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Joseph Poon

Mitautor der Vorschläge Lightning und Plasma

Joseph Poon ging einer einfachen Frage nach: Muss die gesamte Blockchain jede kleine Zahlung erfassen? Mit Thaddeus Dryja entwarf er das Lightning Network, später mit Vitalik Buterin Plasma. Beide Ansätze verlagern Arbeit aus der Basiskette und wollen dabei durchsetzbare Regeln erhalten.

Joseph Poon ist Mitautor der Vorschläge Lightning Network und Plasma. Der erste verbindet Bitcoin-Zahlungskanäle, der zweite untersucht eine Hierarchie untergeordneter Blockchains. Um seine Arbeit zu verstehen, lohnt es sich, dem Geld zu folgen: Wie bewegt es sich, und was können Nutzer tun, wenn andere nicht mehr mitwirken?

Beim Kaffeekauf muss nicht die ganze Welt informiert werden. Auf der Basisschicht von Bitcoin prüft jedoch ein Computernetz die Zahlung und nimmt sie in eine gemeinsame Historie auf. Joseph Poon und Thaddeus Dryja wollten diese Schicht durch Zahlungskanäle entlasten. Der verlinkte Vorschlag trägt das Datum 14. Januar 2016 und die Kennzeichnung DRAFT 0.5.9.2. Er steht am Anfang von Lightning; heutige Bestandteile entstanden auch durch die Arbeit vieler anderer. [1]

Stellen wir uns vor, Anna und Pavel zahlen Bitcoin in einen Kanal ein. Anschließend signieren sie neue Aufteilungen dieses Betrags: Nach einer Zahlung gehört Anna weniger und Pavel mehr. Nicht jede Änderung muss in die öffentliche Historie gelangen. Eine Bitcoin-Transaktion kann die abschließende Aufteilung durchsetzen. Im Streitfall zählen aber auch die Reaktion auf einen alten Zustand und die Einhaltung von Fristen. Zur Sicherheit gehört deshalb die Beobachtung des Geschehens, nicht nur der letzte Kontostand. [1]

Empfänger und Absender brauchen keinen direkten gemeinsamen Kanal. Eine Zahlung kann über andere Teilnehmer laufen und ein HTLC verwenden: eine Bedingung, die Zahlung, Geheimwert und Frist miteinander verknüpft. BOLT 2 nennt den offengelegten Wert payment_preimage und seinen vorher bekannten kryptografischen Fingerabdruck payment_hash. Die Software prüft, ob beide zusammenpassen. Ein gefundener Weg garantiert keine erfolgreiche Zahlung. Bedingungen müssen erfüllt sein; Fehler und Fristablauf erfordern die vorgesehene Fehlerbehandlung. [3]

Damit Wallets und Knoten verschiedener Entwickler zusammenarbeiten, brauchen sie genauere gemeinsame Regeln als einen allgemeinen Entwurf. Dafür gibt es die BOLTs, die Lightning-Spezifikationen. Sie beschreiben etwa Nachrichten, Zahlungswege und Transaktionsstrukturen und werden weiterentwickelt. Die Mitautorschaft am Whitepaper macht Poon nicht zum Autor jeder späteren Änderung. Für heutige Software sind auch deren Dokumentation und die betreffende Spezifikation maßgeblich. [2]

Mit Vitalik Buterin schrieb Poon außerdem den Plasma-Arbeitsentwurf vom 11. August 2017. Plasma ist kein Bitcoin-Zahlungskanal. Untergeordnete Ketten verarbeiten Transaktionen und stützen die Durchsetzung ihrer Regeln auf eine übergeordnete Kette, etwa Ethereum. An die Stelle eines Netzes von Vereinbarungen zwischen jeweils zwei Beteiligten tritt eine Hierarchie von Blockchains. Das ähnliche Ziel, Arbeit aus der Basisschicht zu verlagern, bedeutet weder gleiche Mechanismen noch gleiche Risiken. [4]

Plasma veröffentlicht auf der Wurzelkette normalerweise nur kompakte kryptografische Festlegungen, vergleichbar mit prüfbaren Fingerabdrücken von Aufzeichnungen. Die Einzelheiten bleiben andernorts. Ein Fingerabdruck hilft, vorgelegte Daten zu prüfen; fehlende Daten lassen sich daraus nicht lesen. Für einen Betrugsnachweis werden die entsprechenden Aufzeichnungen benötigt. Zurückgehaltene Daten bleiben daher ein eigenes Problem: Ein veröffentlichter Hash garantiert nicht, dass Nutzer alle Unterlagen zur Verteidigung ihrer Mittel erhalten. [4]

Bei Plasma ist entscheidend, wie Nutzer Geld abziehen können, wenn eine untergeordnete Kette ausfällt. Der Entwurf sieht verzögerte Auszahlungen und die Möglichkeit vor, falsche Ansprüche anzufechten. Er setzt eine verfügbare, korrekt funktionierende Wurzelkette voraus, auf der das Verfahren ausgeführt werden kann. Das verspricht keine sofortige Auszahlung bei beliebigen Störungen. Ausstiegsregeln, verfügbare Daten und Fristen sind ein Teil der Sicherheit. [4]

Der spätere Text Plasma Contracts beschreibt ausdrücklich gemeinsame Forschung der Community. Neben Joseph Poon nennt er etwa Dan Robinson und Kelvin Fichter. Zugleich spricht er keine Empfehlung für ein bestimmtes Projekt aus. Der Name Plasma bei einem Dienst ist deshalb für sich genommen kein Beleg für die Unterstützung des Autors. Poons Beitrag zeigt sich in den Dokumenten und ihren Fragen: Was kann außerhalb der Blockchain stattfinden, und wie können Nutzer trotzdem eine korrekte Abwicklung durchsetzen? [5]

Für ein möglichst vollständiges Bild lies diesen Eintrag zusammen mit Tadge Dryja, Olaoluwa Osuntokun, Lightning Network. Auf diesen Eintrag verweisen außerdem Tadge Dryja, Olaoluwa Osuntokun.

DOC · 001Poon and Dryja — Lightning draft (2016)Dokumentation DOC · 002BOLTs — specification repositoryDokumentation DOC · 003BOLT 2 — HTLC fulfillment and expiryDokumentation DOC · 004Poon and Buterin — Plasma working draft (2017)Dokumentation DOC · 005Plasma Contracts — community researchDokumentation
Überarbeitet: Quellenbasiert · Keine Anlageberatung