Eine Duress Wallet ist eine Wallet, die offengelegt werden soll, wenn jemand ihren Besitzer zwingt, den Zugang zu Bitcoin herauszugeben. Je nach Umsetzung öffnet sie sich mit einer besonderen PIN oder einer anderen Passphrase, also einem zusätzlichen geheimen Text. Sichtbar werden soll diese Wallet statt der Hauptwallet. Die Bitcoins in dieser Wallet sind jedoch echt und lassen sich ausgeben. Die Funktion kann den gerade offengelegten Zugang begrenzen; sie garantiert nicht, dass jemand den angezeigten Kontostand glaubt oder seine Drohungen beendet.
Eine Wallet ist eine Anwendung oder ein Gerät zum Empfangen und Senden von Bitcoin. Private Schlüssel sind geheime Zahlen, mit denen sich das Ausgeben von Bitcoin autorisieren lässt. Peter hält seine wesentlichen Ersparnisse in einer Wallet und bereitet daneben eine weitere für einen möglichen Zwangsfall vor. Ein geeignetes Gerät kann nach einer besonderen PIN nur die zweite öffnen: Es stellt deren Schlüssel zum Signieren von Zahlungen bereit. Die Hauptwallet bleibt in diesem Modus unzugänglich. Das ist aber keine vorgetäuschte Anzeige erfundener Beträge. Eine Zahlung aus der zweiten Wallet gelangt ganz normal ins Bitcoin-Netzwerk. Der Name Duress Wallet verrät weder die Schlüsselableitung noch weitere Aktionen der PIN. Peter muss deshalb das genaue Verhalten seines Geräts verstehen, nicht bloß den Menüeintrag. [1] [6] [7]
Eine PIN entsperrt üblicherweise eine Hardware Wallet, ein Gerät zum Schutz der Schlüssel. Eine BIP39-Passphrase hat eine andere Aufgabe: Zusammen mit der Seed Phrase, dem Backup in Wörtern, fließt sie in die Berechnung des Seeds ein, also der Ausgangsdaten für die Schlüssel. Auch eine Passphrase mit einem Tippfehler wird als Eingabe akzeptiert und öffnet meist eine andere, leere Wallet. Vor der Berechnung vereinheitlicht BIP39 die Zeichendarstellung durch Normalisierung. Für den erneuten Zugang braucht man das richtige Backup und die ursprüngliche Passphrase; Trezor kann sie nicht wiederherstellen. Eine neue Passphrase verhält sich also nicht wie ein neues E-Mail-Passwort: Der Bitcoin wandert nicht mit. Passphrase-Unterstützung bedeutet zudem nicht automatisch Unterstützung einer besonderen Duress PIN. [2] [3]
Hat jemand Peters Hauptwallet bereits gesehen oder kennt ihre Adressen, verschwindet dieses Wissen nicht durch einen kleineren Betrag auf einem anderen Bildschirm. BIP39 ermöglicht verschiedene gültige Wallets, beweist aber nicht, dass keine weitere existiert. COLDCARD erläutert das bei SSSP, den Ausgaberegeln für einen einzelnen Unterzeichner: Wer die Haupt-PIN kennt, kann einen XPUB exportieren. Dieser erweiterte öffentliche Schlüssel erlaubt die Beobachtung zugehöriger Adressen und Guthaben. Er kann allein keine Zahlungen signieren, aber Informationen offenlegen. Auch Kaufbelege oder frühere Zugriffe auf die App spielen eine Rolle. Ein Zusammenhang zwischen Blockchain-Transaktionen beweist für sich genommen jedoch nicht die Identität des Besitzers. [2] [5]
Manche Trick PINs öffnen nur eine andere Wallet, andere löschen Geheimnisse oder machen das Gerät dauerhaft unbrauchbar. Diese Folgen unterscheiden sich erheblich. Bitcoin-Ausgänge, also Beträge mit festgelegten Ausgabebedingungen, bleiben in der Blockchain verzeichnet. Mit einem vollständigen Backup können sie auf einem anderen Gerät weiterhin zugänglich sein. Verschwindet die einzige brauchbare Kopie der Schlüssel, verliert möglicherweise auch der Besitzer den Zugriff. Das Löschen steuert außerdem nicht die Reaktion eines drohenden Menschen. Die Funktionsbeschreibung ist deshalb keine Empfehlung, sie in einer gefährlichen Situation auszulösen. [1] [6]
Die Notiz „Ersatz-PIN“ reicht Peter nicht. Er muss wissen, welche Angaben die Hauptwallet und welche die getrennte Wallet wiederherstellen: Seed Phrase, gegebenenfalls Passphrase sowie benötigte Ableitungsparameter. Die Backup-Wörter ersetzen keine vergessene BIP39-Passphrase. Bei einer Probe mit getrennten Testdaten sollten bekannte Empfangsadressen verglichen und das Verhalten nach einem Neustart geprüft werden. Dass eine App irgendeine gültige Wallet öffnet, bestätigt noch nicht die Wiederherstellung der gewünschten Wallet. Destruktive Optionen sind nichts für Experimente mit der einzigen Kopie eines echten Backups. [3] [4]
Ein gestohlenes ausgeschaltetes Gerät, ein entwendetes Backup und unmittelbarer Zwang gegen einen Menschen sind drei verschiedene Situationen. Wissen und Möglichkeiten des Angreifers unterscheiden sich. Eine Duress Wallet kann Teil einer durchdachten Self-custody sein, bei der man seine Schlüssel selbst kontrolliert. Einen allgemein verlässlichen Ablauf bietet sie nicht. Auch einen technisch nachweisbaren „sicheren Betrag“ für die zweite Wallet gibt es nicht. Persönliche Sicherheit, nahestehende Menschen, Wiederherstellung und eigene Fehler gehören zur Abwägung. Ein Gerätetest zeigt, was die Software macht, nicht wie ein Angreifer handeln wird. EFF empfiehlt deshalb eine an konkreten Bedrohungen orientierte und regelmäßig überprüfte Sicherheitsplanung. [6] [5]
Mit BIP85 lassen sich aus einem Hauptbestand geheimer Daten weitere Wallets wiederholt erzeugen. Ausgangspunkt ist der erweiterte private BIP32-Masterschlüssel: ein privater Schlüssel zusammen mit den Daten zum Ableiten weiterer Schlüssel. Der Pfad besteht ausschließlich aus hardened Schritten, die jeweils privates Schlüsselmaterial benötigen. Anschließend verarbeitet HMAC, eine Hashfunktion mit Schlüssel, das Ergebnis. In dieser Hierarchie heißen abgeleitete Wallets Kinder; der gemeinsame Ausgangspunkt ist die Wurzel. Aus einem Kind soll sich die Wurzel nicht berechnen lassen. Wer aber die Wurzel und die nötigen Parameter besitzt, kann die Kinder erneut erzeugen. Getrennte Adressen garantieren daher keine unabhängigen Backups. Zu unterscheiden sind eine Wallet aus einer gemeinsamen Wurzel, eine Wallet mit anderer Passphrase und eine Wallet mit einem wirklich eigenständigen Seed. Für die Wiederherstellung bleiben der richtige Pfad und der Index wichtig, die Nummer zur Auswahl eines bestimmten Kindes. [4]
Die COLDCARD-Dokumentation unterscheidet Duress Wallet ohne Löschen des Hauptseeds von Wipe → Wallet, das den Hauptseed löscht und anschließend die gewählte Wallet öffnet. Sie nennt drei BIP85-Varianten und eine ältere Legacy Wallet. Bei einem Hauptbackup mit 24 Wörtern verwenden die BIP85-Varianten die Indizes 1001–1003, bei 12 Wörtern 2001–2003. Legacy verwendet m/2147431408h/0h/0h; h kennzeichnet einen hardened Schritt. Diese Angaben beschreiben eine konkrete Umsetzung, keine Bitcoin-Konsensregel. Ein anderes Gerät oder eine andere Firmware, die Software im Gerät, muss sich trotz ähnlicher Bezeichnung nicht gleich verhalten. Auch die Wiederherstellung setzt die Kenntnis des genauen Modus voraus. [1]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit BIP85, BIP39 passphrase, Hardware Wallet, Selbstverwahrung, Secure Element, Seed Phrase.