Underclocking betreibt einen Chip mit einer niedrigeren Taktfrequenz als bei einer gewählten Referenzeinstellung, etwa dem Standardprofil des Herstellers. Das kann Leistungsaufnahme und Wärme reduzieren. Eine niedrigere Spannung, bessere Energieeffizienz oder ein vollständiger Mining-Stopp folgen daraus allein nicht.
Ein ASIC ist ein auf Mining-Berechnungen spezialisierter Chip. Seine Taktfrequenz, beispielsweise in MHz angegeben, bestimmt das Arbeitstempo. MHz bedeutet Megahertz, also Millionen Taktzyklen pro Sekunde. Diese Zyklen sind nicht mit abgeschlossenen Hashversuchen gleichzusetzen. Paul muss zunächst wissen, gegenüber welchem Profil er den Takt senkt: Ohne Ausgangspunkt sagt niedriger wenig aus. Braiins erläutert, dass langsamerer Betrieb auch eine geringere Spannung ermöglichen kann. Eine Frequenzänderung allein garantiert jedoch keine Spannungsänderung. Mining Firmware, die Steuersoftware des Geräts, kann beide gemeinsam anpassen. Trotzdem bleiben es zwei unterschiedliche Eingriffe. [1] [6] [7]
Stellen wir uns vor, der Chip führt weniger Arbeitsschritte pro Sekunde aus. Der mit seinen Schaltvorgängen verbundene Energiebedarf kann sinken. Braiins vereinfacht den Zusammenhang zu W = a × F × V²: W steht hier für die Leistungsaufnahme in Watt, F für die Frequenz und V für die Spannung. Der Buchstabe a bezeichnet einen Modellkoeffizienten. Die Spannung geht hier quadratisch ein. Das erklärt einen Zusammenhang, berechnet aber nicht exakt die Leistungsaufnahme der gesamten Anlage. Auch Lüfter benötigen Strom, und im Netzteil entstehen Verluste. Aus der eingestellten Frequenz kann Paul deshalb keine genaue Stromrechnung ablesen. [1] [7]
Ein eigenes Rechenbeispiel: 2000 W / 100 TH/s = 20 J/TH. Nach der Änderung messen wir 1200 W / 50 TH/s = 24 J/TH. TH/s bedeutet Terahashes pro Sekunde, also Billionen Hashversuche pro Sekunde. J/TH steht für Joule pro Terahash: den Energiebedarf für eine Billion solcher Versuche. Die Leistungsaufnahme ist um 40% gesunken, aber für gleich viele Versuche benötigt der neue Modus 20% mehr Energie. Eine geringere Belastung des Stromkreises kann nützlich sein; die Energieeffizienz ist trotzdem schlechter. Das sind Modellzahlen und keine empfohlenen Geräteeinstellungen. Paul muss Verbrauch und geleistete Arbeit betrachten. [1] [5] [6] [7]
Ändert Paul eine Einstellung, bestätigt eine sofortige Antwort den Empfang, nicht unbedingt das Erreichen des Ziels. LuxOS beschreibt für frequencyset einen schrittweisen Übergang. frequencyget zeigt die aktuelle Frequenz; IsRamping kennzeichnet eine laufende Anpassung. Der S9 unterstützt außerdem nur bestimmte Frequenzstufen. Das zurückgegebene Feld Frequency nennt deshalb den nächstgelegenen unterstützten Zielwert, der von der Eingabe abweichen kann. Auch dieser Zielwert beweist noch nicht, dass die Chips bereits mit diesem Takt arbeiten. [2]
Paul muss nicht jede Änderung von Hand auslösen. LuxOS nutzt ATM, Advanced Thermal Management, zur temperaturabhängigen Regelung. Bei zunehmender Wärme kann es den Takt senken und ihn nach Abkühlung innerhalb der erlaubten Grenzen wieder erhöhen. Alle verfügbaren Temperatureingänge müssen eine Erhöhung zulassen; eine einzelne kühlere Platine reicht nicht. Je nach Hardware zählen Chiptemperaturen und bei Wasserkühlung auch die Eintrittstemperatur des Wassers dazu. Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Ein kühleres Bauteil bedeutet noch keine sichere Temperatur im gesamten Gerät. [3]
Underclocking garantiert keinen durchgehenden Betrieb bei beliebig schlechter Kühlung. In LuxOS legt Minimum Profile das niedrigste für ATM erlaubte Profil fest; bei Leistungsregelung bildet power_min die Untergrenze. Setzt Paul diese zu hoch und hält die Überhitzung an, kann die Regelung nicht weiter zurückgehen. Die Firmware kann das Gerät dann abschalten. Die Untergrenze verspricht nicht, dass unter allen Umständen wenigstens diese Leistung erbracht wird. Wärmeschutz hat Vorrang vor dem gewünschten Durchsatz. [3]
Braiins verwendet DPS, Dynamic Performance Scaling, um Ziele für Leistungsaufnahme oder Hashrate an Bedingungen anzupassen. Hashrate bezeichnet Hashversuche pro Sekunde. Die Rückkehr nach oben hängt von Version, Modus und zeitlichen Bedingungen ab. DPS Memory berücksichtigt frühere Reaktionen, damit das Gerät nicht schnell hin und her wechselt. Ein langsamerer ASIC ist daher nicht automatisch defekt, auch wenn die Oberfläche ein höheres Profil anbietet. Paul prüft zunächst Temperaturen und Protokolle. Schutzfunktionen abzuschalten, nur damit die Zahl steigt, beseitigt die Ursache nicht. [4]
Underclocking kann das Mining langsamer weiterlaufen lassen. Alle Berechnungen anzuhalten ist ein anderer Zustand und bedeutet ebenfalls nicht zwingend einen Verbrauch von null: Steuerung oder Kühlung können weiter Strom brauchen. Paul vergleicht gleich lange Zeiträume bei ähnlichen Temperaturen, die gesamte Aufnahme an der Steckdose, Fehler und vom Pool angenommene Arbeit. Ein Pool koordiniert Miner. Eine Softwareschätzung ersetzt keine unabhängige Messung. Erst zusammen zeigen diese Daten, ob das Ziel erreicht wurde. Langsamerer Betrieb allein verspricht weder Ersparnis noch längere Lebensdauer oder Gewinn. [1] [5]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit ASIC Miner, Autotuning, Mining Firmware, ASIC Efficiency. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Autotuning, Overclocking.