Bitcoin Inheritance Plan legt fest, wie berechtigte Nachfolger nach dem Tod oder der Handlungsunfähigkeit des Eigentümers Mittel entdecken, Unterlagen erhalten und die Wiederherstellung durchführen. Er ist mehr als eine Datei mit einem Seed: rechtliche Befugnis, Wallet-Kenntnis und die technische Fähigkeit zur Zahlungssignatur sind verschiedene Teile derselben Aufgabe.
Auch die beste Sicherung hilft niemandem, der nichts von der Wallet weiß. Der Plan braucht einen auffindbaren Einstieg: welche Wallets existieren, wer die Wiederherstellung koordiniert und wo der Weg zu den Unterlagen beginnt. Dieses Verzeichnis muss keine geheimen Schlüssel enthalten. Ein Rechtsdokument regelt berechtigte Personen, erzeugt aber keine fehlende Signatur. Umgekehrt beweist Schlüsselbesitz technisch keinen Rechtsanspruch. Der Entwurf muss auch einen unerreichbaren bisherigen Verwalter und Nachfolger berücksichtigen, die dessen Gewohnheiten nicht kennen. [Bitcoin Design — Inheritance wallet backup]
Seed Phrase stellt Schlüssel wieder her, beschreibt aber nicht unbedingt Multisig, zeitabhängige Zweige oder sämtliche Konten. Output Descriptor beschreibt Skripte, Schlüssel und Ableitungsdaten. Ein öffentlicher Descriptor ohne private Schlüssel ermöglicht Überwachung statt Signierung, legt aber Finanzinformationen offen. Das allgemeine Format kann auch private Schlüssel enthalten; entscheidend ist der Exportinhalt. Eine Wallet mit BIP39 passphrase benötigt zusätzlich exakt diese Passphrase. Weder Geräte-PIN noch eine andere gültige, aber leere Wallet ersetzen fehlende Daten. [Bitcoin Core — Output Descriptors] [Trezor — What is a passphrase?]
Bei 2-of-3 Multisig können beliebige zwei berechtigte Signierende den Schwellenwert erfüllen. Erhalten zwei Nachfolger ihre Schlüssel heute ohne weitere Beschränkung, können sie heute signieren. Hält der Eigentümer zwei Schlüssel und ein Helfer den dritten, kann der Helfer allein nichts retten, wenn beide Eigentümerschlüssel verschwinden. Prüfen Sie die nach jedem Ausfall tatsächlich verfügbaren Kombinationen, nicht nur die Zahl der Sicherungen. Eine Kopie desselben Schlüssels liefert keine weitere unabhängige Signatur; auch die Konfiguration muss wiederherstellbar bleiben. [Bitcoin Design — Inheritance wallet backup] [Bitcoin Core — Output Descriptors]
CHECKSEQUENCEVERIFY nach BIP 112 kann zusammen mit BIP 68 einen Skriptzweig vom Alter des ausgegebenen Outputs abhängig machen. Die vereinfachte Regel „A jetzt oder B nach 1000 Blöcken“ verzögert die Signatur von B, nicht von A. Sie prüft weder Tod noch Geschäftsfähigkeit oder rechtmäßige Erben. Nach Ablauf kann B den Zweig auch zu Lebzeiten von A nutzen. Gezählt werden Blöcke relativ zur Bestätigung des betreffenden UTXO, kein festes Kalenderdatum; die tatsächliche Mining-Dauer schwankt. [BIP 112 — CHECKSEQUENCEVERIFY] [BIP 68 — Relative lock-time]
Im Modell kann ein in Block H bestätigtes UTXO über den verzögerten Zweig frühestens bei H+1000 ausgegeben werden, sofern die übrigen Bedingungen erfüllt sind. Ein neuer Zahlungseingang oder das Öffnen der App setzt sein Alter nicht zurück. Zur Erneuerung muss dieses UTXO in einen neuen Output mit entsprechender Regel ausgegeben und dessen Bestätigung abgewartet werden. Liana nutzt Wiederherstellungszweige und einen refresh sweep. Der Plan muss alle relevanten Outputs, Gebühren und die Verfügbarkeit des regulären Signaturwegs verfolgen, nicht bloß die letzte Wallet-Aktivität. [BIP 112 — CHECKSEQUENCEVERIFY] [BIP 68 — Relative lock-time] [Liana — Inheritance guide]
Anweisungen, Signaturgeheimnisse und ein etwaiges Entschlüsselungspasswort können auf verschiedene Zugangswege verteilt werden; die Reihenfolge muss jedoch durchführbar bleiben. Ein Passwort in einem Konto, dessen Wiederherstellung das Telefon des Verstorbenen voraussetzt, kann eine zirkuläre Abhängigkeit schaffen. Nachfolger benötigen zuständige Kontakte und Ersatzabläufe für unerreichbare Speicherorte oder Helfer. Zusätzliche Kopien erhöhen Verfügbarkeit und mögliche Leckstellen zugleich. Öffentliche Konfigurationsdaten bergen andere Risiken als Schlüssel, die sofortiges Ausgeben ermöglichen. [Bitcoin Design — Inheritance wallet backup]
Lesbare Anweisungen sind noch kein erprobter Wiederherstellungsablauf. In einer separaten Test-Wallet muss der vorgesehene Nachfolger ohne das Gedächtnis des Eigentümers Unterlagen finden, erwartete Adressen rekonstruieren, den richtigen Zweig erkennen und eine überprüfbare Testtransaktion erstellen. Bei Zeitbedingungen gehören Ablehnung vor und Nutzung nach Fristablauf dazu, etwa in regtest. Ein angezeigter Saldo beweist weniger als Signaturfähigkeit. Die Probe umfasst weder die Offenlegung echter Seeds noch die Übertragung des tatsächlichen Erbes. [Bitcoin Design — Inheritance wallet backup] [BIP 112 — CHECKSEQUENCEVERIFY]
Neue Erben, Schlüsselverlust oder eine neue Signaturregel erfordern eine Prüfung, unter welchen Bedingungen die Mittel tatsächlich liegen. Ein geänderter Name in der Anleitung oder ein neuer Descriptor verändert alte UTXOs nicht von selbst. Andere On-chain-Bedingungen erfordern eine Übertragung zur neuen Regel. Nach Prüfung neuer Sicherungen werden Kontakte, Anleitungsversionen und Empfangsadressen aktualisiert. Alte Adressen können weiterhin Zahlungen erhalten und dürfen nicht einfach vergessen werden. Der Plan ist ein gepflegter Prozess, kein einmal versiegelter Umschlag. [Bitcoin Design — Making changes]
Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Dead Man’s Switch, Multisig, Timelock, Collaborative Custody, Seed Phrase, BIP39-Passphrase. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Shamir Secret Sharing, Bitcoin Vault, Dead Man’s Switch, Collaborative Custody.