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Dead Man’s Switch

Was geschehen soll, wenn der Eigentümer sich nicht mehr meldet

Anna möchte, dass ihre Familie an ihre Bitcoins gelangen kann, wenn sie selbst nicht mehr helfen kann. Ein Dead Man’s Switch kann nach längerer Inaktivität Anweisungen freigeben oder einen weiteren Zugangsweg eröffnen. Er muss aber auch einen verlorenen Handy-Zugang oder einen Krankenhausaufenthalt berücksichtigen.

Ein Dead Man’s Switch ermöglicht einen vorher festgelegten Schritt, wenn eine Bestätigung ausbleibt oder eine Frist verstreicht. Er kann eine Nachricht versenden oder einen weiteren Weg zum Ausgeben von Bitcoins freigeben. Er erkennt nicht, ob der Eigentümer gestorben ist; technischer Zugriff begründet keinen Erbanspruch.

Anna möchte einen Plan für ihre Familie: Solange sie kann, verwaltet sie ihre Bitcoins selbst. Ist sie länger nicht erreichbar, sollen andere Möglichkeiten bestehen. Eine Wallet ist eine Anwendung oder ein Gerät zum Empfangen und Senden von Bitcoin. Unterschreiben bedeutet hier, mit einem privaten Schlüssel, einem geheimen Zahlenwert, einen überprüfbaren Nachweis für die Berechtigung zur Zahlung zu erzeugen. Andere können die Signatur prüfen, ohne diesen geheimen Wert zu kennen. Ein Transaktionsausgang hält einen Betrag und die Bedingungen fest, unter denen er später ausgegeben werden darf. Ein Dead Man’s Switch wertet ein bestimmtes Signal aus, etwa eine fehlende Rückmeldung oder das Alter eines Ausgangs. Er erkennt nicht, warum der Eigentümer sich nicht mehr meldet. Ein Krankenhausaufenthalt, ein kaputtes Telefon oder vergessene Wartung können dieselbe Bedingung erfüllen. Zuerst muss daher klar sein, was das System tatsächlich beobachtet und was darauf folgen darf. Auch ein fehlerfrei arbeitender Mechanismus bestimmt nicht den rechtmäßigen Erben. Er ergänzt den Plan, statt sämtliche Entscheidungen zu ersetzen. [1] [5] [8] [9]

Der Dienst deadmansswitch.net veranschaulicht die Nachrichtenvariante: Man bereitet E-Mails vor, wählt Empfänger und meldet sich regelmäßig zurück. Bleiben Bestätigungen aus, verschickt der Dienst die Nachrichten. Das unterscheidet sich von Bitcoin Script, den Regeln, die das Netzwerk beim Ausgeben prüft. Eine E-Mail kann auf Unterlagen hinweisen, ohne die nötigen Signaturen bereitzustellen. Ausbleibende Zustellung, verlorene Konten und vorzeitige Offenlegung müssen berücksichtigt werden. Eine Seed Phrase, die Wörter zur Ableitung der Walletschlüssel, ist keine gewöhnliche Notiz: Wird sie bekannt, nimmt ein neuer Timer niemandem dieses Wissen. Auch die Übertragung gefährdeter Mittel unter neue Schlüssel muss geklärt werden. [7]

Die andere Variante steckt in den Ausgabebedingungen der Wallet. Liana unterscheidet etwa einen sofort verfügbaren Hauptpfad und einen Wiederherstellungspfad nach einer Wartezeit. In diesem Modell endet Annas ursprüngliche Befugnis nicht mit Ablauf der Frist. Ein weiterer Weg kommt hinzu; jemand muss weiterhin eine gültige Transaktion erstellen, signieren und verbreiten. Haben beide Beteiligten nutzbare Wege, können sie um denselben UTXO konkurrieren, einen bestimmten ungenutzten Transaktionsausgang. Entscheidend ist die bestätigte Ausgabe in der Kette, nicht die Bezeichnung Eigentümer oder Erbe in der App. Versäumte Wartung kann somit anderen schon zu Annas Lebzeiten Zugriff geben. [1] [5]

Praktische Vorbereitung beginnt deutlich vor der nächsten Frist. Anna braucht verlässliche Erinnerungen, Zeitreserve und Mittel für mögliche Transaktionsgebühren. Häufigeres Erneuern kostet Gebühren; längeres Warten verzögert den Wiederherstellungszugang. Die Familie braucht richtige Schlüssel, eine verständliche Walletbeschreibung und geeignete Software. Ein Output Descriptor beschreibt Schlüssel und Bedingungen maschinenlesbar, um Ausgänge zu finden und auszugeben; die Konfiguration ersetzt keine erforderlichen Signaturen. Unterlagen dürfen nicht in einem Konto stecken, das nur Annas unerreichbares Telefon öffnen kann. Eine solche Sicherung existiert, hilft aber im entscheidenden Moment nicht. [5] [6]

Bei einer relativen Zeitbedingung hat jeder UTXO seine eigene Wartezeit. Ein Block bündelt Transaktionen, die in die gemeinsame Historie aufgenommen werden. Wurde ein Ausgang im Block H bestätigt und verlangt ein weiterer Pfad 1000 Blöcke, ist dieser frühestens in H+1000 nutzbar, wenn auch die übrigen Bedingungen stimmen. Anmelden oder eine andere Zahlung empfangen setzt sein Alter nicht zurück. Anna muss genau diesen Ausgang ausgeben und einen neuen mit den beabsichtigten Bedingungen bestätigen lassen. Erneuert sie nur einen Teil der Wallet, können alte Ausgänge weiterhin kurz vor ihrer Grenze stehen. Heute die Wallet geöffnet zu haben heißt also nicht, den Zeitplan aller Coins erneuert zu haben. [1] [2] [9] [10]

Ein Timelock begrenzt, wann ein Ausgabepfad verwendet werden darf. BIP 65 und OP_CHECKLOCKTIMEVERIFY erzwingen eine absolute Grenze, etwa eine Blockhöhe. BIP 112 und OP_CHECKSEQUENCEVERIFY können zusammen mit BIP 68 ein bestimmtes Alter eines UTXO verlangen. Die zeitbasierte relative Variante rechnet in Einheiten von 512 Sekunden und verwendet median-time-past, eine aus Blöcken abgeleitete Zeit. BIP 113 beschreibt den Median der Zeitstempel der vorherigen 11 Blöcke, also den mittleren Wert nach Sortierung. Das ist weder die Handyzeit noch das Versprechen eines exakten Kalenderzeitpunkts. Die Dokumente beschreiben die Regeln; im Alltag muss man wissen, welche Uhr der eigene Plan verwendet. [1] [2] [3] [4]

Ein anderer Plan kann der Familie eine bereits signierte, verzögerte Transaktion überlassen. Ihr Feld nLockTime begrenzt, wann diese Transaktion bestätigt werden darf; es verbietet dem Schlüsselinhaber allein noch nicht, eine andere zu signieren. Der vorab signierte Plan verweist auf bestimmte UTXO, Ziele und eine Gebührenfinanzierung. Wird ein Eingang zuvor durch eine andere bestätigte Transaktion ausgegeben, ist die alte vorab signierte Transaktion unbrauchbar. Ein bearbeitetes Dokument aktualisiert daher weder die Mittel noch die Unterlagen der Familie. Planänderungen verlangen die Prüfung tatsächlicher Ausgänge, Signaturrechte und neuer nutzbarer Informationen bei den Empfängern. [3]

Liana veröffentlicht eine Anleitung für Signet, ein getrenntes Testnetzwerk mit Testcoins ohne echten Wert. Dort lassen sich vorzeitige Versuche, das Öffnen des Wiederherstellungspfads und das Erneuern eines UTXO erproben. Beim eigenen Plan sollten außerdem ausbleibende Warnungen, der Verlust des Hauptschlüssels und die Wiederherstellung anhand tatsächlich gesicherter Testwallet-Unterlagen geprüft werden. Nach einem Empfängerwechsel ist zu kontrollieren, was alte Schlüssel und Ausgänge weiterhin erlauben. Eine gültige Signatur, die Aufnahme in den Mempool unbestätigter Transaktionen und die Blockbestätigung sind verschiedene Schritte. Eine erfolgreiche Vorführung beweist nicht, dass der Plan jedes Versagen abfängt. [6] [1]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Bitcoin Inheritance Plan, Timelock, Bitcoin Vault, Miniscript, Output Descriptor, Seed Phrase. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Bitcoin Inheritance Plan.

DOC · 001BIP 112 — CHECKSEQUENCEVERIFYSpezifikation DOC · 002BIP 68 — Relative lock-timeSpezifikation DOC · 003BIP 65 — OP_CHECKLOCKTIMEVERIFYSpezifikation DOC · 004BIP 113 — Median time-pastSpezifikation DOC · 005Liana — Wallet architecturePrimärquelle DOC · 006Liana — Signet testing guideDokumentation DOC · 007Dead Man’s Switch — Service mechanismPrimärquelle DOC · 008Bitcoin Developer Guide — WalletsDokumentation DOC · 009Bitcoin Developer Guide — Block ChainDokumentation DOC · 010Liana — ChangelogDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung