Der slowakische Entwickler Pavol Rusnák arbeitete an Trezor und an Regeln zur Sicherung und Wiederherstellung von Bitcoin-Wallets. Seine Arbeit begegnet Ihnen beim Aufschreiben der Wiederherstellungswörter oder beim Wechsel des Geräts.
Anna verliert ihre Hardware-Wallet. Mit dem richtigen Backup kann sie dieselben privaten Schlüssel in einer kompatiblen Wallet wiederherstellen: die geheimen Daten, mit denen Bitcoin-Zahlungen autorisiert werden. Hat sie zusätzlich eine Passphrase verwendet, also ein selbst gewähltes weiteres Passwort, braucht sie auch deren exakten Wortlaut. So erhält sie wieder Zugriff auf ihre Bitcoin; die Aufzeichnungen bleiben im Netzwerk und liegen nicht im Gerät. Damit die Wiederherstellung über ein einzelnes Produkt hinaus funktioniert, müssen Entwickler vereinbaren, wie ein Backup gelesen wird und wie daraus Schlüssel entstehen. Pavol Rusnák, genannt Stick, hat solche Vereinbarungen mitgeschrieben und umgesetzt. [7] [8] [9] [14]
Nach der Unternehmensgeschichte von SatoshiLabs beschäftigten sich Rusnák und Marek Palatinus ab 2011 im Prager brmlab mit einer Hardware-Wallet. Dieser Hackerspace ist eine gemeinsame Werkstatt für technische Experimente. Sie wollten das Risiko verringern, dass Schadsoftware auf einem gewöhnlichen Computer Schlüssel stiehlt. Mit Alena Vránová gründeten sie 2013 SatoshiLabs; 2014 erreichten die ersten Trezor-Geräte ihre Kunden. Hinter dem Produkt stand also die Zusammenarbeit technischer und organisatorischer Talente, kein einsamer Erfinder. [1] [4] [15]
Bezahlt Anna mit Trezor, bereitet eine Anwendung die Transaktion vor. Das Gerät signiert sie nach Annas Bestätigung. Der private Schlüssel, das Geheimnis zum Autorisieren einer Zahlung, soll im Gerät bleiben. Herausgegeben wird die Signatur, die das Netzwerk prüfen kann. Deshalb besitzt eine Hardware Wallet einen eigenen Bildschirm: Dort kontrolliert Anna Adresse und Betrag, statt nur dem Computer zu vertrauen. Das Gerät ersetzt aber keinen Full Node, der die Netzwerkregeln überprüft, und schützt kein Backup, das im Internet veröffentlicht wurde. [5] [6]
Trezor veröffentlicht Hardware-Entwürfe und den Quellcode der Firmware, also des Programms im Gerät. Andere Entwickler können die Funktionsweise untersuchen, Fehler suchen und Verbesserungen vorschlagen. Anna muss nicht programmieren können, um von dieser Prüfung zu profitieren. Offenheit bescheinigt allerdings weder Fehlerfreiheit noch, dass ein bestimmtes geliefertes Gerät unverändert ist. Tatsächliche Codeprüfungen, das Verfahren zum Erstellen der Software und die Überprüfung des Geräts bleiben wichtig. [5] [6]
BIP39, zugewiesen am 10. September 2013, nennt vier Autoren: Marek Palatinus, Pavol Rusnák, Aaron Voisine und Sean Bowe. Es beschreibt, wie vom Computer erzeugter Zufall zusammen mit einer Prüfsumme in Wörter übersetzt wird. Die Prüfsumme hilft, Fehler zu erkennen. Eine übliche Seed Phrase hat 12 oder 24 Wörter; sie ist kein selbst ausgedachter Satz. Aus Wörtern und optionaler Passphrase entsteht der Seed, das Ausgangsgeheimnis zur Schlüsselableitung. Beim Wiederherstellen müssen Reihenfolge und gegebenenfalls ursprüngliche Passphrase stimmen. Die Wörter werden nicht in eine andere Sprache übersetzt. [7]
Mit dem wiederhergestellten Ausgangsgeheimnis sind noch nicht automatisch alle verwendeten Adressen gefunden. Eine HD Wallet erzeugt daraus einen Schlüsselbaum, ähnlich einem Schrank mit vielen Schubladen. BIP43 und BIP44 von Palatinus und Rusnák helfen Wallets, an denselben Stellen zu suchen. Der BIP44-Pfad lautet m / 44' / coin_type' / account' / change / address_index: Zweck, Währung, Konto, Empfangs- oder Wechselgeldzweig und einzelne Adresse. Der Wechselgeldzweig enthält Adressen, an die der nicht ausgegebene Rest des für eine Zahlung verwendeten Betrags zurückgeht. Anna sollte deshalb auch den Kontotyp festhalten. Der Pfad zu Schlüsseln ist kein Backup der Schlüssel und ersetzt keine verlorenen Wörter. [8] [9]
SLIP39 entstand 2017 als Arbeit von sechs Autoren, darunter Rusnák. Es beschreibt Shamir Secret Sharing für wortbasierte Backups. Anna kann beispielsweise 3 von 5 Anteilen wählen: Beliebige drei stellen das geschützte Geheimnis wieder her, zwei reichen nicht. Diese Anteile werden mathematisch berechnet; eine gewöhnliche Wortliste zu zerschneiden bietet diese Sicherheit nicht. SLIP39 und BIP39 sind nicht austauschbar, und die Ziel-Wallet muss das richtige Format unterstützen. Bei inkompatiblen Formaten kann ein Wechsel eine neue Wallet und eine Überweisung erfordern. Schwellenwerte, mögliche Gruppen und die Passphrase müssen vorher verstanden und die Wiederherstellung sicher getestet werden. [10]
Rusnák ist auch Mitautor von SLIP10, SLIP21 und SLIP44. Der erste behandelt die Schlüsselableitung für verschiedene kryptografische Kurven, also unterschiedliche mathematische Grundlagen von Schlüsselsystemen. Der zweite erzeugt getrennte symmetrische Schlüssel, bei denen dasselbe Geheimnis etwa zum Ver- und Entschlüsseln dient. Der dritte registriert Währungskennungen in BIP44-Pfaden, damit Anwendungen sie nicht verwechseln. Das sind Nachschlagewerke für Entwickler. Anfänger müssen sie nicht vor der ersten Zahlung studieren; sie ermöglichen verschiedenen Programmen die Zusammenarbeit nach bekannten Regeln. [11] [12] [13]
Im September 2021 gab das Unternehmen bekannt, dass Tomáš Sušánka die technische Leitung von Trezor übernimmt. Rusnák blieb in der Gruppenleitung tätig. Das SatoshiLabs-Presskit nennt ihn zum Zeitpunkt dieser Redaktion als Mitgründer und CTO, also technischen Leiter von SatoshiLabs. Daraus folgt nicht, dass er weiterhin seine frühere Trezor-Funktion ausübt. Trezor konzentriert sich auf Wallets und deren Software; SatoshiLabs ist die übergeordnete Gruppe, zu der weitere Projekte gehören. [2] [3]
Rusnáks Beitrag verbindet Geräte, die Schlüssel beim Bezahlen schützen, mit öffentlichen Regeln zur Wiederherstellung. Anna kann dadurch unabhängiger von einem einzelnen Gerät oder Unternehmen werden, sofern eine andere Wallet die nötigen Standards und Einstellungen unterstützt. Self-custody bedeutet eigene Schlüsselverwaltung; der Softwareautor übernimmt damit nicht die Verantwortung für Annas Backup. Vor größeren Beträgen sollte sie das Backupformat verstehen, die Wiederherstellung sicher prüfen und die Rolle der Passphrase kennen. Ein bekannter Entwicklername ersetzt weder dieses Vorgehen noch die Prüfung des konkreten Produkts. [5] [7] [10]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin, Trezor, Hardware Wallet, Selbstverwahrung, SatoshiLabs, Marek „Slush“ Palatinus. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem SatoshiLabs, Trezor, Marek „Slush“ Palatinus, brmlab.