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Common-Input Ownership Heuristic

Warum gemeinsames Ausgeben auf gemeinsame Kontrolle hindeutet

Fasst eine Wallet mehrere Zahlungseingänge zu einer Zahlung zusammen, wird eine neue Verbindung sichtbar. Ein Analyst kann gemeinsame Kontrolle vermuten — eine gemeinsame Transaktion bedeutet aber nicht zwangsläufig einen einzigen Eigentümer.

Die Common-Input Ownership Heuristic nimmt an, dass mehrere Eingänge einer Bitcoin-Transaktion — also Verweise auf frühere Beträge, die ausgegeben werden — meist von derselben Einheit kontrolliert werden. Sie nutzt das Verhalten von Wallets, um zusammengehörige Adressen zu finden. Das ist ein Analysehinweis, keine Bitcoin-Regel und kein Eigentumsnachweis.

Peter erhält zwei Zahlungen auf verschiedene Adressen. Als er später eine Fahrradreparatur bezahlt, gibt seine Wallet beide Eingänge gemeinsam aus. Eine Wallet ist eine Anwendung oder ein Gerät zum Empfangen und Senden von Bitcoin. Außenstehende sehen nun eine vorher nicht erkennbare Verbindung: Jemand konnte diese Mittel in einer Transaktion ausgeben. Bei einer gewöhnlichen persönlichen Wallet liegt gemeinsame Kontrolle nahe. Auf diesem Verhalten beruht die Heuristik, eine praktische Schätzregel. Bitcoin verlangt jedoch nicht, dass sämtliche Eingänge denselben Eigentümer haben. Auch eine größere Zahl von Eingängen sagt für sich genommen nichts über die Wahrscheinlichkeit eines richtigen Schlusses aus. [1] [6]

Empfangene Mittel liegen als UTXO vor, noch nicht ausgegebene Ausgänge früherer Transaktionen. Jeder solche Ausgang hält einen Betrag und die Bedingungen fest, unter denen er ausgegeben werden darf. Jeder Eingang einer neuen Transaktion verweist auf einen bestimmten früheren Ausgang. Der Analyst ermittelt dessen Ausgabebedingungen aus dem Skript, einem kurzen Programm mit den Regeln zum Ausgeben, und verknüpft die zugehörige Adresse oder das Skript mit denen anderer Eingänge. Darauf beschränkt sich die Methode. Eine Transaktion mit nur einem Eingang liefert kein neues Paar. Auch erkennt die Regel nicht, welcher neue Ausgang die Zahlung und welcher change, also das zurückgehende Restgeld, ist. Dafür braucht sie ein anderes Indiz. Der Ausgang für die Werkstatt darf deshalb nicht automatisch Peter zugeordnet werden, nur weil er in seiner Zahlung vorkommt. [1] [4]

Peter und eine andere Person können eine gemeinsame Transaktion vorbereiten und jeweils ihre eigenen Eingänge signieren. Ihre privaten Schlüssel, die geheimen Zahlen zum Erstellen von Signaturen, die das Ausgeben von Bitcoin erlauben, bleiben getrennt. PSBT ist ein in BIP 174 beschriebenes Format zum Austausch einer unfertigen Transaktion und ihrer Begleitdaten zwischen Programmen oder Geräten. Ein Koordinator, der diese Angaben zusammenführt, braucht nicht alle Schlüssel. Das Netzwerk prüft erfüllte Ausgabebedingungen, nicht ob sämtliche Signaturen von einem Menschen stammen. Multisig betrifft außerdem eine andere Frage: Es kann mehrere Signaturen für einen Eingang verlangen, während diese Heuristik die Beziehung zwischen mehreren Eingängen schätzt. [2] [5] [6]

CoinJoin ermöglicht mehreren Beteiligten, eigene Mittel in eine gemeinsame Transaktion einzubringen. Payjoin zeigt das Problem unmittelbar bei einer Zahlung: Nach BIP 78 kann auch der Empfänger eigene Eingänge ergänzen. Nähme die Werkstatt so eine Zahlung an, könnte die blind angewandte Heuristik ihre Mittel mit Peters Mitteln zusammenfassen. Die Zusammenarbeit erfordert keine identischen Ausgangsbeträge. Es genügt deshalb nicht, offensichtlich wirkende CoinJoin-Transaktionen auszuschließen und jede übrige Transaktion jeweils einem einzigen Eigentümer zuzuordnen. Das heißt nicht, dass jede Transaktion gemeinschaftlich ist. Ihr Aussehen allein schließt diese Möglichkeit aber nicht immer aus. [2]

Nehmen wir die Adressen A, B und C. Eine Transaktion gibt Ausgänge von A+B gemeinsam aus. Eine zweite kombiniert andere Ausgänge von B+C. Dasselbe UTXO wird dabei nicht doppelt ausgegeben. Über das gemeinsame B kann ein Werkzeug A+B+C zu einer Gruppe, einem Cluster, zusammenfassen. Haben an der zweiten Transaktion aber verschiedene Menschen mitgewirkt, betrifft die Fehlzuordnung auch die bereits zugeordnete Adresse A. Fehler können sich so über ganze Gruppen ausbreiten. Wenige falsche Verbindungen garantieren deshalb keineswegs wenige falsch zugeordnete Adressen. [1] [3]

Eine Börse kann in einer Transaktion Mittel ausgeben, die sie für viele Kunden verwaltet. Die Heuristik erkennt dann möglicherweise zutreffend die gemeinsame operative Kontrolle des Dienstes. Sie bestimmt aber nicht, welchen Kunden die Gelder wirtschaftlich gehören. Selbst der Dienstname steht nicht in den Eingängen: Eine Kennzeichnung braucht weitere Belege und muss zum betreffenden Zeitraum passen. Umgekehrt kann Peter mehrere Wallets nutzen, deren Mittel er nie zusammen ausgibt. Die Zahl gefundener Gruppen entspricht daher nicht einfach der Zahl der Menschen. Kontrolle, Eigentum und Identität sind verwandt, aber verschieden. [1]

Ein Analyst möchte prüfen, ob seine Adressverknüpfung stimmt. Wertet er nur ein späteres gemeinsames Ausgeben als Bestätigung, wiederholt er möglicherweise dieselbe Annahme. Unabhängige Belege entstehen dadurch nicht automatisch. Malte Möser und Arvind Narayanan beschreiben die Nutzung solcher Referenzdaten und deren Grenzen. Eine Auswertung sollte daher Herkunft der Stichprobe, ausgeschlossene Transaktionen und untersuchten Zeitraum benennen. Fehlerhafte Zusammenführungen, übersehene Verbindungen und Abdeckung sind getrennt zu bewerten. Ohne Kalibrierung anhand bekannter Fälle darf ein Wert nicht als Wahrscheinlichkeit einer richtigen Personenidentifizierung gelesen werden. [3]

Mit Coin Control, der manuellen Auswahl auszugebender UTXO, kann Peter künftige Verknüpfungen bisher getrennter Eingänge begrenzen. Das löscht keine früheren Transaktionen und setzt voraus, dass er die ausgewählten Mittel versteht. Auch Payjoin beseitigt nicht alle anderen Zuordnungsmöglichkeiten. Bei einer Analyse sollte jede Verbindung auf eine Transaktion, eine Regelversion und einen Grund für Aufnahme oder Ausschluss zurückführbar sein. Diese Prüffragen ergeben sich aus den Grenzen der Quellen. Wird ein Fehler gefunden, muss sich neu bestimmen lassen, welche Adressen zu der Gruppe gehören. Eine bloße Anmerkung zum unveränderten Schluss repariert falsche Zuordnungen nicht. [2] [3]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Address Clustering, CoinJoin, Payjoin, Chain Surveillance, PSBT, Coin Control. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Payjoin, Coin Selection, Chain Surveillance, Address Clustering.

DOC · 001Meiklejohn et al. — A Fistful of BitcoinsPrimärquelle DOC · 002BIP 78 — A Simple Payjoin ProposalSpezifikation DOC · 003Möser and Narayanan — Resurrecting Address Clustering in BitcoinPrimärquelle DOC · 004Bitcoin Developer Guide — TransactionsDokumentation DOC · 005BIP 174 — Partially Signed Bitcoin Transaction FormatSpezifikation DOC · 006Bitcoin Developer Guide — WalletsDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung