Common-Input Ownership Heuristic ist die analytische Annahme, dass meist dieselbe Entität die Eingänge einer Bitcoin-Transaktion kontrolliert. Sie nutzt gewöhnliches Wallet-Verhalten; sie ist weder Konsensregel noch Beweis einer persönlichen Identität.
Jeder Eingang verweist auf ein früheres UTXO. Der Analyst ermittelt dessen Ausgabeskript und verbindet anhand der gemeinsamen Ausgabe die entsprechenden Adressen oder Skripte. Eine Transaktion mit nur einem Eingang erzeugt nach dieser Regel kein neues Paar. Die Regel allein bestimmt weder Change noch den Eigentümer des Empfängerausgangs. [Meiklejohn et al. — A Fistful of Bitcoins] [Bitcoin Developer Guide — Transactions]
Eine Wallet kann für eine Zahlung mehrere eigene UTXOs auswählen. Ihre gemeinsame Ausgabe legt eine Beziehung offen, die getrennte eingehende Zahlungen nicht zeigten. Das ist eine Beobachtung zur Münzauswahl, keine Protokollpflicht; die Eingangszahl allein liefert keine Wahrscheinlichkeit für eine korrekte Zuordnung. [Meiklejohn et al. — A Fistful of Bitcoins]
Teilnehmer können ihre Eingänge getrennt signieren und eine gültige Transaktion zusammensetzen. PSBT nach BIP 174 ermöglicht den Austausch von Transaktionsdaten und Signaturen; ein Koordinator braucht nicht sämtliche privaten Schlüssel. Gültigkeit belegt erfüllte Ausgabebedingungen, nicht einen einzigen menschlichen Unterzeichner. Multisig innerhalb eines Eingangs ist eine andere Frage als gemeinsame Kontrolle mehrerer Eingänge. [BIP 78 — A Simple Payjoin Proposal] [BIP 174 — Partially Signed Bitcoin Transaction Format]
CoinJoin kann Eingänge mehrerer Teilnehmer vereinen. Bei Payjoin nach BIP 78 ergänzt der Empfänger eigene Eingänge zur Zahlung des Senders; blindes Anwenden würde beide Parteien zusammenführen. Gleiche Ausgangsbeträge sind für diese Zusammenarbeit nicht nötig. Nur auffällige CoinJoin auszuschließen beweist daher keine alleinige Eigentümerschaft der übrigen Transaktionen. [BIP 78 — A Simple Payjoin Proposal]
Das Beispiel verwendet Adressen A, B, C, nicht das wiederholte Ausgeben desselben UTXO: Eine Transaktion verbindet A+B, eine weitere verbraucht andere Ausgänge aus B+C. Transitives Zusammenführen ergibt A+B+C. Stammt die zweite Kante aus einer gemeinschaftlichen Zahlung, betrifft der Fehler auch das frühere Cluster; wenige falsche Kanten bedeuten nicht zwingend wenige falsch zugeordnete Adressen. [Meiklejohn et al. — A Fistful of Bitcoins] [Möser and Narayanan — Resurrecting Address Clustering in Bitcoin]
Eine Börse kann UTXOs vieler Kunden gemeinsam ausgeben. Die Heuristik kann operative Kontrolle erfassen, ohne wirtschaftliche Eigentümer zu identifizieren. Ein Dienstlabel braucht eine unabhängige Herkunft und zeitliche Gültigkeit; umgekehrt kann eine Person mehrere nie verbundene Wallets nutzen. Clusterzahlen sind keine Personenzahlen. [Meiklejohn et al. — A Fistful of Bitcoins]
Eine Zusammenführung nur durch spätere gemeinsame Ausgabe zu bestätigen kann gerade die geprüfte Heuristik erneut verwenden. Möser und Narayanan zeigen Nutzen und Grenzen solcher Referenzdaten. Bewertungen müssen Stichprobenherkunft, ausgeschlossene Transaktionen und Zeitraum nennen sowie falsche Zusammenführungen, übersehene Verbindungen und Abdeckung trennen. Ein unkalibrierter Wert ist keine Identitätswahrscheinlichkeit. [Möser and Narayanan — Resurrecting Address Clustering in Bitcoin]
Für jede Kante sind Transaktion, Regelversion und Annahme- oder Ausschlussgrund aufzubewahren. Neue Gegenbelege müssen eine Neuberechnung des Clusters erlauben, nicht bloß eine Notiz am unveränderten Ergebnis. Coin Control kann zukünftige gemeinsame Ausgaben getrennter Münzen begrenzen, aber keine Geschichte löschen; Payjoin widerlegt diese Heuristik, nicht alle Zuordnungsquellen. [BIP 78 — A Simple Payjoin Proposal] [Möser and Narayanan — Resurrecting Address Clustering in Bitcoin]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Address Clustering, CoinJoin, PayJoin, Chain Surveillance, PSBT, Coin Control. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem PayJoin, Chain Surveillance, Address Clustering.