mit 100 multiplizieren. Das ergibt eine Breite in Prozent des mittleren Werts, keinen Preis in USD/BTC. Gemeint ist die zentrale Durchschnittslinie, nicht der Median, also der mittlere Preis in einer sortierten Preisreihe. Bei einem Mittelwert von null wäre die Division nicht möglich; das folgende Beispiel verwendet deshalb eine positive Mitte. [2]
Jana findet einen kleinen BandWidth-Wert und möchte ihn überall verwenden. TradingView weist jedoch darauf hin, dass die Bedeutung der Breite vom Markt und vom Zeitrahmen abhängt. Was im Tageschart ungewöhnlich ist, kann im Stundenchart normal sein. Deshalb sollten Markt, Intervall, Berechnungslänge, Abweichungsfaktor und Preisquelle vergleichbar bleiben. Die Vergleichshistorie und den Schwellenwert für einen Squeeze legt man vor der Auswertung fest, nicht erst nach einem besonders schönen Ergebnis. [2]
John Bollinger unterscheidet BandWidth für die Breite von %b für die Lage des Preises gegenüber den Grenzen. Jana stellt deshalb zwei Fragen: Wird der Korridor enger, und wo befindet sich der Kurs darin? Aus der ersten Antwort folgt keine künftige Richtung. Eine spätere Ausweitung kann sowohl einen Anstieg als auch einen Rückgang begleiten. Ein Ausbruch, also eine Bewegung über eine gewählte Grenze hinaus, ist ein weiteres Ereignis. Die dafür geltende Regel muss separat festgelegt werden. [3]
Nach der Verengung steigt der Kurs über das obere Band, und Jana erwartet weitere Gewinne. Er kann jedoch in den Korridor zurückkehren und die Gegenrichtung einschlagen. Fidelity warnt gerade vor einer solchen ersten Scheinbewegung. Welche Entwicklung sich durchgesetzt hat, wird oft erst rückblickend klar. Bewertet Jana nur gelungene Ausbrüche, lässt sie Erfahrungen aus, die sie in Echtzeit ebenfalls hätte machen müssen. Ein erfolgreicher Chartverlauf beweist deshalb noch keinen vorhersehbaren Vorteil. [1]
Jana sieht einen Ausbruch während einer offenen Kerze, also eines noch laufenden Chartintervalls. TradingView erklärt, dass deren Close der jeweils letzte Preis ist, nicht der bereits bekannte endgültige Schlusskurs. Mit dem Preis können sich die Bänder verändern. Eine Regel, die sofort auf eine Berührung reagiert, ist daher eine andere als eine Regel, die einen Schluss außerhalb abwartet. Im historischen Test darf eine frühere Entscheidung nicht auf einem Endwert beruhen, der damals noch unbekannt war. [4]
Bollinger squeeze sagt Jana noch nicht, wie viel sie kaufen, wann sie aussteigen oder wann sie die erwartete Bewegung als ausgeblieben betrachten soll. TradingView trennt Handelsregeln von der Simulation ihrer Ausführung. Erst mit festgelegtem Einstieg, Ausstieg und Ungültigkeitskriterium lässt sich ein Ergebnis samt Gebühren und Slippage bewerten, also der Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Preis. Eine weitere Falle ist overfitting: Auf vergangene Gewinner zugeschnittene Einstellungen können anderswo scheitern. Ein Test mit ungenutzten Daten hilft; erneutes Anpassen an diese Ergebnisse ist keine ebenso unabhängige Prüfung. [5]
John Bollinger sagt ausdrücklich, dass eine Bandberührung allein kein Kauf- oder Verkaufsauftrag ist. Jana kann den Squeeze als Hinweis auf einen Zustand nutzen, den sie weiter beobachten möchte. Sie trennt Verengung, späteren Ausbruch und das tatsächliche Ergebnis eines möglichen Handels. Auch zunehmende Breite garantiert weder die richtige Richtung noch einen verkraftbaren Verlust. Das Werkzeug hilft, die Situation genauer zu beschreiben. Die Entscheidung und die Verantwortung dafür übernimmt es nicht. [3]
Ein engerer Korridor ist keine Prognose
Im ersten erfundenen Schnappschuss liegt die Mitte bei 100000 USD/BTC, die obere Grenze bei 102000 und die untere bei 98000 USD/BTC. BandWidth = (102000 − 98000) / 100000 × 100 = 4 %. Im zweiten bleibt die Mitte gleich, die vorgegebenen Grenzen liegen bei 100500 und 99500 USD/BTC: (100500 − 99500) / 100000 × 100 = 1 %. Die relative Breite ist auf ein Viertel gesunken. Wir vergleichen vorgegebene Momentaufnahmen, keine vollständige Preisreihe. Allein zeigen sie weder, ob der Zustand gegenüber längerer Geschichte ungewöhnlich ist, noch wann er endet oder wohin sich der Kurs bewegt.
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bollinger Bands, Volatilität, Breakout, False Breakout, Backtesting, Technical indicator. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Bollinger Bands.
01Bedeutet ein Squeeze, dass Bitcoin bald steigt?+
Nein. Er beschreibt einen relativ ruhigeren Verlauf der verwendeten Preise. Später können die Bänder bei steigenden oder fallenden Kursen breiter werden, aber auch noch eine Weile schmal bleiben. Die Verengung allein bestimmt weder Richtung noch Zeitpunkt.
02Kann ich für alle Charts denselben Prozentschwellenwert nutzen?+
Nicht ungeprüft. Markt, Zeitintervall und Berechnungseinstellungen sind entscheidend. Legen Sie Vergleichszeitraum und Schwelle vor dem Test fest. Wer sie rückblickend nur anhand erfolgreicher Ausbrüche auswählt, bewertet ausgewählte Gewinner statt einer Regel für eine unbekannte Zukunft.