Autotuning sucht automatisch nach geeigneten Betriebseinstellungen für Mining-Chips oder Rechenplatinen. Die Steuersoftware erprobt und verändert Taktfrequenz und Spannung anhand der Reaktion der Hardware. Sie sucht ein brauchbares Profil für bestimmte Ziele und Bedingungen, beweist aber nicht, dass das Ergebnis das bestmögliche ist, und garantiert auch keinen Gewinn.
Ein ASIC ist ein auf Mining-Berechnungen spezialisierter Chip. Braiins erläutert, dass bereits bei der Herstellung kleine Unterschiede entstehen; später wirken sich auch Zustand und Temperatur aus. Mining Firmware, die Steuersoftware des Geräts, kann die Chips deshalb einzeln erproben. Die Frequenz bestimmt ihr Arbeitstempo, die Spannung beeinflusst die elektrischen Bedingungen dafür. Manche Chips kommen mit mehr Last zurecht, andere besser mit weniger. Das ähnelt einer Aufgabenverteilung nach Fähigkeiten, statt allen dasselbe Tempo vorzuschreiben. Das Ergebnis eines Geräts lässt sich nicht automatisch auf ein anderes übertragen. [1]
Andreas kann eine höhere Hashrate anstreben, also mehr Hashversuche pro Sekunde, oder weniger Energie für dieselbe Arbeit, ausgedrückt in J/TH (Joule pro Terahash, also Energie für eine Billion Hashversuche). Vielleicht muss er auch eine vorgegebene Leistungsaufnahme einhalten. Das sind verschiedene Ziele. Braiins stimmt auf eine gewählte Leistungsstufe ab; LuxOS unterscheidet gewünschte Aufnahme und Grenzen. Autotuning ist kein Synonym für Overclocking, das Anheben der Taktfrequenz: Es lässt sich auch bei sparsamerem Betrieb nutzen. Unabhängig vom Ziel gelten die Grenzen von PSU, also Netzteil, Kühlung und Stromkreis weiter. [1] [5] [6]
Zunächst erprobt die Software, was die Chips leisten können. Die vorläufige Geschwindigkeit ist deshalb noch nicht das Ergebnis. Laut den Antworten auf häufige Fragen (FAQ) von Braiins hängt die Dauer von Modell und Steuerplatine ab und kann mehrere Stunden betragen. Stable bedeutet, dass sich die Abstimmung in diesem Modus eingependelt hat, nicht dass der Betrieb dauerhaft fehlerfrei bleibt. Andreas prüft auch die einzelnen Rechenplatinen: Ein zusammengefasster Status disabled (deaktiviert) kann auf nur eine abgeschaltete oder problematische Platine zurückgehen, während andere stabil arbeiten. Statusangaben brauchen den Zusammenhang mit den Daten der einzelnen Bauteile. [2]
Das Braiins-FAQ nennt einen S19 mit einem Ziel von 3000 W und nur einer funktionierenden Rechenplatine. Die Verteilung auf die erwarteten drei Platinen weist ihr 1000 W zu. Daraus folgt nicht, dass der Tuner sämtliche 3000 W auf die verbleibende Platine übertragen muss. Fehlende Hardware verändert die Möglichkeiten des gesamten Geräts. Andreas wertet eine geringere Leistungsaufnahme deshalb nicht automatisch als Abstimmungsfehler und versucht nicht, die fehlende Leistung ohne Rücksicht auf Grenzen zu ersetzen. Die Grenzen von Platine, PSU und Stromkreis bleiben bestehen. [2]
Braiins unterscheidet ein herkömmliches gespeichertes Profil von Continuous Tuning, das bei dieser redaktionellen Prüfung als beta gekennzeichnet ist. Im Profil stehen ausgewählte Spannungen und Frequenzen. DPS, ausgeschrieben Dynamic Performance Scaling, kann Leistungsstufen wechseln. Dieser Wechsel allein stimmt das ursprüngliche Profil aber nicht auf eine neue Temperatur ab. Der fortlaufende Tuner passt Einstellungen dagegen weiter an die Bedingungen an. Dabei hat thermische Sicherheit Vorrang vor Leistungszielen. Automatisch sagt somit noch nicht, ob die Software gerade neue Einstellungen sucht oder gespeicherte verwendet. [3]
LuxOS AutoTuner hat eigene Grenzen. Er verändert keine custom profiles, also eigene Profile mit ausdrücklich vorgegebener Frequenz und Spannung: Diese Kombination hat der Nutzer selbst gewählt. Power targeting, die Regelung auf eine gewünschte Leistungsaufnahme, und profilbasiertes Abstimmen laufen nicht gleichzeitig. Bei aktivem power targeting stehen auch manuelle Frequenz- und Spannungsbefehle nicht zur Verfügung. Andreas kann Erfahrungen oder Anleitungen anderer Firmware daher nicht ungeprüft übernehmen. Entscheidend sind der aktive Modus und die Unterstützung des konkreten Modells. [4]
Der LuxOS-Befehl powertargetset unterscheidet power_target als gewünschte Aufnahme, power_limit als Obergrenze und power_min als Untergrenze der Regelung. Der ältere Parameter power setzt Ziel und Obergrenze gemeinsam. Ein neues Ziel muss also nicht alle Grenzen verändern. Das ähnelt einer gewählten Geschwindigkeit und einem erlaubten Bereich: verwandt, aber nicht identisch. Die Namen helfen beim Lesen technischer Dokumentation; Einsteiger müssen keine Befehle ausführen, um den Unterschied zu verstehen. Eine aktive Einstellung ist außerdem eine Softwarevorgabe, keine genaue Messung der gesamten Maschine an der Steckdose. [5]
In der folgenden Rechnung steht W für die Leistungsaufnahme in Watt und TH/s für Terahashes pro Sekunde. Ein einfaches Rechenbeispiel: 3000 W / 100 TH/s = 30 J/TH. Nach einer Änderung gilt 2700 W / 90 TH/s = 30 J/TH. Leistungsaufnahme und Versuche pro Sekunde sind im selben Verhältnis gesunken; die Effizienz bleibt gleich. Eine niedrigere Rechnung kann erwünscht sein, aber dieselbe Rechenarbeit benötigt weiterhin dieselbe Energie. Andreas vergleicht Ergebnisse unter gleichen Temperaturbedingungen und misst dabei immer dieselben Teile des Geräts. Er prüft auch die Arbeit, die der Pool annimmt. Dieser Dienst bündelt die Rechenarbeit von Minern; die Geschwindigkeitsanzeige am Gerät allein reicht für den Vergleich nicht aus. Weder Autotuning noch Stable garantieren Einsparungen oder Gewinn. Messwerte, Fehler und tatsächliche Betriebszeit entscheiden. [2] [4] [7]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit ASIC Miner, Mining Firmware, ASIC Efficiency, Underclocking, Overclocking. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem ASIC Miner, ASIC Efficiency, Mining Firmware, Underclocking.